Dauerregen, erste überflutete Strassen im Kanton Bern, Hangrutsch im Glarnerland: Wettertechnisch deutet momentan wenig auf den Wonnemonat Mai hin. Auch im Fricktal steigen Pegelstand und Abflussmengen des Rheins und der Bäche. Der Möhlinbach in Zeiningen etwa kratzte gestern frühmorgens bezüglich Abflussmenge mit 5,1 Kubikmetern pro Sekunde kurzzeitig am Grenzwert für Gefahrenstufe 3, was erhebliche Gefahr bedeutet. Der Kaisterbach in Kaisten überstieg diesen Grenzwert in der Nacht von Donnerstag auf den Freitag während einiger Stunden gar deutlich. Und der Rhein in Rheinfelden wies gestern um 17 Uhr eine Abflussmenge von 2459 Kubikmetern pro Sekunde auf – Höchstwert in diesem Jahr.

Warnung und Entwarnung

Im Naturgefahrenbulletin des Bundesamtes für Umwelt schlug sich der anhaltende Niederschlag gestern ebenfalls nieder: Um 11 Uhr wurde für die Hochrhein-Region die Gefahrenstufe 3 ausgerufen. Dies bedeutet, dass an exponierten Stellen «lokale Ausuferungen und Überflutungen» auftreten können. Die Warnung ist bis heute Samstagabend gültig. Hermann Kunz, Projektleiter bei der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer, beschwichtigt allerdings. «Die Lage im Fricktal ist nicht dramatisch», so Kunz. Bei Spaziergängen direkt am Ufer von Gewässern sei aber dennoch bereits Vorsicht geboten. Bei heftigen Regenfällen in den kommenden Tagen könne sich «die Situation örtlich verschärfen», so Kunz weiter. Genaue Prognosen seien aber schwierig, da die Intensität der Regenfälle sehr unterschiedlich sei.

Die Berechnungsmodelle des Bundesamtes für Umwelt weisen darauf hin, dass sich die Situation im Fricktal in den kommenden Tagen eher wieder entspannt. Die Abflussmenge des Rheins in Rheinfelden sinkt den Berechnungen zufolge.

Natur ist im Fahrplan

Die Wetterprognosen dagegen sehen für die kommenden Tage weiterhin Regenfälle vor. Führt das zu Problemen in der Landwirtschaft? Hansueli Dierauer, Experte für Ackerbau beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick, weiss von ein paar wenigen Äckern, die derzeit unter Wasser stehen. Dies sei allerdings «nichts Dramatisches». Grundsätzlich sei das Wetter bisher in diesem Jahr gut für die Kulturen gewesen. «Das Getreide hatte einen guten Start und derzeit fast zu viele Nährstoffe», so Dierauer. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Entwicklung der Pflanzen etwa zwei Wochen im Rückstand. «Letztes Jahr war allerdings sehr früh, somit haben wir dieses Jahr eher ein normales Jahr», führt Dierauer aus. Ein Problem bringt der Dauerregen aber laut Dierauer mit sich: Bei Äckern, die gedüngt werden, wurde der Dünger wieder aus dem Boden gewaschen.

Für Obstbäume und Reben seien die derzeitigen Niederschläge ebenfalls «nicht tragisch», erklärt FiBL-Expertin Beatrice Steinemann. Die Gefahr von Pilzbefall sei durch die tiefen Temperaturen gering. Die Schäden an Reben und Kirschbäumen seien aber ohnehin schon hoch. Die Frostnächte Ende April hätten den Pflanzen arg zugesetzt, so Steinemann. Bei den Fricktaler Reben geht sie von einer Ausfallquote von 20 bis 50 Prozent aus, bei den nicht gedeckten Kirschbäumen gar von bis zu 80 Prozent. Weiterer Bericht Seite 44