Region Frick

Sammelstelle für 15 Gemeinden: Der letzte Gang der Tiere führt zum Werkhof

Georg Schmid wiegt jedes Tier und trägt sein Gewicht in die Liste der jeweiligen Gemeinde ein. Einmal pro Jahr wird abgerechnet.

Georg Schmid wiegt jedes Tier und trägt sein Gewicht in die Liste der jeweiligen Gemeinde ein. Einmal pro Jahr wird abgerechnet.

Frick sammelt die Kadaver für 15 Gemeinden ein – pro Jahr kommen 78 Tonnen zusammen.

Es ist nicht jedermanns Sache. Als Gregor Schmid, Leiter des Fricker Bauamtes, die schwere Metalltüre zur Kadaversammelstelle öffnet, kommt einem ein Schwall warmer Luft entgegen, eine Mischung aus Verwesungsgeruch und künstlichem Duft. «Wir haben einen Raumbedufter aufgestellt», erklärt Schmid. «Das tempiert den Geruch ab.» Schmid selbst macht der Geruch nichts aus. «Ich kann aber gut verstehen, wenn jemand Mühe damit hat.»

Hinter der Türe stehen vier Metallcontainer, aus einem ragen die Hinterläufe eines toten Kalbes. Hier, in diesem wenige Quadratmeter grossen Raum beim Werkhof, landen die Kadaver der Haus- und Nutztiere aus der ganzen Region. Frick betreibt die Kadaversammelstelle für 15 Gemeinden im Fricktal. «Es kommen immer wieder neue hinzu», erklärt Schmid. Denn der Unterhalt einer Kadaversammelstelle ist mit Aufwand und Kosten verbunden, die sich für eine kleine Gemeinde kaum lohnen. Deshalb entscheiden sich viele Gemeinden, beispielsweise wenn ihre Kühlanlage aussteigt, sich einer regionalen Sammelstelle anzuschliessen.

Entsprechend viel Betrieb herrscht in Frick. Pro Woche werden im Schnitt 1,5 Tonnen tote Tiere abgegeben; im letzten Jahr holte die beauftragte Entsorgungsfirma 77,9 Tonnen Kadaver ab. Wie viele Tiere das sind, kann Schmid nicht sagen. «Die Tiere werden gewogen und per Gewicht abgerechnet.» Die Listen werden pro Gemeinde geführt, und einmal pro Jahr wird ihnen Rechnung gestellt.

Vom Hamster bis zum Kalb

Ob diese die Kosten den Tierbesitzern – deren Namen werden von Schmid und seinen drei Mitarbeitern notiert – weiterverrechnen oder nicht, ist ihnen überlassen. Schmid plädiert für eine Nicht-Verrechnung. Das widerspreche zwar dem Verursacherprinzip, «trägt aber dazu bei, dass Tiere nicht illegal entsorgt werden».

Abgegeben werden kann in der Sammelstelle vom Hamster bis zum Kalb alles; die Sammelstelle steht Haustier- und Nutztierhaltern offen. Obere Gewichtslimite sind 200 Kilo, eine untere gibt es nicht. Gerade bei Haustieren übernehmen oft Tierärzte den Gang zur Kadaversammelstelle für die Tierhalter.

Hamster und Meerschweinchen allerdings «haben wir eher selten». Wie das, sind sie doch als Haustiere gerade bei Kindern sehr beliebt? Die negative Erklärung: Die kleinen Gesellen werden im Kehricht oder im Wald entsorgt; beides ist verboten. Die positive Erklärung: Sie werden im Garten vergraben. Denn dies ist in der Schweiz bis zu einem Lebendgewicht von 10 Kilogramm erlaubt. Voraussetzung: Der Garten muss einem selber gehören und das tote Tier muss mindestens 1,2 Meter unter den Boden.

Schmid schätzt den Anteil der angelieferten Nutztiere auf 60 bis 70 Prozent. «Wir haben in der Region einige grössere Mastbetriebe und da gehört ein Ausfall leider dazu.» Einige der Grossbetriebe haben selber einen Schlüssel zur Sammelstelle und tragen das Gewicht der angelieferten Tiere selber ein. Bei Haustierbesitzern nimmt Schmid oder einer seiner Kollegen das Tier entgegen, wiegt es und bringt es in den Kadaverraum. «In den Raum muss niemand», erklärt er. «Aber jeder darf sein Tier natürlich hineinbringen.»

Zweimal pro Tag geöffnet

Zweimal am Tag hat die Sammelstelle von Montag bis Freitag eine Viertelstunde lang geöffnet. «Falls jemand in diesen Zeitfenstern nicht kann, findet sich immer eine Lösung», so Schmid. Wichtig sei, dass man telefoniere und das tote Tier nicht einfach vor die Tür lege. «Das kommt zum Glück selten vor. Die Disziplin ist hoch.» Sicher auch, weil der Mensch meist einen engen Bezug zu seinem Haustier hatte. «Wir versuchen, einfühlsam zu sein und auf die Wünsche einzugehen», erklärt Schmid. Eine grosse Portion Empathie braucht es von ihm und seinen Mannen insbesondere, wenn ein Hund oder eine Katze überfahren wurde und von einem Fremden abgegeben wird.

Dann stellt Schmid mit dem Chiplesegerät fest, wem der Hund oder die Katze (falls sie gechippt ist) gehört, und ruft den Besitzer an. «Eine nicht so schöne Aufgabe.» Die meisten reagieren – verständlicherweise – geschockt auf den Anruf, sind dann aber dankbar, dass sie wissen, was mit ihrem (vermissten) Tier geschehen ist. «Einige holen das tote Tier dann auch bei uns ab», so Schmid. Denn inzwischen lassen nicht wenige ihr Tier kremieren oder auf einem Tierfriedhof beisetzen.

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