Der Jurapark Aargau schreibt erstmals in seiner achtjährigen Geschichte einen Gemeindeaward aus. Dieser wird am 7. September im Rahmen der Kulturnacht und des gleichzeitig stattfindenden Juraparkfests in Laufenburg verliehen. Die Idee ist, dass die teilnehmenden Gemeinden in den vier Wochen vor dem Award ein leerstehendes Schaufenster in der Laufenburger Altstadt bespielen.

Eine Jury, die aus je einem Vertreter der teilnehmenden Gemeinden zusammengesetzt ist, wird dann am Parkfesttag das schönste Schaufenster küren und mit dem Award belohnen. Als Preis lockt eine Sulzerbank, «eine robuste, wetterfeste Sitzbank, geeignet zum Verweilen bei jeder Witterung», heisst es in der Ausschreibung. «Natürlich dürfen die Jurymitglieder nicht für das Fenster ihrer Gemeinde stimmen», sagt Markus Schmid, stellvertretender Geschäftsleiter des Juraparks Aargau, mit einem Lachen. Die genauen Bewertungskriterien werden derzeit ausgearbeitet.

Die Mehrheit macht mit

Das Interesse am Award ist gross. 18 der 28 Juraparkgemeinden haben sich angemeldet, wie Schmid auf Anfrage der AZ sagt. Mit einem derart grossen Zuspruch haben die Juraparkverantwortlichen nicht gerechnet. «Da wir den Award zum ersten Mal verleihen, hatten wir keine Erfahrungswerte», so Schmid. Die Verantwortlichen legten deshalb ein Minimum fest; dieses lag bei fünf Gemeinden. «So viele braucht es, um die freien Schaufenster rund um den Laufenplatz zu bespielen», erklärt Schmid. Zudem hat die Zahl 5 für den Jurapark eine doppelt symbolische Bedeutung: Sie steht für die fünf Teilregionen, aus denen der Jurapark besteht, und für den Jurapark-Fünfliber, den die Gemeinden pro Einwohner zahlen. Gehofft haben die Macher auf 12 Gemeinden. «Dass es nun 18 geworden sind, freut uns natürlich extrem und zeigt uns auch, dass wir mit dem Gemeindeaward einen Nerv getroffen haben», so Schmid.

Der Nerv lautet: Sich und das Dorf präsentieren. «Das Ziel des Awards ist es auch, den Gemeinden eine Plattform zu bieten, ein Schaufenster, das die Sichtbarkeit über das eigene Dorf hinaus ermöglicht», sagt Schmid. Gleichzeitig wolle man mit der Aktion beitragen, die freien Schaufenster in Laufenburg zu beleben. Genau dieses Ziel, also die leeren Schaufenster mit neuen Inhalten zu füllen, verfolgt auch die Stadt mit ihrer 2016 lancierten Aktion «freie Fenster». Es ist also eine Win-win-Situation. Möglich wird sie nur dank dem Engagement der Liegenschaftsbesitzer, welche die Schaufenster kostenlos zur Verfügung stellen, «was sicher keine Selbstverständlichkeit ist», so Schmid.

Was die Gemeinden zwischen Mitte August und Mitte September ausstellen, ist ganz ihnen überlassen. Man habe intern diskutiert, ob man Vorgaben machen wolle, und sich dann bewusst dagegen entschieden, sagt Schmid. Die einzige Vorgabe lautet deshalb: «Das Schaufenster gibt den Rahmen vor.» Wer die Schaufenster bespielt, ob die Gemeinde selber, die Kulturkommission oder ein Verein, überlassen die Juraparkverantwortlichen ebenfalls den Kommunen. «Auch das Engagieren einer Agentur oder eines Künstlers ist erlaubt», heisst es in der Ausschreibung.

Gemeinden eine Plattform bieten

Die Rückmeldungen der Gemeinden zeigen, dass bei etlichen Dörfern die Kulturkommission den Lead hat. «Aber auch Vereine komme zum Zug», so Schmid. Dies ist ganz im Sinne der Awarderfinder: «Wir wollen mit der Aktion auch Vereinen eine Plattform bieten, sich Gehör zu verschaffen, die man bei den Aktionen des Juraparks sonst vielleicht noch nicht so hört.» Ein weiteres Ziel: Vereine und Kulturschaffende sollen sich über das eigene Dorf hinaus vernetzen können.

Was in den Schaufenstern ausgestellt wird, überlassen die Macher ebenfalls der Fantasie und Kreativität der Gemeinden. Das kann ein Schulprojekt ebenso sein wie die Präsentation von historischen Zeugen, politischen Brennpunkten, Brauchtum, typischen Produkten, Sehenswürdigkeiten oder Kunstwerken. Kienberg beispielsweise wird die Plattform nutzen, um Künstlern die Möglichkeit zu geben, sich einem grösseren Publikum zu präsentieren. Andere Gemeinden werden Synergien mit Ausstellungen und Präsentationen nutzen, die sie ohnehin planen.

Auf die Idee, einen Gemeindeaward zu verleihen, kamen die Juraparkverantwortlichen über das Zusammendenken verschiedener Ansätze. Der eine ist der Innovationspreis, der andernorts verliehen wird. Ein zweiter Peter Bircher, «Mister Dreiklang» und einer der Gründungsväter des Juraparks. «Er stellte die Idee, Gemeinden in Schaufenstern eine Plattform zu bieten, früher schon einmal in den Raum», so Schmid. Ein dritter Grund ist die Schaufenster-Belebungs-Aktion in Laufenburg.

Dies alles führte dazu, dass nun 18 Gemeinden in diesem Sommer je ein Schaufenster in Laufenburg bespielen. Geöffnet werden die Fenster am 17. August mit einem feierlichen Akt. Danach geben sie bis Mitte September Einblick in ein 18-faches, vielfältiges Dorfgeschehen.

Ob es bei diesem einen Award bleibt oder ob er künftig regelmässig verliehen wird, lassen die Juraparkverantwortlichen offen. «Das hängt von den Erfahrungen und den Rückmeldungen der Gemeinden ab», sagt Schmid. Vorstellen könne er sich aber schon, dass daraus ein regelmässiger Event im Zwei-Jahres-Rhythmus werde. In welcher Form, ob wieder als Schaufensteraktion oder als anders gelagerter Wettbewerb, ist offen. «Wir werden sehen.»

Sehen werden die Besucher von Laufenburg ab Mitte August nun erst einmal 18 von den Gemeinden bespielte Schaufenster. Und gespannt darf man schon sein, wenn es am 7. September heisst: And the Gemeindeaward goes to ...

Ein erster Gewinner steht derweil bereits fest: der Jurapark – für eine preisverdächtige Idee.