Schupfart
Noble Fundstücke in der Baugrube: Objekte aus dem 16. Jahrhundert – und Importware aus dem Elsass

Wo früher ein Bauernhaus stand, ist nun eine Baugrube. Eine historisch wertvolle, wie sich zeigt: An der Eikerstrasse stiess die Kantonsarchäologie auf zahlreiche Gegenstände aus vergangenen Zeiten.

Dennis Kalt
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Bei der Freilegung muss ein gutes Auge bewiesen werden, damit die Fundstücke nicht beschädigt werden.

Bei der Freilegung muss ein gutes Auge bewiesen werden, damit die Fundstücke nicht beschädigt werden.

Dennis Kalt

Eigentlich wollte David Wälchli gerade Pause machen und einen Kaffee holen, als er in der Erde Holz und Keramikteile rausschauen sah. «Ich habe einem Mitarbeiter gesagt, er soll mit dem Metallsuchgerät über das Areal gehen – und wir haben gleich ziemlich tolle Funde gemacht», sagt der Grabungstechniker des Kantons. Seit drei Tagen suchen Mitarbeiter der Kantonsarchäologie in der Baugrube an der Eikerstrasse in Schupfart nun nach Gegenständen aus vergangenen Zeiten.

Rund 50 Objekte haben Wälchli und sein Team bereits freigelegt. Darunter verzierte Ofenkacheln, ein Zapfhahn, Ornamente und Schliessungen für Renaissance-Gewänder sowie bronzene Schalen.

Genau genommen handle es sich bei dem Areal mit den Fundstücken aus dem 16. Jahrhundert nur um einen Nebenschauplatz, sagt Wälchli. So habe man bereits einige Wochen zuvor an zwei anderen Stellen der Baugrube Importware aus dem nördlichen Elsass aus dem 7. und 8. Jahrhundert, der Zeit der Merowinger, entdeckt. «Wir haben Scherben von Knickwandtöpfen gefunden, die sich gut datieren lassen», so Wälchli.

Bereits 2006 fand man Siedlungsschichten

Gesucht habe man in der Baugrube, weil man in deren Nähe bereits 2006 auf Siedlungsschichten aus dem 9. und 10. Jahrhundert gestossen sei. So handelt es sich bei der Baugrube denn auch um eine Verdachtsfläche für archäologische Funde. Daher war die Untersuchung Bestandteil der Baubewilligung für zwei Mehrfamilienhäuser, die bis Herbst 2021 fertiggestellt werden sollen.

Antonio Fresta, Leiter der Bauarbeiten, schätzt, dass man durch die Untersuchungen der Kantonsarchäologie bereits zwei Wochen verloren habe. «Wenn die Archäologen vor Ort sind, versuchen wir, um sie herum zu arbeiten», sagt er. Für die Arbeiten der Archäologen zeigt er Verständnis: «Es geht um Geschichte.»

Funde verweisen auf ­städtische Verhältnisse

Vor dem Baubeginn befand sich auf dem Areal ein alter Bauernhof mit einem dazugehörenden Wohnhaus. Die Fundstücke würde man hingegen eher einem noblen gotischen Altstadtquartier zuordnen. «Die Funde verweisen fast schon auf städtische Verhältnisse», sagt Wälchli und schiebt nach: «Schon im 16. Jahrhundert hat sich der Adel darüber echauffiert, dass sich der Landmann wie ein Edelmann kleidet und mit Tand umgibt und deswegen von ihm kaum mehr zu unterscheiden ist.»

Die gefunden Objekte werden nun gesäubert und inventarisiert sowie mit anderen Funden abgeglichen, um sie noch genauer datieren zu können. Spannend ist für Wälchli die Frage, wer bei der Fundstelle gewohnt haben könnte. So stiessen die Archäologen auch auf Dutzende Stecknadeln. «Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um eine Schneiderin handelte.»