Der Schock war im vergangenen September gross, als Novartis den Abbau von 2150 Jobs in der Schweiz bis 2022 ankündigte. Stark betroffen vom Abbau ist der Standort Stein, wo 700 Stellen abgebaut werden sollen. Von einer «absoluten Katastrophe» sprach damals etwa SP-Grossrätin Elisabeth Burgener. Und Christian Fricker, Präsident des Planungsverbands Fricktal Regio, sagte, er sei «überrascht und schockiert».

Gut ein halbes Jahr ist seit der Ankündigung vergangen. In dieser Zeit wurde das Konsultationsverfahren durchgeführt. Es ist mittlerweile abgeschlossen, wie Novartis-Sprecher Daniel Zehnder sagt. Insgesamt halte Novartis am angekündigten Stellenabbau fest, so Zehnder. «Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle vom Abbau betroffenen Mitarbeitenden ihre Anstellung verlieren.» Sie würden zum Teil in andere Positionen überführt und es würden Brücken- und Vorruhestandslösungen angeboten.

Neuer Sozialplan ausgehandelt

Zudem wurde ein neuer Sozialplan ausgehandelt. Er habe eine Geltungsdauer von vier Jahren bis Ende 2022 und gehe «in vielerlei Hinsicht über den früheren Sozialplan hinaus». Insbesondere für betroffene Mitarbeiter ab 50 Jahren sehe er ein stark erweitertes Massnahmenpaket zur Unterstützung bei der Stellensuche und Weiterbeschäftigung vor, so Zehnder.

Gemäss dem Sozialplan gilt eine Vorankündigungsfrist von vier Monaten. Erst danach werden Kündigungen mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ausgesprochen. Erste Vorankündigungen wurden laut Zehnder in Stein ab Februar übergeben.

Die Stimmung unter den Mitarbeitenden in Stein sei weiterhin gedrückt, sagt Astrid Beigel, Regionalverantwortliche Nordwestschweiz der Gewerkschaft Syna. «Die Mitarbeiter hängen an ihren Jobs, aber wissen, dass sie sich irgendwann von ihnen trennen müssen.» Mitte April sei ein Gespräch zwischen der Novartis und den Gewerkschaften anberaumt, in dem der Sozialplan vorgestellt werde. Die Aktionen der Gewerkschaften im vergangenen Herbst hätten wohl zu Verbesserungen im Sozialplan geführt, so Beigel. Nicht erreicht haben die Gewerkschaften das Hauptanliegen, die Rettung der Arbeitsplätze. «Nun ist unsere absolute Minimalforderung, dass kein Mitarbeiter als sozialer Härtefall endet», sagt Beigel.

Gleichzeitig mit dem Stellenabbau will Novartis in Stein 450 Stellen im Bereich Cell & Gene Produktion schaffen. Bis Ende März wurden laut Zehnder bereits 70 Stellen aufgebaut. «68 davon wurden intern besetzt», so der Novartis-Sprecher. Zudem fänden laufend Assessments für Mitarbeitende statt, die potenziell von der Restrukturierung betroffen sind. Die Schulung dieser Mitarbeitenden sei erfolgreich angelaufen.