Frick

Lüschers Stunde – der lustige Krimi zum Spätherbst

Kaspar Lüscher mit dem Plakat der neuen Produktion. In «Abendstunde im Spätherbst» spielt er den Schnüffler Fürchtegott Hofer.

Kaspar Lüscher mit dem Plakat der neuen Produktion. In «Abendstunde im Spätherbst» spielt er den Schnüffler Fürchtegott Hofer.

Kaspar Lüscher bringt die Kriminalkomödie «Abendstunde im Spätherbst» von Dürrenmatt in Frick auf die Bühne.

Es war für ihn eine Art Morgenstunde, als Kaspar Lüscher vor einigen Jahren die Kriminalkomödie «Abendstunde im Spätherbst» von Friedrich Dürrenmatt las. Er war fasziniert vom «spannenden, überraschend erzählten Stück».

Er tauchte ab in die kleinbürgerliche Welt des Schnüfflers Fürchtegott Hofer, der dem weltberühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger Maximilian Korbes vorwirft, die Morde in seinen Romanen wirklich begangen zu haben, tauchte begeistert wieder auf und wusste: «Dieses Stück will ich auf die Bühne bringen.»

Von den sechs Personen, die im Stück vorkommen, könnten vier weggelassen werden, befand Lüscher. Da waren es noch zwei. Lüscher und? «Der passende Bühnenpartner fehlte mir damals», erzählt Lüscher, nippt an seinem Glas Sprudelwasser.

Das Projekt parkierte er deshalb im Hinterkopf und der Zufall wollte es, dass er den «perfekten Bühnenpartner» für dieses Stück, Wilfried Gronau, fand – oder besser: dass sie einander fanden.

Als Lüscher vor einiger Zeit mit seiner Frau nach Berlin reiste, kämmte er sein Adressbuch nach Berliner Kontakten durch, rief eine alte Freundin, mit der er aufgewachsen und auf die Schauspielschule gegangen war, an, verabredete sich. Mit ihrem Lebenspartner, ebenfalls Schauspieler, «verstand ich mich von Anfang an blendend», erzählt Lüscher.

Kulturkommission Frick unterstützt die Produktion

Als das Paar dann in die Nähe der Schweiz zog, nach Schopfheim, ging alles recht schnell. Lüscher wollte, Gronau wollte, der Verlag wollte – er gab die Rechte –, die Kulturkommission Frick wollte. «Die Unterstützung der Kulturkommission ist Gold wert», sagt Lüscher. Zum einen produziert die Kommission die ersten Vorstellungen, zum anderen können Lüscher und Gronau am Tatort, im Kornhauskeller, am Stück feilen. «Es ist ein grosser Vorteil, wenn man in der Originalkulisse proben kann», sagt Lüscher, der dankbar für «die Unterstützung und das Wohlwollen» ist.

Lüscher geht förmlich in den Figuren auf

Die Proben laufen seit Mitte August auf Hochtouren, gut fünf Stunden pro Tag, denn am 13. September feiert das Stück Premiere. Man sei auf Kurs, sagt Lüscher, vertiefe sich mehr und mehr ins Stück.

Es sei wie bei einem Musikstück. «Je mehr man übt, desto grösser werden die Anforderungen, genau zu sein.» Und Genauigkeit ist Lüscher, einem der besten Schauspieler der Nordwestschweiz, wichtig. Er spielt nicht nur jede Figur mit viel Leidenschaft, sondern geht förmlich in ihr auf, wird zur Figur in der Figur.

Gerade deshalb, weil das gespielte Sein einer Figur auch nur Schein sein kann, weil also der Zuschauer die Figur bisweilen anders wahrnimmt als der Schauspieler selbst, braucht es einen Regisseur. «Er hat eine zentrale Funktion», sagt Lüscher, der froh ist, in Werner Bodinek «die Idealbesetzung» für diese Rolle gefunden zu haben.

Es sei wie beim Kochen, erklärt Lüscher die Funktion des Regisseurs bildlich. Wenn er und Gronau, die beiden Schauspieler also, Salz und Pfeffer wären, so hätten beide Ingredienzien das Gefühl, es brauche mehr vom jeweiligen. «Es braucht da den Koch, der entscheidet, wie viel es von beidem wirklich braucht.»

Lüscher blickt vom Sitzplatz seines Hauses auf Gipf-Oberfrick, sein Dorf, das an diesem Morgen, von leichtem Dunst umhüllt, fast etwas mystisch wirkt. In Beziehungen könne genau dieses Dilemma, dass Gesagtes und Getanes anders ankommen als gemeint, zu Konflikten führen.

Sich seiner eigenen Marotten bewusst sein

Ein Konfliktpotenzial bietet auch immer die eigene Persönlichkeit, bieten die Marotten, die jeder Mensch per se hat – insbesondere dann, wenn man sich ihrer nicht bewusst ist. Lüscher ist sich seiner bewusst. Er mache viele Produktionen alleine und sei sich deshalb gewohnt, eigenständig zu agieren, selber zu entscheiden. «Da braucht es eine Portion Gelassenheit, auch andere machen zu lassen.»

Lüscher hat diese Gelassenheit, kann sie auch deshalb haben, weil die Vorstellungen von Gronau und Bodinek den seinen entsprechen. «Das ist toll.» Man ermutigt sich auch gegenseitig, wenn es einem einmal nicht so läuft, wenn er am (Ver-)Zweifeln ist, wenn er, sprichwörtlich, aus der Rolle fällt.

Das passiert mit jeder Probe seltener. In der verbleibenden Zeit gelte es, «den Kristall noch stärker zum Leuchten zu bringen». Er wird, davon darf ausgehen, wer Lüscher kennt, am Premierenabend funkeln.

Lüscher freut sich auf die Premiere, hofft, dass die Zuschauer ebenso begeistert vom Stück sind wie er. Er wünscht sich, dass die Zuschauer «an der tiefsinnigen Komödie, die sprachlich brillant ist, ihr Vergnügen haben werden», sagt Lüscher, macht eine kurze Pause, fügt dann an: «Ein erfülltes Vergnügen».

Dieses Vergnügen können die Fricktaler im Kornhaus in Frick im September insgesamt viermal erleben, danach zieht die Truppe weiter, nach Zürich, Basel, Baden, Zug, Klosters.

Die «Abendstunde im Spätherbst» verspricht zu einer kulturellen Sternstunde im Fricker Frühherbst zu werden.

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