Magden

«Land bei der Kirche soll nicht Wohnbauten geopfert werden»

40 der rund 100 Aren Land bei der christkatholischen Kirche in Magden sollen gemäss revidierter Nutzungsplanung überbaut werden können. - Quelle: Walter Christen

40 der rund 100 Aren Land bei der christkatholischen Kirche in Magden sollen gemäss revidierter Nutzungsplanung überbaut werden können. - Quelle: Walter Christen

Soll der grosse freie Acker nördlich der christkatholischen Kirche in Magden weiterhin landwirtschaftlich genutzt oder teilweise überbaut werden? Darüber scheiden sich die Geister.

Während sich Anwohner gegen die Freigabe von rund 40 Aren für die Realisierung von Wohnbauten wehren, hat die Kirchenpflege Magden festgestellt, dass längerfristig kein dem heutigen Ausmass der Zonierung entsprechender Bedarf mehr besteht. Das Areal Eggacher befindet sich aktuell in der Zone für Öffentliche Bauten und Anlagen. In der revidierten Nutzungsplanung ist nun ein Teil des Landes als Wohn- und als Grünzone ausgeschieden. Eine Grünzone ist auch auf der anderen Seite, südlich der Kirche, vorgesehen.

Mit der Umzonung des Areals bei der christkatholischen Kirche in Magden haben sich Thomas und Ruth Kilchherr, Roberto und Ulrike Sonnenthal sowie Otto Moser eingehend befasst. Sie alle wohnen in der Nähe der Kirche und setzen sich für die schützenswerte Gesamtanlage ein, denn etwa 40 der rund 100 Aren, die sich im Besitz der Christkatholischen Kirchgemeinde befinden, sollen gemäss dem noch bis zum 23. November öffentlich aufliegenden Nutzungsplan mit Einfamilienhäusern überbaut werden können. «Damit sind wir nicht einverstanden. Es ist uns ein Anliegen, dass dieses aktuelle Thema einem breiten Publikum bekannt gemacht wird und sich auch andere Dorfbewohner zu einer Stellungnahme bewegen lassen», hielt Thomas Kilchherr gegenüber der Aargauer Zeitung fest.

Er empfindet als Anwohner, der seit mehr als 40 Jahren täglich an diesem grossen und unbebauten Grundstück vorbeikommt, «spontan Widerstand gegen die Absicht, das Areal teilweise mit Einfamilienhäusern zu überbauen». Er sieht, genau so, wie Otto Moser, die Vorteile einer freien, nicht überbauten Fläche in der Bedeutung und dem Wert der kirchlichen Gesamtanlage, die als einziges nennenswertes Baudenkmal in Magden hervorgehoben wird. Der rundum freie Anblick des Ensembles sei zu erhalten, denn die freie Ackerfläche gehöre für viele Magdener Einwohnerinnen und Einwohner schon immer zur Kirche St. Martin. Ein Nachteil sei es, so Thomas Kilchherr, dass das Areal, angrenzend an den Kirchen- und Friedhofbereich sowie die Wohnbauzone weder öffentlich noch privat optimal genutzt werden könnten. «Deshalb ist es richtig, auf der Suche nach ergiebigen Baulandreserven sorgfältig zu klären, ob und wie diese relativ grosse Landreserve bei der Kirche teilweise für Wohnbau besser genutzt werden kann.» Aber diese Angelegenheit müsse behutsam angegangen werden, so Otto Moser. Die Kritik der Anwohner richtet sich gegen die vorgeschlagenen Umzonung und gegen das Vorgehen, wie ein verbindlicher Gestaltungsplan zu erlangen ist.

Die aufmerksamen Beobachter in dieser Ortsplanungsangelegenheit fragen sich zur vorgesehenen, bereichsweisen Umzonung, wie gewährleistet wird, dass mittel- bis langfristig nicht das ganze Areal mit Gebäuden überbaut wird. «Was geschieht bei einer Teilüberbauung mit der restlichen Grünfläche, der Wiese und den Obstbäumen?» Sie sind der Meinung, «der Vorschlag, an diesem Ort eine öffentliche Parkanlage zu erstellen, ist grundsätzlich falsch und wirkt wie eine Verlegenheitslösung. Denn es besteht hier kein Bedarf für eine Parkanlage, und die Bedeutung des Friedhofs als besonderer Besuchsort im Freien würde abgewertet. Zudem gibt es in Magden und um Magden herum bereits hinreichend Aufenthaltsorte im Freien».

Ideenwettbewerb verlangt

«Der Vorschlag, als Grundlage für den Gestaltungsplan ein wegleitendes Vorprojekt (Gesamtkonzept) zu erstellen, wird der gestellten Aufgabe nicht gerecht und wird nicht zu einem Gestaltungsplan von hoher Qualität führen. Bei dem städtebaulich und architektonisch sehr anspruchsvollen Areal bei der christkatholischen Kirche wäre ein Konkurrenzverfahren der Aufgabe angemessen. Denn ein Ideenwettbewerb oder ein Studienauftrag würden die Möglichkeit eröffnen, dass für die beabsichtigte Umzonung eine Anzahl guter und brauchbarer Ideen aufs Tapet käme», so Thomas Kilchherr. Er sieht eine «respektvolle Fassung des kirchlichen Ensembles, das frei stehend sichtbar bleiben und nicht mit Bauten verstellt werden soll». Denn die Arealnutzung soll sowohl den öffentlichen und privaten Grundbesitzern als auch der Öffentlichkeit dienen.

«Ich bin gespannt, welche Anregungen und Reaktionen wir erhalten», hielt Gemeindeammann Brunette Lüscher fest. Wie von ihr zu erfahren war, sind gegenwärtig in Magden rund 95 Prozent des Baugebiets überbaut. «Und dass man jetzt auch noch einen Teil des Areals bei der Kirche für Häuser opfern will, ist unverständlich», betont Otto Moser, der den Eindruck hat, «dass kaum jemand im Dorf Notiz davon nimmt, was das bedeuten würde».

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