Fricktal

Jährlich zwischen zehn und zwanzig Schliessungen: Eine Branche kämpft ums Überleben

Totalausverkauf wegen Geschäftsaufgabe: Die Papeterie Fricker schliesst Ende Jahr. mf

Totalausverkauf wegen Geschäftsaufgabe: Die Papeterie Fricker schliesst Ende Jahr. mf

Schweizweit leiden Papeterien – im Fricktal akzentuiert sich das Problem. Auch die Digitalisierung macht es den Papeterien schwer – und zwar gleich im doppelten Sinn.

«Totalausverkauf» steht derzeit im Schaufenster der Papeterie Fricker in Frick. Ende Jahr schliesst sie ihre Türen (die az berichtete). Sie ist schweizweit nicht die einzige. «Jährlich schliessen zwischen zehn und zwanzig Papeterien in der Schweiz», sagt Hans-Peter Jäger, Inhaber der Altstadt-Papeterie Jäger in Rheinfelden.

«Im Fricktal gab es vor rund zehn Jahren noch sieben oder acht Papeterien, jetzt sind es noch zwei.» Die Erosion in der Branche sei im grenznahen Raum sicher noch stärker als anderswo. Arnold Fricker, Geschäftsführer der Papeterie Fricker führte gegenüber der az denn auch einen Umsatzeinbruch nach der Aufhebung des Euromindestkurses als Grund für die Geschäftsschliessung an.

Digitalisierung als Problem

Doch es gibt noch weitere Gründe dafür, dass die Branche leidet. «Für Geschäftskunden sind wir kleinen Papeterien oft nur Lückenbüsser, wenn kurzfristig etwas fehlt und die privaten Stammkunden werden immer älter und sterben wohl irgendwann aus», so Jäger. Auch Andrea Isenegger, Inhaberin und Geschäftsführerin der Papeterie Isenegger in Möhlin, kennt diese Probleme. Und sie ergänzt: «Als Fachgeschäft führen wir oft Produkte auf dem Markt ein. Wenn sie dann laufen, sind sie auch bei den Grossverteilern erhältlich.»

Auch die Digitalisierung ist ein Problem für die Papeterien – und zwar gleich ein doppeltes. Einerseits ist der Bedarf an Papeterieartikeln kleiner. «Die Agenda etwa wird oft auf dem Smartphone oder dem Tablet geführt», so Jäger. Und andererseits kaufen die Kunden vermehrt online ein. Dies versucht sich seit Anfang Jahr auch die Papeterie Isenegger mit einem eigenen Online-Shop zunutze zu machen.

Auf regionale Kunden angewiesen

Sowohl Jäger als auch Isenegger fügen an, dass auch sie mit rückläufigen Umsatzzahlen zu kämpfen haben. «Ohne unsere Synergien mit dem Druckservice könnte die Papeterie wohl nicht mehr bestehen.» Beide hoffen zwar, dass nach der Schliessung in Frick Kunden aus dem oberen Fricktal den Weg in ihre Papeterien finden. Doch realistisch sei das eher nicht. «Dafür ist der Weg fast schon zu weit», so Isenegger.

Dass Detailhandelsgeschäfte aus verschiedenen Branchen wichtig für die Ortschaften sind, betonte der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter bereits, als die Schliessung der Papeterie Fricker bekannt wurde.

Auch Albi Wuhrmann, Vize-Präsident des Vereins Rheinfelden pro Altstadt, sieht dies so. Um die «Herkulesaufgabe», die Altstädte lebendig zu halten, zu bestehen, zählt er auf den Unternehmergeist der Detailhändler und auf die regionale Kundschaft: «Wer will, dass die kleineren Geschäfte überleben, der muss auch dort einkaufen», so Wuhrmann. Das gelte sowohl für Privatpersonen wie auch für Unternehmen.

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