Fricktal

Recycling-Sack sorgt für Unmut: Unternehmen sammelt ohne Bewilligung Abfall

Wer Altstoffe sammeln will, braucht eine Bewilligung. (Symbolbild)

Mit dem Multi-Bag gibt es ein neues Recycling-Abo im Fricktal – doch die Gemeinden haben gar keine Bewilligung erteilt.

Die NTPK AG macht derzeit Werbung: Mit Flyern wirbt sie für ihren Multi-Bag, ein Recycling-Abo. Die Flyer-Aktion laufe im Aargau und der Innerschweiz, so Geschäftsführer David Gloor. Im Multi-Bag können etwa Glas, PET, Papier, aber auch Leuchtmittel und Batterien gesammelt werden. Die Säcke werden vom Unternehmen abgeholt, die Wertstoffe von Hand sortiert und danach rezykliert, wie Gloor sagt.

Im unteren Fricktal sorgen die Flyer-Aktion und das Multi-Bag-Angebot für Unmut. Die Gemeinde Magden schreibt in einer Mitteilung, dass die Berechtigung zum Sammeln des Abfalls ausschliesslich beim Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) liege, und bittet die Bevölkerung, ihren Abfall nur via GAF zu entsorgen.

Die Gemeinde Magden habe der Firma NTPK AG keine Bewilligung für das Einsammeln der Multi-Bags erteilt. Bei anderen Gemeinden klingt es ähnlich. «Eine solche Bewilligung wäre jedoch nötig», betont der Magdener Gemeindeschreiber Rolf Dunkel. Von Gesetzes wegen liege das Entsorgungsmonopol über die Siedlungsabfälle bei den Gemeinden. Und unter Siedlungsabfälle fielen auch Wertstoffe.

Kanton hat Unternehmen auf Rechtslage hingewiesen

Der GAF habe bereits vor einiger Zeit – damals hiess das Angebot noch Pinkbag – Kontakt mit dem Kanton aufgenommen, so Dunkel. Dies bestätigt David Schönbächler, Teamleiter Abfallwirtschaft beim Kanton. «Wir haben das Unternehmen dann über die Rechtslage informiert», sagt er. Auch Schönbächler betont das Monopol der Gemeinden. Diese müsste «einer privaten Organisation die Zustimmung erteilen, damit diese Siedlungsabfälle annehmen und entsorgen darf».

Wie GAF-Präsidentin Gisela Taufer sagt, hat sich auch der Verband schon direkt an die NTPK AG gewendet. Nach der aktuellen Flyer-Aktion werde der Vorstand nun diskutieren, wie man sich wehren wolle. Handeln müssten letztlich jedoch die Gemeinden, sagt Schönbächler.

Gelassen gibt sich dagegen David Gloor. «Wir befinden uns in einer rechtlichen Grauzone», gibt er zu und verweist darauf, dass man Wertstoffe und nicht Abfälle sammle. In Zürich habe es vor sieben Jahren ähnliche Diskussionen gegeben. Heute sei der Multi-Bag anerkannt. «Unser Angebot ist ein Bedürfnis», sagt er. Im Bezirk Rheinfelden habe man bereits 57 Abonnenten, im Bezirk Laufenburg gar 63.

Zudem habe der Multi-Bag auch einen ökologischen Nutzen. Es sei sinnvoller, dass ein Fahrzeug auf einer Tour viele Kunden bediene, als dass jeder Haushalt einzeln zu einer Entsorgungsstelle fahre. Er hofft, dies bald auch wissenschaftlich zeigen zu können. «Die Fachhochschule Nordwestschweiz macht eine Studie, in der sie an verschiedenen Orten unser System mit den bisherigen Entsorgungsstellen vergleicht.»

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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