Gipf-Oberfrick

Nancy Holten: «Mit meinem Ex-Mann war ich zu wenig lange zusammen, um den Pass zu bekommen»

Nancy Holten über ihren Herzenwunsch, den Schweizer Pass, und warum es bereits der dritte Versuch ist.

Nancy Holten über ihren Herzenwunsch, den Schweizer Pass, und warum es bereits der dritte Versuch ist.

Nancy Holten polarisiert – mit Protestaktionen ist die 42-Jährige nicht nur in Gipf-Oberfrick angeeckt. Zuletzt ist es ruhiger geworden um die gebürtige Holländerin. Im «Talk Täglich» auf Tele M1 spricht sie nun über den Traum vom roten Pass, Kritik, ihre Veränderung und ihr einziges Vergehen.

Nancy Holten polarisiert. Sie ist Model, Autorin, Laienschauspielerin, freie Journalistin, Tierschützerin, überzeugte Veganerin, Kämpferin gegen Kuh- und Kirchenglocken, selbsternannte Retterin von Zirkustieren – und sie wäre gerne Schweizerin.

In der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1 plaudert die 42-jährige Holländerin aus Gipf-Oberfrick aus dem Nähkästchen. 

Holten über die Schauspielerei

Nancy Holten wird in der neuen Staffel der SRF-Serie «Der Bestatter» mitspielen. «Es ist mega cool. Es ist ein Traum von mir in Fernsehserien zu arbeiten. Ich habe Blut geleckt und möchte mich als Schauspielerin etablieren.»

Sie habe mit ihren Töchtern vor einem Jahr angefangen und es laufe gut. «Es ist eine Chance, zu zeigen, was ich drauf habe», sagt sie selbstbewusst. 

Holten über den Schweizer Pass

«Es ist ein lang ersehnter Herzenswunsch seit ich hier bin. Ich wäre eigentlich schon zweimal eingebürgert worden», sagt die 42-jährige Holländerin  und erklärt: Ihre Mutter habe damals, als sie den Schweizer Pass erhielt und Nancy acht Jahre alt war, einfach verpasst auch die Tochter einbürgern zu lassen.

«Und mit meinem Ex-Mann war ich zu wenig lange zusammen, um den Schweizer Pass zu bekommen.» 

Beim dritten Anlauf hoffe sie nun, dass sie den Schweizer Pass endlich kriege.

Holten über die Kritik aus Gipf-Oberfrick

Konfrontiert mit eher weniger liebsamen Aussagen von Bewohnern aus Gipf-Oberfrick sagt Holten: «Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, nichts persönlich zu nehmen.» Wenn man Angst vor den Reaktionen anderer Menschen habe, dann passe man sich an. «Dann verliert man sich.»

Nancy Holten über die harsche Kritik aus Gipf-Oberfrick: «Wer Angst hat vor Reaktionen, der passt sich an»

Nancy Holten über die harsche Kritik aus Gipf-Oberfrick: «Wer Angst hat vor Reaktionen, der passt sich an»

Spurlos gehe Kritik aber auch an ihr nicht vorbei. «Doch mein Fokus ist halt immer aufs Positive gerichtet.» Online-Kommentare lese sie zum Beispiel nicht mehr. Sie blende das Negative aus und schiebe das zur Seite.

Holten über das Unbeliebtsein

Wie ist es für Sie, die wohl unbeliebteste Holländerin der Schweiz zu sein? «Ich glaube nicht, dass ich unbeliebt bin.» Es gäbe viele, die sich nicht getrauen würden, öffentlich zu sagen, dass sie sie gut finden, um nicht so dran zu kommen wie sie. «Mir ist wichtig, mich dafür einzusetzen, wofür mein Herz schlägt.»

Aber sie habe sicherlich nicht nur Freunde in Gipf-Oberfrick, kontert TeleM1-Moderator David Kaufmann. «Da wird der eine oder andere doch eine grossen Bogen um Sie machen?»

