Laufenburg

Nicht nur Romantik

Der Kammerchor widmete sein Jubiläum dem Freiherrn von Eichendorff.js

Der Kammerchor widmete sein Jubiläum dem Freiherrn von Eichendorff.js

Der älteste Schweizer Kammerchor, die «Basler Madrigalisten», lud zum Jubiläumskonzert in die Kirche St. Johann.

Zu ihrem 40. Geburtstag gönnten sich die Basler Madrigalisten ein Eichendorff-Projekt mit einer Auswahl der «besten Vertonungen» seiner Gedichte. Fragt sich nur, wo da anfangen? Schliesslich gibt es mehrere tausend Vertonungen von Eichendorff-Lyrik. Dessen wundervollstes Nachtgedicht, das mit der Verszeile «Schläft ein Lied in allen Dingen» beginnt, haben sich die Schweizer Chormusikspezialisten als Programmtitel für ihr Jubiläumskonzert gewählt.

Wenn sich ein wunderbares, tiefes Schweigen über die Welt legt, dann ist das einer jener lyrischen Texte des Freiherrn von Eichendorff, die noch heute berühren. Die schönsten Lieder dieses meistvertonten deutschen Dichters stammen aus dem Zeitalter der Romantik, was man bei dem stimmungsvollen Liederprogramm beim Konzert in der Kirche St. Johann in Laufenburg hören konnte.

Auch zeitgenössische Musik

Dass die Basler Madrigalisten, der älteste und erste professionelle Kammerchor der Schweiz, nicht nur in der Romantik zu Hause sind, sondern auch in der zeitgenössischen Musik, verrieten die beiden Klammerwerke: zwei kostbare Lieder von Hans-Martin Linde aus dessen «Sechs EichendorffGesängen», dem Chorleiter Raphael Immoos gewidmet. Mit dem Vierzeiler «Wünschelrute», von dem namhaften Flötisten Hans-Martin Linde mit sensiblem Klangsinn für gemischten Chor A-cappella in Töne gesetzt, begann das Chorkonzert.

Es hatte sich den Sehnsüchten des Menschen, dem Zauber der Nacht, der Welt der Träume, der Natur und der Liebe verschrieben. Aber auch die Nacht als Trost, die ewige Ruh, die Waldeinsamkeit, Jagdlieder und das volksliedhafte «O Täler weit o Höhen», wurden beschworen.

Die Madrigalisten widmeten sich diesen Naturbildern, Morgen- und Abendliedern und Nachtgedichten in Vertonungen von Mendelssohn, Schumann bis Hugo Wolf und Richard Strauss mit grosser Ausdrucksintensität und klanglicher Ausgewogenheit. Dass sie ein Kammerchor der Spitzenklasse sind, zeigten allein schon die sängerischen Tugenden: ein kultivierter Klang, die Intonationssicherheit mit gekonnter Stimmführung. Mit seiner präzisen Zeichengebung erreicht Immoos feinste Abstufungen und dynamische Nuancen.

Ob das nun Lieder von Fanny Hensel-Mendelssohn waren oder harmonisch raffinierte Gesänge des Brahms-Freundes Heinrich von Herzogenberg – in der homogenen Wiedergabe gingen Dichtung und Musik eng zusammen. Dass das allerberühmteste Eichendorff-Gedicht, die «Mondnacht», in dieser Lied-Anthologie fehlte, war bei der Vielfalt der Vertonungen zu verschmerzen. Dafür liessen die Choristen als Zugabe das adventliche «O du stille Zeit» des Salzburger Komponisten Cesar Bresgen, von Immoos auf zwölf Stimmen verteilt, in perfektem Wohlklang aufleuchten.

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