Fischingertal

Primarschule im Oberstufenzentrum: Aus pädagogischer Sicht wäre ein Standort besser

Am 9. Februar wird über den Verkauf des OSZF abgestimmt.

Am 9. Februar wird über den Verkauf des OSZF abgestimmt.

Der Primarschulverband bestätigt in einem Elternbrief, dass in Mumpf. Obermumpf und Schupfart Stufenschulhäuser eingerichtet werden sollen.

Im Abstimmungskampf um den Verkauf des ehemaligen Oberstufenzentrums in Mumpf für 9,3 Millionen Franken an die Stiftung MBF schenken sich die beiden Seiten nichts. Während die Befürworter eines Verkaufs sagen, es sei die beste Lösung für alle, ja: eine einmalige Win-win-situation, argumentieren die Gegner, dass der Verkauf genau das Gegenteil sei – eine verpasste Chance für die Zukunft.

Sie möchten im Schulhaus lieber die gesamte Primarschule des Primarschulverbandes Fischingertal (PSVF) unterbringen. Dem Verband gehören die Gemeinden Mumpf, Obermumpf und Schupfart an. Diese unterrichten die Primarschüler derzeit im eigenen Dorf, arbeiten aber dörferübergreifend zusammen und tauschen auch Schüler aus.

Die Idee, alle Schüler nach Mumpf zu schicken, ist nicht neu und wurde auch unter den Gemeinden diskutiert. Insbesondere die Gemeinderäte von Obermumpf und Schupfart halten jedoch wenig davon; sie wollen die Primarschule – zumindest partiell– im Dorf behalten. Sie argumentieren neben dem Standortvorteil auch damit, dass sie ihre Schulhäuser laufend unterhalten haben. In Mumpf dagegen besteht beim Primarschulhaus dringender Sanierungsbedarf.

Obermumpf und Schupfart stehen denn auch nach wie vor hinter dem Verkauf an die Stiftung MBF – ebenso die Gemeinde Wallbach, die am Oberstufenzentrum beteiligt ist, nicht aber im Primarschulverband; die Gemeinde möchte ihr investiertes Geld zurück – oder besser: einen Teil davon, denn das Oberstufenschulhaus kostete beim Bau vor 15 Jahren 16,4 Millionen Franken.

Gemeinderat Mumpf unterstützt das Referendum

Der Gemeinderat Mumpf dagegen hat eine Kehrtwendung vollzogen. Er unterstützt jetzt das Referendum – das Behördenreferendum selber hatte er nicht ergriffen – und hofft darauf, dass der Verkauf abgelehnt und im Gebäude doch noch die gemeinsame Primarschule untergebracht wird. Support bekommt er von vielen Mumpfer Eltern.

Die Kehrtwendung kommt in den anderen Gemeinden, wenig verwunderlich, nicht gut an. In einem Leserbrief bezeichnet etwa Peter Gürtler, alt Gemeindeammann von Obermumpf, das Vorgehen des Mumpfer Gemeinderates als «ungeheuerlich».

Geschwiegen haben bislang Schulpflege und Schulleitung des PSVF – mit Verweis auf die Aufgabenteilung zwischen Gemeinden und Schulführung. Das hat sich nun geändert. In einem Elternbrief nehmen sie nun erstmals ausführlich Stellung. Die während des Abstimmungskampfes gemachten Aussagen in Bezug auf die Planung zur zukünftigen Schulform des PSVF «veranlassen uns, einige Argumente richtigzustellen und die für den PSVF ausgearbeitete Strategie öffentlich zu kommunizieren, auch wenn die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind», heisst es in dem Brief.

Schulleitung und Schulpflege machen dabei keinen Hehl daraus, dass sie die Lösung, gegen die sich insbesondere Schupfart und Obermumpf wehren und für die sich das Referendumskomitee starkmacht, aus pädagogischer Sicht als beste Lösung ansehen würden: Die Beschulung an einem einzigen Schulstandort mit Einjahresklassen.

