Im Interview spricht Museumsleiterin Andrea Oettl über die Faszination Dino, spezielle Fundstücke und fehlende Puzzleteile.

Warum sind Kinder und Erwachsene gleichermassen fasziniert von Dinos?

Andrea Oettl: Ich glaube, es gibt mehrere Gründe. Dinosaurier sind zeitlos. Sie sind jetzt genauso beeindruckend wie vor mehreren Jahren. Wir wissen unter dem Strich noch immer wenig über diese Tiere, daher gibt es viel Spielraum für eigene Fantasien. Wir haben zwar die Knochen, aber erst dank der Kinofilme hat man eine kleine Vorstellung davon, wie sie aussahen. Ob diese Darstellungen immer korrekt sind, sei mal dahingestellt. Aber so weiss nun eben jeder, was ein Dinosaurier ist. Und faszinierend sind sie auch durch ihre Grösse. Diesen Gigantismus haben wir heute nicht mehr. Das müssen wirklich Fressmaschinen gewesen sein.

Wieso heisst das Museum in Frick eigentlich Sauriermuseum und nicht Dinosauriermuseum?

Ein Saurier ist eine Echse. Man benutzt den Begriff «Saurier» oft als Synonym für «Dinosaurier», weil das kürzer ist, aber richtig ist es nicht. Dinosaurier heisst übersetzt «schreckliche Echse». Wir haben im Museum nicht nur Dinos, sondern auch andere Fossilien, von Ammoniten bis hin zu einer Schildkröte. Vermutlich wollte man mit «Sauriermuseum» offen halten, was ausgestellt wird.

In der Tongrube in Frick wurde das Skelett eines Raubdinosauriers gefunden, der im Juli einen Namen erhielt. Was ist so besonders an ihm?

Der «Notatesseraeraptor frickensis» ist nicht nur der erste Fund seiner Art, sondern auch der erste in der Schweiz ausgegrabene Raubdinosaurier. Die Vorderarme, Rücken, Rippen, Becken und die ersten paar Schwanzwirbel wurden bei einer Grabung 2006 entdeckt, der dazugehörige Schädel 2009. Die Funde wurden zu unterschiedlichen Zeiten gemacht, da in der Tongrube nur stückweise gegraben wird. Besonders ist dieser Dino, da man in seinem Bauch die Überreste seiner letzten Mahlzeit, einer Brückenechse, fand.

Wie sah der Hochrhein zu Lebzeiten der Dinos aus?

Die Gegend war eher flach, karg und warm, wahrscheinlich herrschten um die 15 bis 25 Grad, ohne kalte Winter. Es war damals längst nicht so grün wie heute, da weder Gras noch grüne Wiesen existierten, nur stellenweise gab es Schachtelhalmwälder, alles andere war nacktes Land. Es war relativ trocken mit zeitweise monsunartigen Niederschlägen. Dann haben sich Feuchtstellen gebildet, wo Pflanzen gewachsen sind und ebenda haben sich die Dinosaurier zum Fressen aufgehalten. Wenn es trocken geworden ist, sind sie wahrscheinlich weitergezogen, ganz so wie man das heute bei Tieren in Afrika beobachten kann.

Warum finden sich in Frick so viele Fossilien?

Weil es vereinzelt so feucht wurde, dass Schlammlöcher entstanden, in denen die Dinos einsanken. In der Tongrube haben wir Zugang zu solchen ehemaligen Schlammlöchern.

Gibt es in der Forschung zu diesen Tieren immer wieder neue Erkenntnisse?

Bei der Dino-Forschung passiert extrem viel, insbesondere in den letzten zehn Jahren. Man hat beispielsweise herausgefunden, dass alle Raubdinosaurier Federn hatten. Nicht wie ein Vogel, sondern am Kopf, dem Hals, den Vorderarmen und dem Schwanz. Das ändert das bisher bekannte Bild dieser Tiere. «Jurassic Park» ist längst überholt. Dort gab es die ledrigen Ungetüme, doch selbst ein T-Rex hatte Federn, wie wir heute wissen. Die Forschung ist wie ein grosses Puzzle, mit ganz vielen Teilen, die noch fehlen.

Wie läuft die Forschungsarbeit in Frick?

In Frick gibt es keine Forschungseinrichtung, alles wird extern gemacht. Wir schicken die Funde an Universitäten. Es gibt in Frick nur eine «Saurierkommission» aus Vertretern der Gemeinde, des Museums, vom Tonwerk, dem Kanton und Wissenschaftlern. Diese beauftragt jedes Jahr rund drei Monate lang den Grabungsleiter Ben Pabst, der Biologe ist und seit beinahe 40 Jahren nach Dinosauriern sucht.