Rheinfelden/Laufenburg

«Jetzt reicht es»: Das Besuchsverbot in Akutspitälern soll gelockert werden

Wie in allen Aargauer Akutspitälern gilt auch im Gesundheitszentrum Fricktal ein Besuchsverbot.

Wie in allen Aargauer Akutspitälern gilt auch im Gesundheitszentrum Fricktal ein Besuchsverbot.

Angesichts der tiefen Corona-Fallzahlen fordert ein Laufenburger CVP-Politiker die sofortige Aufhebung des Besuchsverbots in Akutspitälern.

Er findet klare Worte: «Jetzt reicht es.» Daniele Mezzi, neuer Präsident der CVP Bezirk Laufenburg, fordert, dass das Besuchsverbot in den Aargauer Akutspitälern nicht erst, wie derzeit geplant, am 19.Juni aufgehoben wird, sondern bereits in der kommenden Woche.

«Wer länger im Spital liegt, ist seit Wochen isoliert», sagt Mezzi. Das belaste die Psyche der Patienten ebenso wie der Angehörigen. «Das ist ethisch nicht vertretbar.» Er spricht aus Erfahrung. Ein Familienmitglied, über 80, liegt seit drei Wochen im Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) in Rheinfelden. «Alle Besuchsversuche scheiterten.» Der Zustand habe sich inzwischen zum Glück stabilisiert, «aber die Psyche wird noch lange leiden».

Solothurn lockert Verbot früher

Mezzi hat Verständnis für die rigorosen Regeln, mit denen die Spitäler die Patienten und Mitarbeiter in der Coronazeit geschützt haben. Nun seien aber die Zahlen tief und deshalb müsse das Besuchsverbot «sofort gelockert werden». Er verweist auf andere Kantone, die eine liberalere Praxis fahren. So hat der Kanton Solothurn am Freitag angekündigt, das Besuchsverbot ab heute Samstag durch ein kontrolliertes Besuchsrecht zu ersetzen. Die Spitäler müssen dafür allerdings zuerst noch ein Besuchskonzept vorlegen.

Im Aargau bleibt es dagegen beim Besuchsverbot in Akutspitälern bis am 19.Juni, wie eine Nachfrage beim Gesundheits­departement zeigt. Allerdings, so betont Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, könnten die Spitäler heute schon «in sachlich begründeten Fällen» Besuche – im Einzelfall oder generell – bewilligen.

Das machen die Spitäler auch; im GZF dürfen Patienten in Lebensgefahr besucht werden, Partner bei der Geburt ihres Kindes dabei sein und Eltern Kinder besuchen. Ab heute Samstag will das GZF das Besuchsverbot weiter lockern. So wird laut GZF-Sprecherin Miriam Crespo die Zahl erlaubter Besucher bei den Ausnahmefällen erhöht. «In berechtigten Einzelfällen wird eine erleichterte Sonderbewilligung für einen Besuch gewährt», so Crespo.

Verständnis für schwierige Situation

Dass die Situation gerade für Langzeitpatienten und ältere Menschen belastend ist, weiss man im GZF. «Wir haben sehr grosses Verständnis für diese schwierige Situation und sind uns der Bedeutung von Besuchen von Angehörigen und Bekannten, gerade in Bezug auf den Genesungsprozess und auf das Wohlbefinden unserer Bewohner, sehr bewusst», sagt Crespo. Man habe deshalb verschiedene Massnahmen wie Tablets für persönliche Gespräche umgesetzt. Im Pflegeheim gelte zudem neu ein erleichtertes kontrolliertes Besuchsrecht.

Crespo betont, ebenso wie Hürlimann, dass das Besuchsverbot in der Coronakrise als Schutzmassnahme wichtig war. Das Besuchsverbot sei in Absprache und auf Wunsch der Spitäler angeordnet worden, so Hürlimann. «Die Spitäler waren und sind froh, bei der Abweisung von Besuchenden auf eine klare Anordnung des Kantons verweisen zu können.»

Dies war insbesondere in der ersten Phase der Fall, in der es «vereinzelt Fälle» gab, in denen Besucher die Schutzmassnahmen «weniger gut nachvollziehen konnten», wie Crespo sagt. Insgesamt sei das Besuchsverbot aber gut akzeptiert worden. Das liege auch daran, dass die Zivilschutzorganisation Unteres Fricktal, die bis am 24.Mai für die Eingangskontrollen verantwortlich war, ihre Aufgabe «konsequent, aber mit viel Fingerspitzengefühl» wahrgenommen habe.

«Nun, da die Ansteckungszahlen erfreulicherweise kontinuierlich nach unten zeigen, spürt man verständlicherweise einen erneut stärkeren Wunsch, auch in Bezug auf Besuche bald zur Normalität zurückzukehren», sagt Crespo weiter.

Daniele Mezzi will für Lockerungen kämpfen

Darauf müssen die Angehörigen und Patienten allerdings noch warten. Der Regierungsrat hat am Mittwoch entschieden, die kantonale Notlage per 19.Juni 2020 aufzuheben. Dann wird auch das kantonal angeordnete Besuchsverbot durch Schutzkonzepte der Spitäler abgelöst. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit kommt es zu weiteren Lockerungen rund um die Besuchsregelungen», sagt Hürlimann. Im GZF bereitet man sich darauf vor. Eine Arbeitsgruppe erarbeite derzeit die Details, so Crespo.

Das reicht Daniele Mezzi nicht. «Die Politik muss aufwachen und jetzt intervenieren», fordert er. Er will bei kantonalen Politikern entsprechend lobbyieren und überlegt sich, beim Kanton vorstellig zu werden. Er sei auch dafür, dass man die Patienten und Mitarbeiter schütze – «aber ein Bsüechli in einem Einzelzimmer unter Einhaltung sämtlicher Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen muss jetzt wieder möglich sein».

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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