Das sei so, es gebe beides. Aber wer sie persönlich kenne, der grüsse sie und sei mit ihr befreundet. 

Nancy Holten über das Unbeliebtsein: «Viele trauen sich nur nicht, öffentlich zu sagen, dass sie es gut finden.»

Nancy Holten über das Unbeliebtsein: «Viele trauen sich nur nicht, öffentlich zu sagen, dass sie es gut finden.»

Holten über Kirchenglocken

Die Sache mit den Kirchenglocken sei ihr spontan beim Radfahren durch die Natur eingefallen. «Sie sei zwar nicht religiös, aber habe nichts gegen die Kirche.»

Ihre drei Töchter hätten die Emissionsklage gegen das Glockengeläut allerdings übertrieben gefunden.

Nancy Holten über die Emissionklage wegen Kirchenglockengeläut: «Ich bin zwar nicht religiös, habe aber nichts gegen die Kirche.»

Nancy Holten über die Emissionklage wegen Kirchenglockengeläut: «Ich bin zwar nicht religiös, habe aber nichts gegen die Kirche.»

Holten über Verständnis

Verständnis für die Leute habe sie schon, sie sei früher auch so gewesen. Beispiel: Ehe sie Veganerin wurde, habe sie  mal eine Sendung über eine vegane Familie im Fernsehen gesehen. «Ich sagte: ‚Die armen Kinder können nicht einmal Würstchen essen!‘»

Je mehr man seinen eigenen Weg gehe, desto mehr bekomme man auch Verständnis von den Leuten. «Man hat ja selbst auch so einen Seich gemacht.»

Sie könne verstehen, wenn sich Leute fragten, warum sich diese Holländerin einmische. «Ich will mich aber nicht einmischen oder Traditionen aufbrechen.»

Holten über Verständnis für Kritik

Holten über Verständnis für Kritik

 

Holten über Demos

Nancy Holten kämpfte auch schon für einen Zirkus ohne Tier und demonstrierte dafür auf offener Strasse.«Tiere sind nicht zu unserer Belustigung da, ich finde es gemein, wenn man Tiere zu unserem Spass ausnutzen», sagt sie dazu. 

Ob es denn gleich soweit gehen müsse, dass die Polizei noch eingreifen müsse, will Talk-Moderator David Kaufmann wissen. «Wir haben die Polizei gerufen», betont die 42-jährige Holländerin. Der Zirkusdirektor habe sie mit seinem Körpereinsatz bedroht. «Wir haben ihm gesagt, lass uns sein, aber er ist uns nachgelaufen.»

«Ganz ehrlich», fügt sie an, «Solche Demos möchte ich nicht mehr machen. Ich fühle mich nicht wohl in Graubereichen – dann lieber so eine Sendung.»

Holten über ihr Engagement

«Ich frage mich wohl einmal pro Tag, was ich hier eigentlich mache.» Übertrieben sei ihr Engagement aber nicht, denn es gehe ihr nicht um Traditionen, sondern ums Tierwohl.

Holten über Veränderung

Sie reflektiere abends jeweils den Tag und versuche sich so,  auch ein bisschen zu entwickeln. «Das heisst, heute habe ich nicht mehr die gleiche Meinung wie vor einem Monat oder einem Jahr.»

Holten über die Einbürgerung und ihr einziges «Vergehen»

Hat sich Nancy Holten bewusst etwas zurückgezogen, um vor der neuerlichen Abstimmung über ihre Einbürgerungen die Wogen zu glätten?

«Nein, definitiv nicht. Ich bin nicht ruhiger geworden wegen des Passes, sondern weil ich mich verändert habe.»

Es gebe nichts, dass man ihr vorwerfen könne: Sie habe nie eine Straftat begangen, immer alle Rechnungen gezahlt – somit also eine weisse Weste. «Das Einzige was ich tat, war den Mund aufzumachen.»

Hier können Sie die ganze Sendung nachschauen:

Nancy Holten im Talk Täglich

Nancy Holten im Talk Täglich

(edi)

Meistgesehen

Artboard 1