Der Kampf um eine Taktverbesserung auf dem S1-Ast zwischen Stein und Laufenburg, den GLP-Grossrat Roland Agustoni mit einer Motion lanciert hat, nimmt Fahrt auf. Politiker aus Laufenburg und Fricktaler Grossräte fordern unisono: Der Halbstundentakt muss her.

«Es ist absolut unverständlich, dass man Laufenburg aufs Abstellgleis stellt», sagt Rudolf Lüscher, ehemaliger CVP-Grossrat und Stadtammann von Laufenburg. Ein gutes öV-Angebot sei zentral für die Entwicklung der Region. Seine Forderung: «Die Region muss sich wehren.»

Ganz ähnlich tönt es vom amtierenden Stadtammann, Herbert Weiss. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man stets den Speckgürtel stärke und andere Regionen links liegen lasse. «Andere bekommen den 15-Minuten-Takt und wir bleiben hocken», ärgert er sich und sagt Richtung Kantonshauptstadt: «Wir zahlen schliesslich gleich viel Steuern wie alle nach Aarau.»

Das Argument der Regierung, dass die Nachfrage für einen Angebotsausbau zu klein sei, lässt er nicht gelten. «Das Angebot schafft die Nachfrage.» Je attraktiver ein Angebot sei, desto eher werde es genutzt. Weiss ist überzeugt: «Wer pendeln will, ist heute nicht mehr bereit, eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten.» Dann nimmt er eben das Auto – und das verstopft das Strassennetz rund um Laufenburg, das ohnehin schon am Anschlag läuft, noch zusätzlich. Weiss mahnt: «Wenn wir die Region attraktiv halten wollen, braucht es das zusätzliche Bahnangebot.»

Der Stadtammann ist froh, dass Agustoni gegenüber Bund und Kanton Druck macht. «Das braucht es.» Er hofft, dass sich auch die anderen Fricktaler Grossräte hinter das Anliegen stellen – und dass der Planungsverband Fricktal Regio, der die Interessen der Gemeinden vertritt, ebenfalls für die Verbesserung eintritt.

Das wird Fricktal Regio, wie Verbandspräsident Christian Fricker gegenüber der AZ sagte. «Wir stehen hinter dem Anliegen.» Und dies aus zwei Gründen: Erstens, weil Laufenburg der Bezirkshauptort sei und «deshalb angemessen erreichbar sein muss». Zweitens, weil eine der wichtigsten noch unbebauten Industrieflächen im Sisslerfeld liegt.

«Das Gebiet muss deshalb auch verkehrsmässig besser erschlossen werden.» Das sei zwingend, findet auch Weiss. «Wenn das Gebiet bebaut ist, bringt es neben Arbeitsplätzen auch Mehrverkehr. Dann muss der öffentliche Verkehr bereit sein, diesen auch aufzunehmen.»

Als Motion überweisen

Beide, Lüscher wie Weiss, sind sich einig: «Es ist nötig, dass die Region jetzt Stärke beweist.» Und das tut sie auch: Mehrere Grossräte wollen die Motion von Agustoni unterstützen. Der GLP-Grossrat hat dabei eine klare Vorstellung, wie diese Unterstützung aussehen sollte: «Ich will dafür kämpfen, dass mein Vorstoss als Motion und nicht als Postulat, wie es der Regierungsrat vorschlägt, überwiesen wird.»

Denn eine Motion ist ein verbindlicher Auftrag, ein Postulat dagegen nur eine unverbindliche Anregung. Letzteres «bringt der Region nichts». Agustoni weiss: «Allein habe ich keine Chance. Es kann nur gelingen, wenn sich die Grossratskollegen aus dem Fricktal in ihren Fraktionen für die Überweisung starkmachen.»

Das wollen auch mehrere von der AZ angefragte Grossräte tun. «Für Laufenburg und die Region ist der Halbstundentakt wichtig», sagt SVP-Grossrat Daniel Vulliamy. «Die Region um Laufenburg muss schauen, dass sie nicht abgehängt wird.» Er werde die Motion deshalb persönlich unterstützen und in der Fraktion auch dagegenhalten, sollte jemand eine andere Ansicht vertreten.

Ähnlich tönt es von Werner Müller. «Ich werde mich in der Fraktion dafür einsetzen, dass die Motion aufrechterhalten wird», sagt der CVP-Grossrat, weiss aber auch: «Regionalpolitische Vorstösse haben es in den Fraktionen oft schwer.»

Auch SP-Grossrätin Elisabeth Burgener will sich in ihrer Fraktion für die Motion starkmachen – und sie ist zuversichtlich, dass ihre Fraktion das Anliegen von Agusto als Motion zu überweisen, unterstützen wird. Ein gut ausgebautes öV-Netz sei wichtig, findet Burgener. Es biete die Chance, «dass der eine oder andere Pendler vom Auto auf den öV umsteigt».
Grüne-Grossrätin Gertrud Häseli teilt die Auffassung von Burgener. «Laufenburg kämpft um den Lebensnerv», sagt sie. «Der Halbstundentakt ist eine Chance.»

Auch Häseli betont, wie wichtig ein guter öV gerade im Hinblick auf die weitere Erschliessung des Sisslerfelds sei. Sie mahnt aber gleichzeitig zum Weiterdenken: «Wir müssen bei allem, was wir heute tun, immer auch die Mobilität der Zukunft im Auge haben.»

Das zeigten auch mehrere Referate am Gemeindeseminar, das Fricktal Regio kürzlich durchführte. Eine der vorgestellten Visionen sieht in der Mobilität ein grosses On-demand-Potenzial. Man bestellt sich die Leistung – und ein selbstfahrendes Auto kommt vorbei und holt einen ab.

In ein öV-Jammern, das ist Häseli ebenfalls wichtig, dürfe man im Fricktal indes nicht fallen. «Wir sind mit dem öffentlichen Verkehr sehr gut bedient», findet sie und fügt mit Blick auf den Tarifverbund Nordwestschweiz an: «Gerade auch, was die Preise betrifft.»

Die Schweiz ist ein Volk von Pendlern. Laut den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik pendeln neun von zehn Erwerbstätigen zur Arbeit. Gut die Hälfte ist mit dem Auto unterwegs, während etwa 30 Prozent der Pendler mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen.

Manche brauchen die tägliche Fahrt mit dem Zug, um richtig wach zu werden und sich auf den Tag einzustimmen. Für andere ist jede Minute im öffentlichen Verkehr eine zu viel.

Die «Schweiz am Wochenende» hat sich am Bahnhof in Frick umgehört. Wie lang sind die Fricktaler unterwegs? Und wie gern nutzen sie Zug, Bus und Co.?