Effingen

Nach Standortbekanntgabe: Darum will die Nagra vor dem Tunnel Bözberg bohren

Das Areal bei der Station Effingen soll zuerst für den Neubau des Tunnels durch den Bözberg und danach – frühestens ab 2020 – für den Nagra-Bohrplatz genutzt werden.

Das Areal bei der Station Effingen soll zuerst für den Neubau des Tunnels durch den Bözberg und danach – frühestens ab 2020 – für den Nagra-Bohrplatz genutzt werden.

Beim Geisterbahnhof ergeben sich Synergien mit den SBB. Der Bohrplatz «Effingen 2» wurde in enger Abstimmung zwischen den SBB und der Nagra gewählt. Dieser befindet sich genau vor dem Ausgang des neuen Eisenbahntunnels am Bözberg. Weshalb gerade dort?

Auf dem abgelegenen Areal der vor über 20 Jahren stillgelegten Station Effingen sind gleich zwei Projekte von nationaler Bedeutung am Entstehen. Einerseits wird bis 2020 der neue Bözberg-Eisenbahntunnel gebaut. Gebohrt wird dieser ab nächstem Jahr von Schinznach-Dorf her. Der 2,6 Kilometer lange Doppelspurtunnel gilt als grösstes Teilprojekt beim Ausbau der Gotthard-Achse.

Andererseits hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) letzte Woche bekannt gegeben, für welche Standorte im Gebiet Jura Ost sie Gesuche für Sondierbohrungen einreicht. Von den acht geplanten Bohrplätzen befindet sich «Effingen 2» genau vor dem Ausgang des neuen Eisenbahntunnels am Bözberg. Warum gerade dort? Wie sollen diese beiden Projekte aneinander vorbeikommen?

SBB-Mediensprecher Oli Dischoe sagt dazu: «Der Bohrplatz ‹Effingen 2› wurde in enger Abstimmung zwischen den SBB und der Nagra so gewählt, dass es keine Behinderungen im Hinblick auf den geplanten Bauablauf und die Inbetriebnahme des neuen Bözbergtunnels gibt.»

Der Bohrplatz sei auf einer Fläche vorgesehen, die vom Tunnelbau-Unternehmer Implenia aktuell als Installationsplatz benötigt wird. Die Nagra könne daher diese Fläche frühestens ab März 2020 als Bohrplatz nutzen, fährt Dischoe fort.

Nagra-Probebohrungen im Aargau

Nagra-Probebohrungen im Aargau

Die Nagra hat heute 16 Gesuche für Sonderbohrungen beim Bund eingereicht. Betroffen davon sind auch fünf Gemeinden im Aargau.

SBB geben der Nagra den Takt vor

Eine Teilfläche des Installationsplatzes wird später als Besammlungsplatz dienen und muss nach der Gesamtfertigstellung – also nach dem Umbau des bestehenden Bözbergtunnels zum Rettungsstollen – im Jahre 2022 zur Verfügung stehen.

Mit anderen Worten: Die SBB müssen das Programm für den Tunnelbau nicht anpassen. «Die Bohrung der Nagra richtet sich nach dem Projektfortschritt Neubau Bözbergtunnel», betont Dischoe.

Nagra Mediensprecherin Jutta Lang sagt zu den Vorzügen des vorgesehenen Sondierstandorts «Effingen 2»: «Es handelt sich um eine Sonderzone der SBB, die bereits über vorhandene Infrastrukturanschlüsse verfügt, die für den Betrieb eines Bohrplatzes mit einem 17 Meter hohen Turm notwendig sind.»

Daher biete sich an, die Synergien zu nutzen. Lang meint damit die befestigte Fläche, die Zufahrtsstrasse sowie die Leitungen. Ausserdem sei ein Bohrplatz auf der anderen Strassenseite oder hinter dem Bahnhofsgebäude keine Alternative gewesen, weil es sich dabei um landwirtschaftlich genutztes Wiesland handelt. «Nach Raumplanungsgesetz ist – wenn möglich – Landwirtschaftsland zu vermeiden», erklärt Lang.

Perimeter für hochaktive Abfälle

Technisch wären für diese Sondierbohrung laut Nagra-Mediensprecherin auch andere, angrenzende Standorte möglich. «Unser Ziel war, den geologisch optimalen Standort wählen.» Das heisst, es sollte ein möglichst südlich gelegener Standort sein, der relativ nah am Lagerperimeter für die hochaktiven Abfälle liegt. «Mit ‹Effingen 2› haben wir alle gewünschten Anforderungen erfüllt», stellt Lang fest.

Die Bohrung wird bis 2000 Meter unter Terrain reichen. Ziel ist es, nach einer dreimonatigen Installationszeit in einem 24-Stunden-Betrieb bis zum Grundgestein vorzudringen. Da man ganze Bohrkerne aus der Tiefe holen will, sei nicht wie bei Geothermie-Projekten mit grossen Erschütterungen zu rechnen, sagt Lang.

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