Die Zahlen liegen alle weit über dem Soll. Auf der Homepage von «Solarlog» kann die Stromproduktion von Photovoltaikanlagen verfolgt werden – heruntergebrochen auf die Stunde, den Tag oder das Jahr. Da wird wenig überraschend deutlich: Der Sommer 2015 beschert den Betreibern Rekordwerte.

Die Anlage auf der Mehrzweckhalle in Gipf-Oberfrick etwa hat den Jahres-Soll-Wert von rund 51 Megawattstunden bereits jetzt, Ende September, übertroffen. Die neue Anlage in Münchwilen hat in 168 Tagen knapp 36 Megawattstunden produziert – um das Jahres-Soll von 45 Megawattstunden zu erreichen, bleiben noch mehr als drei Monate. Und die Zahlen, welche die neue Anlage auf dem Werkhof in Zeiningen im Juli lieferte, haben auf dem Diagramm nicht einmal mehr Platz. Sie dürften irgendwo bei 13 Megawattstunden liegen. Die Werte aus dem Vorjahr können da nicht mithalten. Das bestätigen sämtliche angefragten Betreiber von Photovoltaikanlagen.

Argumente für die Zukunft

«Es war in der Tat ein guter Sommer», sagt Rolf Hügli, Gemeinderat in Münchwilen und als solcher zuständig für das Ressort Energie. «Mit den Stromzahlen sind wir zufrieden, mit dem Ertrag aber noch nicht», ergänzt er. Rund 2500 Franken habe die Gemeinde bislang erwirtschaftet. Wird die Anlage erst mal für die kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) des Bundes anerkannt, dürften die Erträge um ein Vielfaches steigen. Das wären dereinst gute Argumente, denn Hügli denkt bereits an die Zukunft: Bei der in einigen Jahren anstehenden Sanierung der Turnhalle könnte eine Photovoltaikanlage zum Thema werden. «Dann können wir hoffentlich gute Erfahrungswerte der Anlage auf dem Schulhaus vorweisen», so Hügli. 

Deutlich weiter in der Planung ist Gipf-Oberfrick. Die Gemeinde betreibt auf der Mehrzweckhalle und dem Werkhof bereits zwei Photovoltaikanlagen. Nun ist eine Dritte angedacht: auf der künftigen Halle des Reithandelstalls Mettauer im Gebiet Bluemet zwischen Gipf-Oberfrick und Wittnau. Die Halle verfügt über ein 1660 Quadratmeter grosses Dach mit südlicher Ausrichtung. «Die Idee ist, dieses zu nutzen», sagt Gemeinderat Jos Bovens.

Solar-Strompakete für Einwohner

Die Gemeinde allerdings will nicht als Betreiberin der Anlage auftreten. Vielmehr laufen mit der Energieversorgerin Elektra oberes Fricktal Verhandlungen. «Für die Finanzierung sollen Strompakete an die Endverbraucher – also die Bevölkerung – verkauft werden», erklärt Bovens. Die Käufer könnten von der Anlage Strom beziehen und hätten gleichzeitig keine Umtriebe für den Unterhalt, welcher die Elektra übernehmen würde.

Bei der Gemeinde rechnet man mit maximal 200 Strompaketen, die für die Finanzierung verkauft werden müssten. «Ein Paket deckt etwa den Bedarf eines Haushalts einer vierköpfigen Familie», sagt Bovens. Denkbar sei, dass die Gemeinde als Übergangslösung selber einige Pakete kauft. An der kommenden Gemeindeversammlung soll die Bevölkerung darüber abstimmen können.