Coronavirus

Küssen ja, Basketball nein: Vater wirft der Polizei Willkür vor

Paare dürfen sich küssen aber Basketballspielen geht nicht. Das findet ein Fricktaler Vater unfair. (Symbolbild)

Paare dürfen sich küssen aber Basketballspielen geht nicht. Das findet ein Fricktaler Vater unfair. (Symbolbild)

Jugendliche werden wegen fehlenden Abstands gebüsst – das küssende Liebespärchen, das daneben sass, nicht.

Das Basketballspielen auf einer Schulanlage wurde für drei Jugendliche zum teuren Vergnügen. Die Polizei Oberes Fricktal verhängte vor Ort gegen sie je eine Busse von 100 Franken und sprach ein Arealverbot gegen die Gruppe aus.

Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen liefert der Polizei die Verordnung des Bundes zur Bekämpfung des Corona­virus. Dort heisst es unter anderem: «Bei Ansammlungen von bis zu fünf Personen ist zwischen den einzelnen Personen ein Abstand von mindestens zwei Metern einzuhalten.»

Nicht gebüsst und nicht angesprochen von der Polizei wurde hingegen ein nicht unter einem Dach wohnendes, jugendliches Pärchen, das knutschend nur wenige Meter neben den drei basketballspielenden Jugendliche sass.

Einem Vater (Name der Reaktion bekannt) eines in den Vorfall verwickelten Jugendlichen stösst das Vorgehen der Regionalpolizei sauer auf. Er versteht nicht, wieso die drei Jugendlichen und das knutschende Pärchen unterschiedlich behandelt wurden. Er empfindet das Vorgehen der Polizei als willkürlich und fragt sich, wo das Fingerspitzengefühl der Polizisten geblieben ist. «Es hätte ja durchaus gereicht, die Jugendlichen zu ermahnen und vom Platz zu schicken.» Er sagt dies auch vor dem Hintergrund, dass der soziale Kontakt für die Heranwachsenden wichtig sei und ihnen zu Hause die Decke ohne Schule und Freizeitangebote auf den Kopf falle.

Enge Beziehungen geben Halt in Krisenzeiten

Daniel Meier, stellvertretender Leiter der Regionalpolizei Oberes Fricktal, sagt, dass die Polizei nach Einführung der Verordnung oftmals Ermahnungen ausgesprochen habe, wenn sich Personen nicht an die Regeln gehalten haben. «Beim Vorfall handelte es sich um drei Jugendliche aus unterschiedlichen Familien», sagt er. So ist es möglich, dass während des Spielens eine Übertragung des Erregers von einen auf den anderen Jugendlichen stattfindet und sich das Virus über ihn in seiner Familie ausbreitet.

Ein ähnliches Szenario ist natürlich auch bei dem jungen Pärchen, das nicht gebüsst wurde, denkbar. Meier sagt jedoch, dass gerade in Krisenzeiten die Beziehungen zu den Personen, die einem am nächsten stehen, enger werden. Diese engen Beziehungen seien in Krisenzeiten überaus wichtig, weil sie den Menschen auch Halt gäben. Deswegen habe man bei dem Pärchen auch nicht interveniert. «Hierbei handelt es sich somit nicht um Willkür, sondern um die Ausnutzung unseres Er­messensspielraums», begründet Daniel Meier das Vorgehen der Polizei.

Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, sagt hierzu, dass man nicht für jede in der Gesellschaft vorkommende Situation eine Patentlösung bereit habe. Klar sei jedoch, dass man an diesem frühlingshaften Wochenende verstärkt kontrollieren werde, ob die Regeln von der Bevölkerung beachtet würden.

Autor

Dennis Kalt

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