Kaiseraugst
«Schwer nachvollziehbare ‹Zwängerei›» – SP meldet sich mit einem offenen Brief an die Migros

Partei fordert die Migros auf, einen anderen Standort in Kaiseraugst zu suchen – oder nach der Sanierung ins Liebrüti-Zentrum zurückzukehren. Die AZ gab den Ball an die Migros weiter.

Thomas Wehrli
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Die nun geschlossene Migros Filiale in Kaiseraugst.

Die nun geschlossene Migros Filiale in Kaiseraugst.

Nadine Böni

«Ein M näher» möchte die Migros den Kaiseraugstern wieder sein. Nicht verwunderlich, denn Kaiseraugst gehört – auch dank des Pharma-Clusters – zu den prosperierenden Zentren im Fricktal. Nur eben: Die Suche nach einem neuen Standort erweist sich für den orangen Riesen als schwieriger als erhofft.

Nachdem die Migros ihre Filiale im Liebrüti-Zentrum im Mai 2020 aufgrund rückläufiger Umsätze und veralteter Infrastruktur geschlossen hatte, hoffte sie auf eine Umzonung des 3000 Meter grossen Areals an der Landstrasse, das sie vor einiger Zeit gekauft hatte und auf dem sie eine Filiale für rund zehn Millionen Franken errichten wollte. Die Lage wäre, aus Sicht der Migros, sicher mehr als ein M besser als jene in der Liebrüti.

Gelangte mit einem Gesuch um Umzonung an den Gemeinderat

Der Haken dabei: Das Areal, auf dem einst ein Pneuhaus stand, liegt heute in der Wohnzone. Das Pneuhaus hatte eine Besitzstandsgarantie; diese verfiel aber mit dem Rückbau der Gebäude.

Die Migros gelangte deshalb mit einem Gesuch um Umzonung an den Gemeinderat. Der Zeitpunkt dafür schien günstig, denn in Kaiseraugst wird die Bau- und Nutzungsordnung ohnehin revidiert.

Keine guten Nachrichten für die Migros

Von einer Umzonung aus der Wohn- in die Gewerbezone wollte aber die Gemeinde nichts wissen; das Umzonungsgesuch wurde abgelehnt, wie Gemeindepräsidentin Françoise Moser an der Gemeindeversammlung im August 2020 sagte. Ein Grund: Die verkehrstechnische Erschliessung des Areals, das sich im Spickel zweier Kantonsstrassen befindet, wäre für eine publikumswirksame Nutzung schwierig respektive «nicht gegeben».

Keine guten Nachrichten für die Migros, die sich damit auf die Suche nach einem neuen Standort machen muss, was kein einfaches Unterfangen werden dürfte. Zumindest die Gemeinde selber kann laut Gemeindeschreiber Rolf Dunkel «keinen Alternativstandort an geeigneter Lage» anbieten.

Migros hält an Baugesuch für Voi-Laden fest

Um bis zu einer definitiven Lösung zumindest mit einem kleinen Sortiment in Kaiseraugst präsent zu sein, reichte der Detaillist im letzten Jahr ein Baugesuch für ein Provisorium auf dem Areal an der Landstrasse ein. Hier möchte die Migros einen Voi eröffnen, also einen Kleinladen mit einem Migros-Sortiment.

Das Baugesuch lehnte der Gemeinderat jedoch ab, ohne es überhaupt öffentlich aufzulegen. Es könne «aus unserer Sicht von vornherein nicht bewilligt werden», sagte Dunkel Ende November zur AZ.

Migros sollte an den alten Standort zurückkehren

Damit wiederum war die Migros nicht einverstanden und verlangte die öffentliche Auflage des Baugesuchs. Gemäss der Bauverordnung kann ein Bauherr verlangen, dass das Verfahren ordentlich durchgeführt und publiziert wird. Das ordentliche Verfahren startete Anfang Jahr, die Auflagefrist läuft noch bis am 5. Februar.

