Rheinfelden
Bezirksrichter enerviert sich über Standaktion von Scientology

Michael Derrer stösst das aktive Werben von Scientology in der Altstadt sauer auf. Er fordert die Verwaltung auf, keine Bewilligung mehr für die Organisation zu erteilen. Auch die Stadt zeigt sich wenig erfreut über die Präsenz von Scientology. Allerdings sind ihr die Hände gebunden.

Dennis Kalt
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Vergangenes Wochenende war Scientology mit einem Stand in der Rheinfelder Altstadt präsent.

Vergangenes Wochenende war Scientology mit einem Stand in der Rheinfelder Altstadt präsent.

Bild: zvg (27. März 2021)

Das Werben von Scientology stösst Michael Derrer sauer auf. In einem Leserbrief enerviert sich der Bezirksrichter und Unternehmer über Scientology-Vertreter, die sich «vor unserem Haus am Eingang zur Altstadt tummeln, die Passanten aktiv angehen und ihre Broschüren verteilen».

Es falle ihm schwer nachzuvollziehen, warum die Stadt dieser Organisation die Bewilligung für einen Stand auf öffentlichem Grund erteilt.

Mitstudentin berichtet über Vereinnahmung der Eltern

Derrer beschreibt in seinem Brief ein Gespräch mit seiner ehemaligen Mitstudentin. Diese habe ihm geschildert, wie ihre Eltern Scientology beitraten und über die Jahre zusehends von deren Ideen vereinnahmt wurden. Die ehemalige Mitstudentin habe dabei die Wörter «Gehirnwäsche» und «Abhängigkeit» verwendet, so Derrer, denn seither sei es ihr nicht mehr möglich gewesen, mit den Eltern ein normales Gespräch zu führen.

Derrer schreibt:

Michael Derrer, Bezirksrichter und Unternehmer aus Rheinfelden.

Michael Derrer, Bezirksrichter und Unternehmer aus Rheinfelden.

Bild: Dennis Kalt (1. Februar 2019)
«Die vielbegangene Verbindung zwischen Altstadt und Stadtpark darf kein Ort für Beeinflussung und Verführung sein.»

Er fordert die Stadtverwaltung daher auf, der Scientology die Bewilligung, «auf öffentlichem Grund Passanten anzugehen», nicht mehr zu erteilen.

Doch, wie Stadtschreiber Roger Erdin sagt, liessen sich aufgrund der in der Schweiz geltenden Grundrechte die Standaktionen nicht verbieten. Erdin:

«Die Organisation hat ein Anrecht auf eine Bewilligung, soweit keine sicherheits- oder verkehrspolizeilichen Gründe dagegensprechen.»

Die Stadt verbinde die Bewilligungen jedoch mit Auflagen. So müssen der Stand und die Mitarbeitenden deutlich als Mitglieder der Scientology-Kirche gekennzeichnet sein.

Erdin macht keinen Hehl daraus, was die Stadt von den Standaktionen hält:

«In der Öffentlichkeit sind Charakter und Methoden der Organisation umstritten. Wir sind daher wenig erfreut über die Präsenz in der Innenstadt.»