Hellikon
Seit 25 Jahren macht dieser Brenner selber Schnaps – obwohl er keinen Alkohol trinkt

André Abt betreibt seit vielen Jahren eine Lohnbrennerei in Hellikon – um die 60 Tonnen Obst brennt er dort jedes Jahr zu Schnaps. Seine eigenen Erzeugnisse trinkt er allerdings nicht.

Nadine Böni
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Die Arbeit am Kupferkessel fasziniert André Abt seit über 25 Jahren.

Die Arbeit am Kupferkessel fasziniert André Abt seit über 25 Jahren.

Nadine Böni

André Abt pumpt die dunkel­rote Zwetschgenmaische aus dem Fass in den Brennkessel, schliesst diesen und legt im Ofen darunter noch etwas Holz an. «Jetzt», sagt der Schnapsbrenner aus Hellikon, «ist etwas Geduld gefragt.» Geduld, bis die Masse die nötige Temperatur erreicht hat, der Alkohol verdampft und schliesslich am anderen Ende der Anlage – Abt spricht vom «Brenngeschirr» – als Hochprozentiger wiederum in einen Kessel läuft.

Der 74-Jährige brennt seit über 25 Jahren selber Schnaps, seit rund 15 Jahren hat er eine eidgenössische Konzession und betreibt im Anbau seines Hauses eine Lohnbrennerei. Mittlerweile bringen jedes Jahr gegen 100 Kundinnen und Kunden aus dem ganzen Aargau und dem Baselbiet Obst in seine Brennerei; schätzungsweise 60 Tonnen Obst verarbeitet er so jedes Jahr.

«Vor allem Kirschen, Zwetschgen, Birnen, Äpfel, Pflaumen und Quitten», sagt er. Ab und zu versucht er aber auch etwas Exotisches: Bananen etwa. Wobei: «Das mache ich nicht mehr, das hat zu stark geschäumt», sagt Abt mit einem Lachen. Wenn er Schnaps brennt, dann soll dieser auch gut werden.

Er schleckt maximal den Finger ab

Die Eigenbrände Abts sind mehrfach ausgezeichnet und schmecken Schnapsliebhabern weit über die Grenzen des Wegenstettertals hinaus. Viele Diplome an den Wänden seines Brennraums zeugen von den Erfolgen. Der Schnapsbrenner selbst aber trinkt keinen seiner Edelbrände – wie er überhaupt auf Alkohol, Tabak und Kaffee verzichtet. Abt zuckt mit den Schultern. «Ich bin da wohl etwas speziell», sagt er, wieder mit einem Lachen. «Diese Dinge sagen mir einfach nichts, und jetzt im Alter fange ich auch nicht mehr damit an.» Stattdessen trinkt er lieber einen Tee oder Süssmost. Mosten gehört ja schliesslich auch zu seinen vielen Hobbys.

Zum Probieren reiche ihm seine Nase, sagt Abt. Ab und zu hält er auch den Finger ins Destillat und schleckt ihn ab. «So habe ich eine ausreichende Qualitäts- und Geschmackskontrolle», sagt Abt.

Die beginnt für den Schnapsbrenner allerdings schon bei der Anlieferung der Früchte und der anschliessenden genauen Kontrolle der Maische. Da muss er manchmal klare Worte finden: «Wenn im Fass Essig ist, nehme ich das nicht an. Aus schlechter Ware wird schlicht kein guter Schnaps», sagt Abt. Er gibt seinen Kundinnen und Kunden aber auch gerne Tipps. Etwa, dass das Obst möglichst schnell im Fass landen sollte, um einen einheitlichen Gärungsprozess zu ermöglichen. Dass faule Früchte, Stiele oder Blätter zuvor aussortiert und die Fässer gründlich gereinigt werden müssen. Und dass Sauerstoff nicht mehr an die Maische gelangen sollte, weil diese sonst faul werden könnte. «Bei der Herstellung von Edelbränden ist Sorgfalt gefragt», sagt er.

Die Lektüre von vielen ­Büchern hat ihm geholfen

Sein umfassendes Wissen hat sich André Abt in Einmaisch- und Brennkursen, aber auch durch die Lektüre von vielen ­Büchern angeeignet. Seine Faszination für den Kupferkessel entdeckte er derweil bereits in jungen Jahren, als er in der damaligen Brauerei Salmen in Rheinfelden arbeitete. Über Jahre blieb er dort, wurde Flaschenmeister und leitete schliesslich die Abfüllerei – ohne jemals selbst ein Bier getrunken zu haben, natürlich.

Inzwischen kondensiert der Alkohol aus der Zwetschgenmaische und rinnt in einen Behälter. André Abt fängt zunächst den sogenannten Vorlauf ab, steckt dann das Alkoholmeter ins Destillat. Er hält den Kopf über den Kessel und atmet tief ein. «Ja, der wird gut.»