Nun meldet sich die SP Kaiseraugst mit einem offenen Brief an die Migros und den Gemeinderat zu Wort. Man sei ebenfalls daran interessiert, dass die Bevölkerung weiterhin einen Migros-Laden habe, heisst es in dem von Präsidentin Marianne Grauwiler unterzeichneten Brief. Die SP empfiehlt der Migros, diesen im dereinst komplett sanierten Liebrüti-Zen­trum zu realisieren – also an den alten Standort zurückzukehren. Eine Wiederbelebung des Liebrüti-Zentrums hält die SP für wichtig.

SP stellt in offenen Brief Fragen an die Migros

Man verstehe nicht, weshalb die Migros das Liebrüti-Zentrum verlassen habe und stattdessen am Standort an der Landstrasse/­Giebenacherstrasse für den provisorischen Voi-Laden festhalte. Die SP spricht gar von einer «schwer nachvollziehbaren ‹Zwängerei›» – und stellt der Migros insgesamt fünf Fragen, etwa: «Hat das Ganze allenfalls damit zu tun, dass Land gekauft wurde, im Wissen, dass es Wohnzone ist, mit der Idee, sich letztlich durchzusetzen, um auf dem Gelände einen Verkaufsladen bauen zu können?»

Die AZ gab den Ball an die Migros weiter und stellte dem Detaillisten am Montag neun Fragen, unter anderem jene nach der «Zwängerei» und nach Alternativstandorten. Die Migros beantwortete den Fragekatalog der AZ mit einer summarischen Antwort: «Wir sind uns der Bedeutung des Ortes bewusst und streben ein ordentliches Baubewilligungsverfahren an, um unseren Kundinnen und Kunden in Kaiseraugst in einer vorerst provisorischen Lösung weiterhin Migros-Produkte anbieten zu können», schreibt Andrea Bauer, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Aare.

Ende November, als die Ablehnung des Voi-Baugesuchs respektive der Forderung nach dem öffentlichen Verfahren publik wurde, sagte Migros-Sprecherin Daniela Lüpold zur AZ: «Wir gehen davon aus, dass eine Verkaufsfläche mit der geringen Grösse des vorgesehenen Provisoriums nicht grundsätzlich zonenfremd ist. Zusätzlich handelt es sich um ein Provisorium, das zeitlich temporär genutzt wird, bis eine definitive Lösung gefunden wird.»

Die SP wirft ein, dass sogenannte Provisorien vielfach zu «Providurien» würden, die später kaum mehr wegzubringen seien und «plötzlich wieder einer Besitzstandsgarantie unterliegen». Die Partei bittet den Gemeinderat, das Baugesuch abzuweisen, da es nicht in die Wohnzone passe.

Bislang ist eine Einwendung eingegangen

Vorerst läuft noch die Auflagefrist. Laut Gemeindeschreiber Rolf Dunkel ist bislang eine Einwendung eingegangen. «Erfahrungsgemäss treffen Einwendungen erst am Ende der Auflagefrist ein.» Nach Ablauf der Frist werden die Einwendungen abgehandelt und das Baugesuch materiell geprüft.

Zudem wurde das Baugesuch dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt. Das Ergebnis liegt laut Dunkel noch nicht vor. Die Frage, ob die Gemeinde daran interessiert sei, dass die Migros im Dorf bleibe, beantwortet Dunkel diplomatisch: «In der Gemeinde hat es nach wie vor genügend Möglichkeiten, seine Einkäufe im Bereich Frischwaren zu tätigen. Die Gemeinde hätte einen Verbleib in der Liebrüti begrüsst. Dieser Entscheid liegt aber nicht in der Hand der Gemeinde.»

Gerade für die älteren Bewohner der Liebrüti wäre es sicher sinnvoll, so Dunkel, wenn weiterhin ein Lebensmittelanbieter mit Frischprodukten vor Ort wäre. Gegenwärtig sei dies mit dem Denner noch der Fall.

Fortsetzung folgt.