Bezirksgericht Laufenburg
Nach dem Grossbrand bei Erne mit 700'000 Franken Sachschaden: Der Mitarbeiter wird freigesprochen

Nach Ansicht des Bezirksgerichts Laufenburg trifft den Angeklagten für die Feuersbrunst mit einem Sachschaden von 700'000 Franken keine Schuld. Bei der Entsorgung der Akkus hat er sich auf einen zertifizierten Prozess verlassen.

Dennis Kalt
Drucken
Teilen
In der Nacht auf den 1. August brannte einer Lagerhalle der Erne AG an der Werkstrasse in Laufenburg.

In der Nacht auf den 1. August brannte einer Lagerhalle der Erne AG an der Werkstrasse in Laufenburg.

Kantonspolizei Aargau

Ein Grossaufgebot von über 100 Feuerwehrkräften kämpfte in der Nacht auf den 1. August gegen die Flammen, die aus einer Lagerhalle der Erne AG Bauunternehmung in Laufenburg loderten. Beim Löschen kam es im Gebäude zu mehreren Explosionen von Druckluftflaschen, was zu einer Ausweitung des Brandes führte. An der Liegenschaft entstand ein Sachschaden von über 700’000 Franken.

Die Brandermittlungen ergaben, dass ein beschädigter Akku die Feuersbrunst auslöste. Am Dienstag musste sich ein Mitarbeiter der Erne AG Bauunternehmung vor dem Bezirksgericht Laufenburg der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst verantworten. Gegen den Strafbefehl hatte er zuvor Einspruch eingelegt.

Staatsanwaltschaft wirft Verletzung der Sorgfaltspflicht vor

Konkret warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, dass der seine Sorgfaltspflicht verletzt habe. Sie verwies dabei auch auf die Bedienungsanleitung der im Brandkuchen aufgefunden Akkus. In dieser heisst es: «Bei Beschädigung und unsachgemässen Gebrauch des Akkus können Dämpfe austreten. Der Akku kann brennen oder explodieren.»

Die Akkus, die für den Brand ursächlich waren, wurden in grossen Kunststofffässern zwischengelagert. Mit dieser Lagerung, so findet die Staatsanwaltschaft, wurde den Sicherheitshinweisen auf den Akkus sowie der Brandschutzrichtlinie nicht genüge getan. Denn so seien beschädigte Lithiumbatterien und -akkus in Stahlfässern zu lagern. Damit habe der Beschuldigte die ihm obliegende Sorgfaltspflicht verletzt:

Wäre er im Umgang der Akkus genügend vorsichtig gewesen, wäre der Brand verhindert worden.

Für den Beschuldigten forderte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 220 Franken sowie eine Busse von 1700 Franken. Dem nicht genug forderte die Aargauische Gebäudeversicherung vom Beschuldigten 213’552 Franken, was der Hälfte des Zeitwerts der Liegenschaft entsprach.

Der Vorfall lastet auf dem Mitarbeiter schwer:

Es tut mit leid.

Nie hätte er gedacht, dass so etwas passieren könne. Als er seinen Rundgang am Vorabend des Brandes auf dem Werkhof machte, sei ihm nichts aufgefallen. Er verwies zudem drauf, dass die Lagerung von Amtes wegen kontrolliert, aber noch nie beanstandet worden sei. Ebenso habe eine Spezialfirma bei der Kontrolle der Werkhöfe attestiert, dass keine Gefahr bestehe, so der Verteidiger des Angeklagten. Nach dem Vorfall habe das Unternehmen reagiert. Mittlerweile lagere es die Akkus in Stahlfässern.

Verteidiger: Mitarbeiter handelte nach bestem Wissen und Gewissen

Der Verteidiger händigte Gerichtspräsident Beat Ackle zu Prozessbeginn ein Dokument aus, wonach das Unternehmen kein Interesse an einer Bestrafung seines Mandaten hat. In seinem Plädoyer führte der Verteidiger aus, dass sein Mandant bei der Lagerung der Akkus nach «bestem Wissen und Gewissen» gehandelt habe. So sei der Entsorgungsprozess der Akkus über eine Spezialfirma ein zertifizierter Prozess gewesen. Auch verwies der Verteidiger auf das Zwischenzeugnis seines Mandanten, wonach er ein zuverlässiger Mitarbeiter sei. So forderte denn der Verteidiger auch einen Freispruch.

Gerichtspräsident Beat Ackle sprach den Angeklagten frei. So dürfe etwa der Mitarbeiter bei den von Erne zertifizierten Abläufen davon ausgehen, dass diese korrekt sind und der Entsorgungsprozess wissenschaftlichen Erkenntnissen standhielt. Und: Nicht für jedes Restrisiko, aus dem ein Schaden resultiert, brauche es immer einen strafrechtlichen Sündenbock.