Die Lärm- und Staubemissionen, welche die Recyclingfirma Thommen an der Bahnhofstrasse in Kaiseraugst verbreitet, sind den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Deswegen hat eine Arbeitsgruppe bereits vor drei Jahren eine Petition beim Gemeinderat eingereicht. In dieser forderten 535 Unterzeichner eine massive Reduktion der Emissionen durch die Thommen AG innerhalb der nächsten drei Jahre. Einer, der damals die Petition unterschrieben hat und nur einige Meter von der Recyclingfirma entfernt im Widhagweg wohnt, ist Hansueli Schläpfer.

Laut Schläpfer ist der Grundlärmpegel, den die Thommen AG erzeugt, in den letzten Jahren nicht gesunken – im Gegenteil: «Er ist peu à peu angestiegen, weil immer mehr Material dort verarbeitet wird.» Einzig die Verpuffungen, die entstehen, wenn beim Schreddern eines Autos der Gastank übersehen wird, seien drastisch zurückgegangen. So käme es nur in einem Turnus von mehreren Wochen zu den «Explosionen», welche die Fensterscheiben der Anwohner zum Vibrieren brächten. «Wenn es knallt, erschrickt man richtig», sagt Schläpfer.

«Ein gewaltiges Vorhaben»

Gemeindepräsidentin Françoise Moser kann den Unmut von Schläpfer und der Petitionäre verstehen. «Eine Recyclingfirma, die an mehrere Wohngebiete angrenzt, ist suboptimal.» Deswegen halte man an den Plänen einer Standortverlegung in das Industriegebiet fest. Dies sei jedoch «ein gewaltiges Vorhaben», das nur langfristig umgesetzt werden könne. Vielfältige Faktoren seien auf der Suche nach einem alternativen Standort zu berücksichtigen. «Fläche, Infrastruktur, verkehrstechnische Erschliessung, Umweltverträglichkeit» sind nur einige der Faktoren, die Moser nennt. Patrick Härtsch, Leiter Finanzen und Administration der Thommen AG, pflichtet Moser bei. «Die bisherigen Anstrengungen haben gezeigt, dass die Suche nach einem Alternativstandort schwierig ist. Es laufen zurzeit verschiedenste Verhandlungen.» Laut Härtsch nehmen die Planung und der Neubau an einem alternativen Standort einen Zeitraum von rund zehn Jahren in Anspruch. Die Kosten beliefen sich hierfür auf zwischen 60 und 70 Millionen Franken.

Eine Wand aus Autos

Bis ein neuer Standort gefunden ist, versuchen der Gemeinderat und das Unternehmen in Zusammenarbeit durch punktuelle Massnahmen, den Lärm und den Feinstaub zu reduzieren. Eine dieser Massnahmen ist zum Beispiel, dass das Unternehmen auf dem Sortierplatz vor dem Schredder, parallel zum Widhagweg, hohe Wände aus aufeinandergeschichteten und zusammengepressten Autowracks aufgebaut hat.

Weiter wurde eine Maschine mit lautem Motor frühzeitig ersetzt, der Schredder, das Herzstück der Anlage, ist mit schallabsorbierenden Wänden umhüllt worden. Ebenfalls wurden Anstrengungen unternommen, um Verpuffungen zu reduzieren, beispielsweise durch die Verschärfung von Anliefervorschriften für Gasautos oder die Hochdruckeindüsung von Wasser in den Schredder, um das Material abzukühlen. Darüber hinaus schränkte das Unternehmen die Schredder-Betriebszeiten freiwillig ein und nimmt auch das Personal verstärkt in die Verantwortung, damit nicht mehr Lärm als nötig verursacht wird.

Schutzmauer abgelehnt

Schwierig gestaltet sich die Situation bei der Allmendgasse. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass für eine Reduktion des Lärmes die Schutzwände um mehrere Meter erhöht werden müssten. Diese Massnahme wurde jedoch vom Gemeinderat abgelehnt. Einer der Gründe hierfür sei gewesen, dass die Schutzmauer über zehn Meter hoch geworden wäre. «Das war optisch nicht zu vertreten», sagt Moser.