Wallbach

Neues Bohrfeld soll Salzbedarf decken

Die beiden Saldome haben eine Lagerkapazität von rund 250000 Tonnen Salz.

Die beiden Saldome haben eine Lagerkapazität von rund 250000 Tonnen Salz.

Schweizer Salinen wollen bei Wallbach 7,6 Millionen Tonnen Salz fördern. Bei einem ähnlichen Projekt in Muttenz ist der Widerstand gross.

Die Schweizer Salinen brauchen Nachschub: Die Salzvorkommen in den beiden Abbaugebieten der Nordwestschweiz, Möhlin und Schweizerhalle, reichen nur noch bis 2027. Deshalb bereiten die Schweizer Salinen, die den Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein gehören und das Salzmonopol in der Schweiz besitzen, zwei neue Bohrfelder vor.

Eines davon liegt in Muttenz, das andere auf dem Gemeindegebiet von Wallbach und Zeiningen. Beide Gebiete sind sich landschaftlich ähnlich. Während in Muttenz bereits die Probebohrungen laufen, hat das Projekt im Fricktal – Nordfeld genannt – am Donnerstag mit der Information von Landeigentümern, Naturschützern und Behörden erst richtig Fahrt aufgenommen.

Bis in zwei Jahren, so hoffen die Schweizer Salinen, liegen im Fricktal die nötigen Bewilligungen vor, sodass die 5,5 Kilometer lange unterirdische Transportleitung zur Pumpstation des heutigen Bohrfeldes sowie die neue Pumpstation gebaut werden können. Ab 2026 soll dann Salz im Nordfeld gefördert werden. Insgesamt sind in der Förderzeit von rund 30 Jahren 51 Bohrungen vorgesehen. Das Salzvorkommen beziffern die Experten mit 7,6 Millionen Tonnen, womit die Schweiz für 20 bis 30 Jahre mit Salz versorgt werden kann.

Erste von vielen Newsletter

Bei der Präsentation des Projektes wies Geschäftsführer Urs Hofmeier mehrfach darauf hin, wie wichtig den Schweizer Salinen der Einbezug der rund 60 Landeigentümer, der Landwirte, der Behörden und der Bevölkerung sei und dass man das Projekt im Dialog entwickeln werde, gerade auch was die Linienführung der Transportleitung betreffe. In den nächsten Tagen wird zudem der erste von mehreren Newslettern in alle Haushalte in Möhlin, Rheinfelden, Wallbach und Zeiningen verteilt.

Im Hinterkopf dürften die Verantwortlichen dabei die Erfahrungen haben, die sie in den letzten Monaten in Muttenz gesammelt haben. Hier will die IG «Rettet die Rütihard» den Salinen die (Bohr-)Suppe so richtig versalzen. Sie wehrt sich, unterstützt von der Fondation Franz Weber, Pro Natura Baselland und den Grünen, vehement gegen den Salzabbau und begründet den Widerstand vorab mit einer Verschandelung der Landschaft und mit geologischen Risiken.

Ob es auch im Fricktal zu Widerstand kommen wird, muss sich weisen. Die Verantwortlichen hoffen natürlich nicht – auch dank dem frühzeitigen Einbezug der (politischen) Akteure.

Landeigentümer bereits 2016 vororientiert

Die betroffenen Landeigentümer haben die Schweizer Salinen bereits 2016 ein erstes Mal über das Projekt orientiert. Die Stimmung an der Infoveranstaltung für die Landeigentümer, die vor der Medienkonferenz stattfand, hat Hofmeier als «angenehm, konstruktiv, aber auch erwartungsvoll» erlebt. Er verhehlte nicht, dass er ursprünglich davon ausgegangen sei, dass das Projekt in Muttenz, wo nur ein Landeigentümer tangiert ist, einfacher zu realisieren ist, als im Fricktal, wo über 60 betroffen sind. Dies sei nicht so gekommen und er hoffe, dass der Dialog hier gut laufe.

Hofmeier und Geologe Gabor Fuchs machten vor den Medien deutlich, dass das Nordfeld, das westlich von Wallbach liegt, eine tragende Säule in der Salzstrategie der Salinen ist. Diese geht davon aus, dass die Versorgung der Schweiz mit eigenem Salz mindestens bis 2075 gewährleistet ist. Voraussetzung allerdings ist, dass man im Nordfeld Salz fördern kann. Denn: «Die Salzvorräte im Gebiet Bäumlihof sind 2027 erschöpft. Bis dahin muss das Nordfeld erschlossen sein», machte Fuchs deutlich. Im Bäumlihof wird seit 2009 Salz gefördert.

In der Saline Riburg in Möhlin werden heute rund 90 Prozent des Schweizer Auftausalzes produziert. Die Erschliessung des Nordfeldes sichere die Existenz der Saline und deren Arbeitsplätze, sagte Hofmeier. Zudem weise Schweizer Salz die bessere Ökobilanz als importiertes Salz auf und auch das lokale Gewerbe profitiere. Hofmeier sprach von «hohen zweistelligen Millionenbeiträgen», die pro Jahr an das Gewerbe gehen. Geld bekommen auch der Kanton durch die Konzessionsbeiträge, die Abbaugemeinden in Form von Steuereinnahmen und die Landeigentümer als Entschädigung für Bau- und Durchleitungsrechte sowie für Ertragsausfälle.

Sondierbohrungen für 2021 geplant

Bis Geld und Salz fliessen, ist aber noch ein gutes Stück Projektweg zu gehen. Als erstes sind laut Fuchs im Herbst vertiefte geologische Abklärungen mittels seismischer Messungen im Nordfeld, das landwirtschaftlich genutzt wird, geplant. 2021 folgen dann zwei Sondierbohrungen. Danach werden Leitungen und Pumpstation gebaut.

Parallel zum Bohrprojekt arbeitet das Saline-Team an den gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehört zum einen die Konzessionsverlängerung – die aktuelle läuft noch bis 2025 –, zum anderen die Bohr- und Baubewilligungen. Ein wichtiger Bestandteil des Baugesuches wird dabei der Umweltverträglichkeitsbericht sein. Die Verantwortlichen betonten mehrfach: Man werde «mit möglichst grosser Rücksicht auf die Bedürfnisse von Mensch und Natur vorgehen».

Läuft alles nach Plan, erfolgt die Salzgewinnung ab 2026. Geplant sind im Nordfeld insgesamt sechs Etappen. Eine Bohretappe dauert dabei rund ein Jahr. Je nach Umgebung und Distanz zu Wohnbauten werden Schallschutzwände montiert. Zwischen jeder der sechs Etappen liegen jeweils rund fünf Jahre ohne Bohrtätigkeit. In dieser Zeit wird Salz gewonnen – geräuschlos, wie Fuchs sagt.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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