Kolumne

Radikalinski Hürzeler

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) wird nach seinem Plakatverbot scharf kritisiert.

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) wird nach seinem Plakatverbot scharf kritisiert.

Christoph Grenacher über aktive und letztlich instrumentalisierte Mittelschüler.

Der Kanton muss sparen. In den Kantonsschulen wird beispielsweise der Musikunterricht kostenpflichtig, dazu gibts weniger Sport. Und in der Sekundar- und Realschule künftig grössere Klassen und kein Berufswahljahr mehr – ist ja auch nicht so wichtig, der Job nach der Schule! Und die 11,95 Millionen für Deutsch als Zweitsprache, die in den nächsten vier Jahren gespart werden: Sollen doch die Migrantenkinder nichtsahnend die Lehrpersonen anstarren – zu Hause, so wohl die Politratio, daheim reden die Gofen wenn überhaupt ja alles, bloss nicht Deutsch: Türkisch, Serbokroatisch, Arabisch oder Walliserdytsch. Warum also sollen wir ihnen etwas beibringen, was Vater und Mutter nicht schätzen?

 Die 32 Millionen, die der Kanton mit Unterrichtsabbau einsparen will, sind 32 000 000 Fränkli, die uns teuer zu stehen kommen: Haben wir denn Ölfelder oder sitzen wir auf Goldminen? Oder haben wir nicht einfach unseren einzigen Trumpf, der das Land, den Kanton, das Fricktal stark machte und konkurrenzfähig hält? Unser Rohstoff ist der gut ausgebildete Nachwuchs, ob beim Gewerbe, der Industrie oder in akademischen Zirkeln. Wer darum bei Bildung und Ausbildung spart, betreibt gesellschaftliche Demontage.

Damit wir uns trotzdem richtig verstehen: Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass alles und jedes von Vater Staat zur Verfügung gestellt und/oder berappt werden muss. In Zeiten knapper Ressourcen sind fein austarierte Modelle für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt zwingend – aber nicht der grosse Sparhammer auf unsere wehrlosen Kleinsten und Schwächsten: Die Kinder, die uns einst den Wohlstand von morgen sichern sollen.

Dass die national ausgebrachte Sparkeule auch den direktbetroffenen Aargauer KantischülerInnen wehtut, ist offenkundig. Und dass sie sich auch wehren, ist nachvollziehbar. Dass sie alle Rektoren der sechs Kantonsschulen vorab über ihre Aktion informierten, ist löblich. Mit sechs Plakaten wollten die Schülerorganisationen vergangenen Montag in den Kantonsschulen auf den geplanten Bildungsabbau hinweisen.

Doch was tut der zuständige Regierungsrat Alex Hürzeler? Er verbietet zuerst ohne Begründung die Aktion. Und lässt später ausrichten: «Gemäss Schulgesetz sind die Schulen im Aargau politisch und konfessionell neutral. Das BKS vertritt deshalb die Auffassung, dass politische Aktionen ausserhalb des Schulareals stattzufinden haben.»

Die Schüler fügten sich dem Bannstrahl. Dafür hat sich nun die Wahlsiegerpartei SP kurzerhand der Idee bemächtigt und damit die Schüler, die Rektoren und die Kantonsschulen zu ihrer eigenen Profilierung billig und aufs Gröbste instrumentalisiert.

Und der Bildungsdirektor ist gleich zweifacher Sieger: Er hat die Aktion auch ohne Vollzug in aller Munde gebracht. Und die Plakate hängen breit gestreut.

Ein richtiger Radikalinski, dieser Hürzeler!

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