Fricktal

Neue Strategie für Tarifverbund: Folgt damit eine Preiserhöhung?

Das beliebte U-Abo wird überprüft – und möglicherweise teurer. (Archiv)

Das beliebte U-Abo wird überprüft – und möglicherweise teurer. (Archiv)

Die Tarifstrukturen beim Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) werden überprüft. Erste Erkenntnisse sollen im Sommer 2016 vorliegen. Zur Debatte steht auch das Einheitsabo.

Die Mitteilung liest sich eher kryptisch. Die fünf Trägerkantone des Tarifverbundes Nordwestschweiz (TNW) wollen «eine gemeinsame Strategie für den TNW ausarbeiten». Dabei soll auch die Tarifstruktur überprüft und allenfalls angepasst werden. Ziel sei, den öffentlichen Verkehr attraktiv zu halten – «unter Verbesserung des Kostendeckungsgrades». Dieser liege derzeit «klar unter jenem anderer Tarifverbünde in der Schweiz». Erste Erkenntnisse werden im Sommer 2016 erwartet.

Daraus lässt sich Dreierlei ableiten: Bei der Erarbeitung der sogenannten Bestellerstrategie müssen die Kantone, erstens, auch die Frage beantworten: Ist das U-Abo überhaupt noch zeitgemäss?

Die geforderte höhere Wirtschaftlichkeit kann, zweitens, durch einen Abbau der Leistungen oder des Komforts, durch mehr öV-Benutzer bei gleichbleibenden Kosten oder durch höhere Einnahmen erzielt werden. Letzteres würde wohl bedeuten: Die Billette und Abos werden teurer. Denn dass die Kantone ihren Beitrag – aktuell wird jedes Abo mit 25 Franken subventioniert – erhöhen, ist angesichts des omnipräsenten Spardiktats unwahrscheinlich. Es stellt sich, auch mit Blick auf andere Tarifverbünde, eher die Frage: Ist das U-Abo zu stark subventioniert?

Der Kanton Aargau wollte seinen Beitrag von 900 000 Franken im letzten Jahr streichen, was der Grosse Rat nach massiven Protesten aus dem Fricktal – Herbert Lützelschwab sammelte fast im Alleingang 6546 Unterschriften – ablehnte. Im Baselbiet ist derzeit eine ähnliche Spardiskussion im Gang. Auch hier ist der Protest massiv. Eine Volksinitiative will den Kanton dazu verpflichten, Beiträge an den TNW zahlen zu müssen – heute «kann» er dies tun. Die Initiative kam Anfang Oktober mit 4021 Unterschriften zustande.

Die «Überprüfung und allfällige Anpassung der aktuellen Zonenstruktur» wiederum lässt, drittens, zwei Handlungsmaximen zu: Man passt die Tarifstruktur generell an oder aber man stellt das Ein-Zonen-Abo zur Disposition. Heute zahlen alle für das Abo gleich viel – egal, ob jemand in Gansingen wohnt und täglich nach Basel pendelt oder ob jemand in Muttenz wohnt und viermal pro Woche die Grosskinder in Basel hütet. Das Monatsabo, U-Abo genannt, kostet 76 Franken, das Jahresabo 760 Franken.

Schon mehrfach monierte insbesondere Basel-Stadt, dass dies nicht fair sei, und im Juli meinte auch die Baselbieter Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung: «Die Debatte um die Zonierung des U-Abos wird wieder geführt werden.»

Erfolg dank Einzigartigkeit

Als Fricktaler muss man da hellhörig werden, denn mit der Einführung mehrerer Zonen würde das Abo insbesondere in den peripheren Gebieten des Tarifverbundes teurer – sprich: im Fricktal.

Noch ist es zwar zu früh, um beurteilen zu können, ob ein Zonen-Abo überhaupt aufs politische Parkett gehievt wird, doch schon der Gedanke missfällt vielen Fricktaler Politikern. Für GLP-Grossrat Roland Agustoni liegt der grosse Erfolg des Abos gerade in der Einzigartigkeit des Einheitstarifes. «Diesen Erfolg darf man nicht aufs Spiel setzen.» Auch SP-Grossrat Peter Koller schwärmt für das Ein-Zonen-Modell. Er befürchtet, dass etliche Fricktaler bei einer massiven Verteuerung des Abos aufs Auto umsteigen würden. Genau das Umgekehrte, dass möglichst viele Pendler den öV benutzen, wollte man mit der Einführung des U-Abos 1987 erreichen.

Herbert Lützelschwab, der im letzten Jahr mit seiner TNW-Petition für Furore sorgte, kann dem Zonen-Abo ebenfalls wenig abgewinnen. Damit würden die ländlichen Gebiete, die es ohnehin schwer haben, zusätzlich belastet. «Wir bauen in der Gesellschaft immer mehr Solidarität ab. Das ist der falsche Weg, denn der um sich greifende Egoismus ist Gift für die Gesellschaft.» Als Alternative zu Gebührenerhöhungen und Leistungsabbau kann sich Lützelschwab, analog zur Autobahnvignette, eine Mobilitätsgrundgebühr vorstellen.

CVP-Grossrat Martin Steinacher kann nachvollziehen, dass die Ein-Zonen-Struktur nicht alle fair finden. Er sperrt sich denn auch nicht per se gegen eine Zonierung, «allerdings muss sie einfach bleiben, sonst verliert der TNW an Attraktivität». Auch ihm wäre es jedoch am liebsten, man würde nichts ändern, denn ein erfolgreiches Modell sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof und Postautochauffeur, ist ebenfalls nicht grundsätzlich gegen eine Zonierung. Dies allerdings nur, «wenn für die Kunden ein Mehrwert herausschaut». Ein solcher wäre für ihn, aus Fricktaler Optik, eine Ausweitung des TNW bis nach Aarau. Heute muss ein Reisender, der ein U-Abo besitzt und nach Aarau will, ab dem Benkerjoch und der Staffelegg zahlen.

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