Gipf-Oberfrick

Neuer Anlauf für Tempo 30: «Wenn auch nur ein einziger Unfall verhindert wird, ist es eine gute Investition»

Freiwillig soll Tempo 30 in Gipf-Oberfrick bald nicht mehr sein.

Freiwillig soll Tempo 30 in Gipf-Oberfrick bald nicht mehr sein.

Der Vizeammann von Gipf-Oberfrick weibelt bei der Gemeindeversammlung für die Einführung von Tempo 30 – doch die Abstimmung kommt ja erst noch. Geplant sind Investitionen in Höhe von 170'000 Franken.

Gipf-Oberfrick steht ein heisser Herbst bevor: Im Anschluss an die am Freitag nachgeholte Einwohnergemeindeversammlung vom Juni informierte der Gemeinderat lediglich über Tempo 30. Darüber abgestimmt wird erst im November. Und doch gingen in der Mehrzweckhalle die Wogen hoch.

Vizeammann Georg Schmid berichtete, dass die Einführung einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer pro Stunde schon 2009 und 2013 Themen einer Gemeindeversammlung gewesen seien. Zwei Referenden, jeweils mit Nein der Stimmbürger ausgegangen, schliesslich die Pe­tition vom November 2019 mit 571 Unterschriften für Tempo 30 im Dorf – flächendeckend auf allen Quartierstrassen –, so die weitere Vorgeschichte. Jetzt, 2020, stehen Gemeinderat und Verkehrskommission mit Überzeugung hinter der Verkehrsberuhigung. Schmid fasste es so zusammen: mehr Sicherheit, weniger Lärm, sauberere Luft, ein Plus an Wohnqualität, Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.

«Die flächendeckende Einführung ist billiger als auf einzelne Strassen beschränkt», sagte Schmid. Wobei flächendeckend nicht ganz stimmt, denn auf der Landstrasse bleibt alles, wie es ist. Dort gilt auch in Zukunft Tempo 50. Und bei einer Teilfläche kommen die 30 Kilometer pro Stunde auch nicht, am Hüttenweg rund um die Schule. Dort soll es mit einer Begegnungszone, Tempo 20 und dem generellen Vortritt der Fussgänger noch ein Stück langsamer werden.

Diskussionen, als stünde die­­ Entscheidung schon an

Das Ja zur Einführung der Stimmbürger am 27.November vorausgesetzt, soll Gipf-Oberfrick ab August/September 2021 einen Gang runtergeschaltet haben. Um 170'000 Franken zur Umsetzung wird der Gemeinderat das Volk bitten. Signalisationen und Markierungen werden damit bezahlt, vorerst keine teuren Strassenumbauten. «Wir werden so wenig wie möglich und so viel wie nötig umsetzen», sagte Schmid.Ein Jahr nach Einführung wird es dem Vizeammann zufolge Nachkontrollen geben.

Die Informationen über Tempo 30 gab es, nachdem die Gemeindeversammlung vorüber war. Die Vorgabe: nur Information, nur Fragen, keine Anträge oder Abstimmungen. Und doch: Tempo 30 wurde diskutiert, als stünde die Entscheidung darüber schon an. Einer behauptete, es habe in den vergangenen zehn Jahren keinen Un­- fall mit Personenschaden auf Gipf- Oberfricks Quartierstrassen gegeben.

«Wenn mit Tempo 30 auch nur ein einziger Unfall verhindert wird, ist es eine gute Investition», meldete sich eine Frau zu Wort. Ein Stimmbürger hielt das vom Gemeinderat für 25'000 Franken in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten in die Höhe. Meinte, dieses sei das Geld nicht wert. Immer wieder musste Schmid intervenieren: «Das ist nur eine Infoveranstaltung, bitte stellen Sie nur Verständnisfragen.» Oft war es vergeblich, wenn aus den Reihen der 142 anwesenden Stimmbürger minutenlange Statements kamen.

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