Es war ein Hammerschlag: Die Renus Bau Group AG, die 2013 aus der traditionsreichen Wallbacher Firma Kaufmann Holz + Bau AG hervorgegangen war, meldete in der letzten Woche Insolvenz an. 40 Mitarbeiter verloren durch den Konkurs ihren Job. Inzwischen konnte Geschäftsführer Patrick Hirzel für die Lehrlinge Lösungen finden und auch etliche Mitarbeitende haben bereits ein Jobangebot.

Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl zurück, schrieb doch Hirzel in der Medienmitteilung zur Insolvenz: «Der Preis- und Verdrängungskampf sowie die Zahlungsmoral in der Baubranche sind extrem. Unvorhersehbare Risiken sowie der Margenzerfall haben zu dieser ausweglosen Situation geführt.»

Wie schwierig ist die Branche? Ein Augenschein bei der Häseli Holzbaulösungen AG in Zeihen. Sie ist im gleichen Segment tätig wie es die Renus Bau AG war. Hinter der Werkhalle sind vier Mitarbeiter dabei, eine zweite Halle in die Höhe zu ziehen. «Wir brauchen mehr Platz», sagt Geschäftsführer und Firmengründer Thomas Häseli.

Häseli bestätigt, dass der Margendruck hoch ist. «Aber das ist er in der ganzen Baubranche.» Im Holzbau sei die Situation eher noch besser, da es sich hier um einen boomenden Bereich handle. Häseli jedenfalls kann sich nicht über zu wenig Aufträge beklagen. «Die Auftragsbücher sind voll.» Zum Teil sei der Margendruck zudem selbst verschuldet, weiss Häseli.

Nische gefunden

Wer sich erfolgreich am Markt positionieren wolle, müsse etwas anbieten, was die Konkurrenz nicht habe. «Wir fanden für uns diese Nische im Elementbau», sagt der 56-Jährige. Genauer: Häseli fand sie bei Haussanierungen mit Aufstockungen und Einbauten von Holzbauelementen. Heute gehört seine Firma zu den führenden Unternehmen in diesem Segment.

Mit dem Erfolg wuchs auch das Unternehmen. Was Häseli 1988 in Densbüren als Zwei-Mann-Betrieb initiiert hatte, ist heute ein KMU, das 16 Mitarbeitende und 4 Lehrlinge beschäftigt. Darauf ist Häseli stolz. «Es ist mir wichtig, guten Nachwuchs auszubilden.» Diesen brauche der Markt auch. «Wer gut ist, hat einen Job auf sicher.» Es gebe eher zu wenige Holzbauer, weiss Häseli.

Mit dem Erfolg wurde aber auch der alte Standort bald einmal zu klein. 2013 errichtete Häseli deshalb in Zeihen sein neues Firmendomizil. «Die Zahl der Mitarbeitenden stieg hier dann schnell von 12 auf 20 an», blickt er zurück.

Weiter zu wachsen, ist nicht das primäre Ziel – auch nicht von Severin Häseli, seinem 32-jährigen Sohn, der heute Leiter Technik ist und das Unternehmen dereinst übernehmen wird. «Wir wollen unsere Position im Elementbau weiter festigen», umreisst er die Zielsetzung.

Severin Häseli ist, wie sein Vater, überzeugt, dass der Elementbau im Hausbau weiter Marktanteile zulegen wird. «Die Technik hat grossen Fortschritt gemacht und inzwischen ist auch das Akustikproblem gelöst», sagt Severin Häseli. Dank einem Holz-Beton-Verbundsystem erziele man heute gleich gute Werte wie die klassische Bauweise.

Zudem sei Bauen in Holz nachhaltig und man sei deutlich weniger vom Wetter abhängig. «Wir produzieren alles in den Hallen vor und brauchen einzig ein Wetterfenster von knapp einer Woche, um die Elemente zu stellen.» Selbst die Dachstühle produziert Häseli nur noch im Elementbau.

Beruf hat sich stark verändert

Der technische Fortschritt sei enorm, sagt Severin Häseli und sein Vater ergänzt: «Ich mache heute nicht mehr den gleichen Job, den ich vor 40 Jahren gelernt habe.» Der Beruf sei heute «auch technisch hoch anspruchsvoll».

Mit der technologischen Entwicklung mitzugehen, sei zentral für den Erfolg, sind beide überzeugt. Und: «Man muss innovativ sein. Wer 08/15-Lösungen anbietet, hat auf dem Markt kaum Chancen.»

Mit der zweiten Halle macht Häseli einen solchen «Schritt in die Zukunft.» Denn damit kann er künftig selber Platten von 20 auf 4 Meter zuschneiden. Elementportal mit Zuschnitt, heisst das Zauberwort. Die neue Maschine ermöglicht ihm einerseits einen Arbeitsschritt, den er bislang auswärts geben musste, nach Hause zu holen. Zum anderen «können wir uns ein zweites Standbein aufbauen, indem wir Platten für andere Firmen zuschneiden».

Für Häseli ist es eine grosse Investition. «Sie lohnt sich», ist er überzeugt. «Denn es ist eine Investition in die Zukunft.»