«Mit dieser Beschulungsvariante könnten die zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal eingesetzt werden und es könnte sowohl in pädagogischer, qualitativer und organisatorischer Hinsicht profitiert werden», heisst es im Brief. Viele Eltern hätten eine bessere Planbarkeit gewünscht, die mit dieser Variante ebenfalls gegeben wäre. Auch die Bevölkerungsumfrage habe gezeigt, dass grundsätzlich eine Reduktion der Schulstandorte denkbar wäre.

Nur eben: Nach mehreren Gesprächen mit dem Schulvorstand und den Gemeinderäten der Verbandsgemeinden «musste diese Variante verworfen werden». Jede Gemeinde beharre auf dem Erhalt des Schulhauses im Dorf, heisst es weiter.

Eine Zentralisierung der Kindergärten wurde von Anfang an als nicht praktikabel erachtet, weshalb dies in den weiteren Überlegungen nicht berücksichtigt wurde. «Auch eine alternative Zwei-Standort-Lösung ist mit den von den Gemeinden umzusetzenden Vorgaben nicht denkbar», schreiben Schulpflege und Schulleitung. Die Schulführung hat deshalb «unter den gegebenen Vorgaben» ein Konzept erarbeitet, das den Kindern und der pädagogischen Sichtweise «möglichst gerecht werden soll».

Der Vorschlag, der in den Gemeinden bereits seit Wochen kolportiert wird, sieht vor, dass die Kindergärten in den drei Verbandsgemeinden verbleiben. Die erste und zweite Klasse sollen als Stufenschulhaus in Obermumpf unterrichtet werden, die dritte und vierte in Schupfart und die fünfte und sechste in Mumpf. Die Gemeinderäte haben diesen Vorschlag «unter Vorbehalt akzeptiert», heisst es im Schreiben.

Jahrgangsklassen, um Ressourcen gut zu nutzen

Die Klassen sollen dabei als Jahrgangsklassen geführt werden, um das Stundenkontingent, das im Rahmen der neuen Ressourcierung Volksschule zur Verfügung gestellt wird, «möglichst gut nutzen zu können», heisst es im Schreiben.

Der Verband warnt gleichzeitig, dass eine lückenlose Umsetzung des Konzeptes in den kommenden Jahren nicht möglich sein werde, da der zu Verfügung gestellte Schulraum in einzelnen Gemeinden nicht ausreichend ist. «Für die Beschulung der 3./4. Klasse ist spätestens ab Schuljahr 2023/24 nicht mehr genügend Schulraum vorhanden», heisst es im Brief.

Einzelne Klassen müssten dann in ein Nachbardorf verschoben werden. «Dieser Bruch in der Kontinuität ist aus Sicht der Schulführung schwierig und bedarf weiterer Abklärungen.» Bereits bestätigt sei «infolge nicht passenden und fehlenden Schulraums» die Zentralisierung gewisser Fachlektionen auf zwei Standorte.

Der Verband weist zudem darauf hin, dass in allen drei Schulhäusern Renovationen und Investitionen notwendig seien. Dies betreffe auch die IT-Infrastruktur und die Bereitstellung von geeignetem Schulraum für Fachunterricht.

Noch sind die Diskussionen zwischen Schulführung und Gemeinden/Schulvorstand zur Schulraumplanung nicht abgeschlossen und die Umsetzungsarbeiten können deshalb noch nicht definitiv gestartet werden. «Es muss im Moment davon ausgegangen werden, dass das neue Konzept aus zeitlichen Gründen erst auf das Schuljahr 2021/22 umgesetzt werden kann», halten Schulleitung und Schulpflege fest.

Am Schluss des Briefes betont die Schulführung, dass sie überzeugt sei, «dass eine qualitativ hochstehende Schule im Fischingertal auch mit einer Drei-Standort-Strategie möglich ist», doppelt dann aber nochmals nach und schreibt, dass «aus pädagogischer Sicht die Beschulung in Einjahrgangsklassen an einem Standort Vorteile bringen würde».

Schulpflege und Schulleitung wissen aber auch: Primarschule und Kindergarten im eigenen Dorf zu haben, «ist ein unbestrittener Vorteil». Zudem dürften die Kinder die Hälfte der Kindergarten- und Primarschulzeit im eigenen Dorf verbringen.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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