Möhlin

Marcel Läderach kümmert sich um verletzte Vögel und erklärt wie das geht

Marcel Läderach, Leiter der Vogelstation Möhlin, kümmert sich um junge und verletzte Vögel – wie diesen Steinkauz.

Marcel Läderach, Leiter der Vogelstation Möhlin, kümmert sich um junge und verletzte Vögel – wie diesen Steinkauz.

Marcel Läderach leitet die Vogelpflegestation seit bald zehn Jahren. Im Mai und Juni hat er besonders viel zu tun, denn es ist die Zeit in der die Jungvögel ausfliegen. Er erklärt, wie mit gefunden Vögeln umzugehen ist.

Stöpsel heisst der Spatz und er flattert schon ganz aufgeregt durch das Gehege. Marcel Laederach steckt vorsichtig einen Schlüssel durch den Maschendrahtzaun. Der Vogel knabbert daran. «Na, wie geht es dir, mein Kleiner?», fragt Laederach. Seit bald zehn Jahren leitet der Pensionär die Vogelpflegestation in Möhlin. Und Stöpsel ist nicht nur sein Liebling, er ist auch eine Ausnahme.

Jungvögel, Schneeeulen und Störche wohnen in der Vogelpflegestation.

Jungvögel, Schneeeulen und Störche wohnen in der Vogelpflegestation.


«Wann immer möglich, versuchen wir es zu vermeiden, dass wir eine Beziehung zu den Vögeln aufbauen», sagt Laederach. Einerseits ist das besser für die Vögel, denn sie müssen sich nach ihrer Pflege in der Station wieder in freier Wildbahn zurecht finden. Andererseits auch für die Pfleger. «Es ist der schönste Augenblick, wenn wir einen Vogel frei lassen können», sagt Laederach. «Aber es ist immer auch ein Abschied und das schmerzt.»


Ein Nest im Backofen

Bei Stöpsel gab es keinen Abschied. Der Spatz war zu lange auf die Pflege von Laederach und seiner Frau angewiesen, als dass er auf sich alleine gestellt überleben könnte. Vor vier Jahren wurde er völlig entkräftet in der Pflegestation abgegeben. Laederachs nahmen den Piepmatz mit nach Hause. Wie sie das immer tun mit ganz jungen Vögeln. «Sie müssen alle zwei Stunden gefüttert werden und brauchen ein warmes Nest», erklärt Laederach. Die Fütterungen übernimmt das Ehepaar, das warme Nest bietet der Backofen. Laederach lacht, als er davon erzählt.


Stöpsel lebt inzwischen mit einigen Bartmeisen, Distelfinken und zwei Artgenossen in einem der festen Gehege der Vogelstation. Laederachs wird aber auch ohne ihn nicht langweilig: Mai und Juni sind auf der Pflegestation besonders intensiv. Es ist die Zeit, in der die Jungvögel ausfliegen. «Viele Vögel verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können und obwohl sie noch auf ihre Eltern angewiesen sind», sagt Laederach.


Erst beobachten, dann reagieren

Er hat daher einen Rat, wie mit gefundenen Vögeln umzugehen sei: Handelt es sich um einen Jungvogel, dann sollte zunächst beobachtet werden, ob sich die Eltern noch um ihn kümmern. Ist dem so, reicht es, wenn der Vogel auf einen Ast oder in ein Gebüsch gesetzt wird. Nur falls kein Elternteil beim Jungvogel ist, sollte er in die Vogelstation gebracht werden. «Dies dann am besten in einer Kartonschachtel mit Luftlöchern. Wichtig ist, dass er warm hat», sagt Laederach. Das Gleiche gilt für verletzte Vögel: Warm halten und möglichst rasch zum Tierarzt oder in die Pflegestation bringen. Dort werden die Tiere auf allfällige Verletzungen oder sonstige Gebrechen untersucht.


170 Vögel wurden im vergangenen Jahr in der Station in Möhlin abgegeben. Einige Dutzend waren es auch dieses Jahr schon wieder. Zuletzt am Mittwochabend ein Turmfalke, der sich in Full im Bezirk Zurzach in einer Fabrikhalle verheddert hatte. Aber, so Laederach, es sehe gut aus für den Falken. «Er ist ausgehungert. Wir päppeln ihn auf, dann darf er wieder in die Freiheit.»


Bei Bedarf zum Tierarzt

Die sechs Pfleger auf der Station in Möhlin arbeiten freiwillig. Pro Pflegling erhält die Station von der Vogelschutzorganisation BirdLife einen Beitrag. Die übrigen Kosten für Futter, Strom und Unterhalt der Anlage trägt der Natur- und Vogelschutz Möhlin, unter dessen Patronat die Pflegestation und auch die Storchenstation stehen.
«Die Arbeit hier bringt einem viel Befriedigung», sagt Laederach. «Die Ornitologie ist faszinierend. Wir haben dauernd Vögel um uns herum und wissen eigentlich nur ganz wenig über sie.»

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