Fricktal

Nächster Halt: Endstation? Heftige Diskussionen um die Rheintallinie

Derzeit fahren auf der Rheintallinie nur Güter- und Servicezüge. Dies soll sich wieder ändern.

Derzeit fahren auf der Rheintallinie nur Güter- und Servicezüge. Dies soll sich wieder ändern.

Die Rheintallinie soll für den Personenverkehr reaktiviert werden. Das sei der falsche Weg, findet Gertrud Häseli. Befürworter – so auch Alfons P. Kaufmann – kontern allerdings vehement.

Sie ist die Letzte, die sich gegen ökologische Mobilität wehrt: Gertrud Häseli, Grünen-Grossrätin aus Wittnau. Zur Idee aber, die Rheintallinie von Winterthur über Zürich, Bad Zurzach, Laufenburg nach Basel für den Personenverkehr zu reaktivieren, sagt sie: «Das ist definitiv der falsche Weg, denn der Nutzen ist zu klein.» Häseli redet Klartext: «Ein Gleis zu haben, heisst noch lange nicht, dass eine Bahnverbindung auch Sinn macht.» Die Devise «freie Fahrt für freie Bürger» sei hier fehl am Platz.

Häseli bezweifelt auch die von den Befürwortern genannten Zahlen. Die Kosten für die Wiederinbetriebnahme der Strecke werden auf rund 20 Millionen Franken geschätzt, die jährlichen Betriebskosten auf 37,2 Millionen. «Die effektiven Kosten werden deutlich höher ausfallen», ist Häseli überzeugt.

Bessere Anbindung der Region, Vorteil für Mittelschulstandort

Ganz anders beurteilt man den Nutzen auf der Befürworterseite. Mehrere Parlamentarier weibeln seit Jahren auf kantonalem und nationalem Parkett für die Wiedereinführung der Bahnlinie, die im Fricktal dereinst in Laufenburg und Rheinfelden halten soll. Letzte Woche haben die vier CVP-Parlamentarier aus dem Fricktal und dem Zurzibiet im Grossen Rat einen Vorstoss eingereicht. Dieser lädt den Regierungsrat dazu ein, die Reaktivierung der Linie beim Bund zu beantragen «und dabei einen für den Aargau vertretbaren Kostensplit zu verhandeln».

«Sonst ist das Verkehrschaos vorprogrammiert»

Einer der vier Postulanten ist Alfons P. Kaufmann, Grossrat aus Wallbach und Fraktionspräsident der CVP. Er nennt vier Gründe, weshalb es die Bahnlinie braucht. Erstens müsse die Region Laufenburg verkehrsmässig besser an den Raum Zürich angebunden werden. Zweitens brauche es die Linie, wenn dereinst das Sisslerfeld erschlossen sei und so mehrere tausend Arbeitsplätze entstünden. «Sonst ist ein Verkehrschaos programmiert.» Drittens sei die Bözberg-Linie ein Nadelöhr. «Wenn etwas an der Strecke ist, müssen alle Züge zwischen Basel und Zürich über Olten fahren.» So habe man eine weitere Ausweichoption. Und viertens sieht Kaufmann einen Vorteil für die geplante Mittelschule im Fricktal – egal, ob nun Stein, Rheinfelden/Möhlin oder Frick den Zuschlag erhält. «Mit der Bahnlinie wird die Kanti auch für Schüler aus dem Zurzibiet attraktiv», ist sich Kaufmann sicher, der das Thema letzte Woche auch im Eurodistrictrat vorgebracht hat. Es gehe darum, koordiniert vorzugehen.

Zeithorizont: 10 bis 15 Jahre

Kaufmann ist zuversichtlich, dass das Bahnprojekt mittelfristig umgesetzt werden kann. «Steter Tropfen höhlt den Stein», sagt er und baut darauf, dass die Fricktaler Grossräte auch diesmal parteiübergreifend zusammenhalten. Er weiss aber auch: «Es wird mehr brauchen als nur den Fricktaler Zusammenhalt.»

Diese Einschätzung teilt auch Partei- und Grossratskollege Werner Müller aus Wittnau. Aber auch er glaubt: «Das Projekt ist gut und hat eine Chance.» Als Zeithorizont für eine Realisierung nennt er 10 bis 15 Jahre. Ihn überzeugt am Projekt, dass es die Region Laufenburg besser an den öffentlichen Verkehr anschliesst und dass dabei die Investitionskosten im Rahmen bleiben.

Hinter der Wiederinbetriebnahme steht auch der Planungsverband Fricktal Regio. Man wolle das Projekt pushen, sagt Präsident Christian Fricker und nennt zwei Hauptgründe. «Die Bahnlinie erschliesst das Fricktal und das Zurzibiet besser.» Das stärkt die Region wirtschaftlich und macht sie als Wohnort attraktiver. Neben diesem wirtschafts- und regionalpolitischen Benefit sieht Fricker auch eine Entlastungsfunktion. «Die Bözberglinie ist stark ausgelastet und die Rheintallinie könnte so eine willkommene Entlastung bieten.»

Das Bahnprojekt befürworten auch alle betroffenen Gemeinden, wie ein gemeinsamer Anlass von Fricktal Regio und Zurzibiet Regio im Januar zeigte. Für Fricker ist deshalb klar: «Wir bleiben am Thema dran und wollen hier den Takt angeben.» Damit es die Rheintallinie auch in den Taktfahrplan schafft.

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Autor

Thomas Wehrli

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