Seit dem Knall und dem Brand am frühen Sonntagmorgen wurde in Gansingen gerätselt und spekuliert, wie es zur Explosion kommen konnte. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft erste Erkenntnisse präsentiert. Nun ist klar, dass es sich um ein Familiendrama handelt. Die beiden Leichen konnten bei der Obduktion mittels DNA-Abgleich identifiziert werden. Es handelt sich um den 59-jährigen Hausbesitzer A. und seine 50-jährige Freundin.

Gestorben sind die beiden laut dem Obduktionsbericht jedoch nicht beim Brand oder bei der Explosion, sondern an Schussverletzungen. Beide Opfer weisen laut der Aargauer Staatsanwaltschaft Schussverletzungen am Kopf auf.

Sowohl A. als auch seine Partnerin waren bereits tot, als das Feuer «aktiv brannte». «Wir gehen gestützt auf die bisherigen Ermittlungen davon aus, dass der Hauseigentümer zuerst seine Partnerin erschossen und danach sich selbst gerichtet hat», fasst Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, die Erkenntnisse zusammen.

Zwei Tote nach Explosion

Zwei Tote nach Explosion

In Gansingen im Fricktal stand ein Haus nach einer schweren Explosion in Vollbrand. Die Feuerwehr fand im Gebäude zwei tote Personen. (19.3.2017)

Kein Hinweis auf Drittperson

Abgefeuert wurden die Schüsse aus einem Revolver. Die Ermittler haben die Tatwaffe im Schlafzimmer – hier wurden auch die beiden Leichen entdeckt – gefunden. Wegen der starken Verkohlung konnten an der Waffe gemäss Fiona Strebel jedoch keine Spuren mehr sichergestellt werden. Aufgrund der «Auffundlage und des Obduktionsberichts» müsse man davon ausgehen, dass die Frau nicht geschossen hat, so die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft weiter. Zudem hält sie fest: «Es gibt keine Hinweise auf eine Drittperson.»

Damit deutet vieles darauf hin, dass es sich beim Drama in Gansingen um einen erweiterten Suizid handelt. Aus den Befragungen des Umfelds der beiden Toten haben sich jedoch laut Fiona Strebel keine Hinweise ergeben, die diese These stützen. Auch Hinweise auf das Motiv für die Tat gingen aus den Befragungen keine hervor. Abschiedsbriefe wurden bislang keine gefunden.

Offen bleibt, was sich in den Stunden vor der Explosion im Einfamilienhaus von A. genau abgespielt hat. «Wir kennen den Tathergang nicht, deshalb wäre es reine Spekulation, hier etwas zu sagen. Und Spekulationen machen wir nicht», betont Strebel.

Gansingen: Die Brandruine am Montag

Gansingen: Die Brandruine am Montag

Nachbarn haben Kerzen und Rosen niedergelegt, die Aargauische Gebäudeversicherung begutachtet das zerstörte Haus.

Drei Gasflaschen sichergestellt

So sind etwa aus rechtsmedizinischer Sicht aufgrund der Hitzeeinwirkung keine Aussagen zum Todeszeitpunkt der beiden Opfer möglich. Es lässt sich also nicht sagen, ob die tödlichen Schüsse unmittelbar hintereinander abgefeuert wurden. Auch konnte im Laufe der bisherigen Ermittlungen nicht mehr festgestellt werden, ob die Explosion den Brand ausgelöst hat, oder umgekehrt.

In der Ruine des Hauses, das bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, konnten die Experten der Kantonspolizei drei Gasflaschen sicherstellen. Aus den Flaschen ist Gas ausgeströmt – und dies nicht zufällig. «Es gab kein Leck, die Ventile waren geöffnet», so Fiona Strebel. Die Ermittlungsbehörden sind überzeugt, dass der Brand beziehungsweise die Explosion, deren Wucht alle Aussenwände des Einfamilienhauses zerstört hat, absichtlich herbeigeführt wurden.
Wie dies geschehen ist und ob der Täter allenfalls einen Zeitzünder verwendet hat, darüber gab die Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch «aus ermittlungstaktischen Gründen» keine Auskunft. Die Ermittlungen laufen weiter.