Frick

Leben ist menschlich

Wenn Kaspar Lüscher eine Reise tut, dann hat er etwas zu erzählen – das nächste Mal am Donnerstag in Frick. twe

Wenn Kaspar Lüscher eine Reise tut, dann hat er etwas zu erzählen – das nächste Mal am Donnerstag in Frick. twe

Der Gipf-Oberfricker Autor Kaspar Lüscher liest in der Galerie Artune.

«Leben ist menschlich», nennt Kaspar Lüscher seine Lesung am 27. Juni in der Galerie Artune in Frick. Es sind kurze Geschichten, Kolumnen mit maximal 1500 Zeichen, um genau zu sein, die der bekannte Autor und Schauspieler aus Gipf-Oberfrick lesen wird. Es sind Geschichten, die das Leben schrieb, Begegnungen, die das Leben lebenswert machen. Oder eben: menschlich.

Es ist eine Reise durch Raum und Zeit, eine Reise «unter der Wolke übers Fricktal hinaus bis Thailand und wieder zurück», umschreibt es Lüscher. Wer eine Reise tut, der kann bekanntlich etwas erzählen – und im Erzählen macht dem Kaspar Lüscher nicht so schnell jemand etwas vor. Er ist ein scharfer Beobachter, der das Gesehene ebenso treffsicher wie witzig in Worte verpackt. Er ist, wenn man so will, ein Wort-Verpackungs-Künstler und beherrscht gleichzeitig die Kunst, diese Worte vor Publikum wieder unterhaltsam zu entpacken, aufs Vortrefflichste.

Basis für seine Lesung im Artune bilden die Kolumnen, die Lüscher sechs Jahre lang mehrmals pro Jahr verfasst hat. «Das Thema war jeweils frei», erzählt er – nur eines war immer ein Thema: die Länge. Mehr als 1500 Zeichen lang durften die Texte nicht sein. «Das war eine gute Schulung», sagt Lüscher, schmunzelt.

Wie ein Sperber sei er unterwegs gewesen, habe hier eine Begegnung mit den Augen fotografiert, dort einen Gesprächsfetzen aufgeschnappt. Zu Hause dann hat er die Begegnungen Revue passieren lassen, ist den Begegnungen, wenn man so will, nochmals begegnet. «In dem Moment, in dem man sie beleuchtet, werden sie speziell» erzählt Lüscher, «werden sie nicht nur erzählens-, sondern auch lebenswert.»

Es sind oft die unscheinbaren Dinge, die Lüscher punktgenau hervorholt. Dann etwa, wenn er vom Mann mit Strohhut erzählt, dem er in einem Tram begegnet ist. Es war dann nicht der Hut, das Augenscheinliche, das Lüscher auf der Hut sein liess, sondern die Uhr am Handgelenk. Sie hatte sechs Zeiger, was Lüscher neugierig machte – und zu einer getakteten Begegnung in Worten führte. Natürlich war sie zeitlich eng begrenzt, denn schliesslich fährt man ja nicht stundenlang Tram.

Es sind aber auch die Begegnungen, die nicht stattgefunden haben, die für das Fremd-Sein in der eigenen Heimat stehen, das Lüscher zu denken geben. Als er einmal in einer Stadt etwas suchte, «machten die Menschen einen Bogen um meine Frage». Ihnen war es unangenehm, dass ein Fremder sie ansprach. Nur einer half ihm – ein einst selbst Fremder, für den die Schweiz zur neuen Heimat geworden war. «Er sah, dass hier jemand fremd war und Hilfe benötigte», erzählt Lüscher.

Als die SMS ausblieb

Oder dann sind es Geschichten von Begegnungen, die das Leben menschlich gemacht hätten, die aber ausgeblieben sind. Lüscher erzählt von einem guten Freund. Man habe sich zwar nicht oft gesehen, aber die Freundschaft sei trotzdem eng gewesen. «Wir schrieben uns Mails und SMS.» Immer wieder sagten sie sich, dass es wieder einmal Zeit wäre für ein Treffen. Sagten es – und schoben es doch immer wieder hinaus. Weil beide viel beschäftigt waren. Weil sich die Lebenslinien just in diesem Moment nicht kreuzten. Man vertröstete sich per SMS. Auf später, dann aber sicher, garantiert. Doch irgendwann blieben die SMS aus. Lüscher fragte im Schauspielhaus nach, wo der Freund arbeitete. Er sei gestorben, teilte man ihm mit.

Welche Geschichten er im Artune in Frick lesen wird, wollte Lüscher noch nicht verraten. «Ich bin noch auf der Suche nach dem roten Faden», sagte er beim Treffen mit der AZ vor Wochenfrist. Diesen Faden hat er inzwischen gefunden, spinnt ihn zu einer Geschichte um die Geschichten. Verwebt die Geschichten zu einem Bild, kann man auch sagen, das voller Leben steckt. Oder eben: Leben ist menschlich.

Lesung von Kaspar Lüscher Donnerstag, 27. Juni, 19.30 Uhr, Galerie Artune, Frick

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