Nein, auch dieser Frühling macht es den Störchen in der Region nicht leicht. Kaum schlüpften im April die ersten Jungen, schlug das Wetter um. Seither dominieren Regen und Kälte. «Das Gleiche ist auch schon in den letzten Jahren passiert», sagt Marcel Laederach, Leiter der Storchenstation Möhlin.

In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen kann das Wetter den jungen Vögeln zwar wenig anhaben. Sie finden unter dem Gefieder ihrer Eltern Schutz. Ab einer gewissen Grösse aber geht das nicht mehr. «Ist es dann immer noch nass und kalt, kriegen viele Vögel eine Lungenentzündung und sterben», sagt Laederach.

Immer mehr Horste

Die toten Jungtiere werden von den Eltern aus dem Horst bugsiert. Einen toten Jungstorch habe er dieses Jahr gefunden, sagt Laederach. Er geht davon aus, dass es noch mehr gab. Aber: Die heikelste Zeit ist nun wohl vorbei. «Die Wetterprognosen sind nicht schlecht. Die Jungtiere, die bis jetzt überlebt haben, sollten es schaffen», sagt Laederach. Er hat schon beobachtet, wie einige der jungen Vögel den Kopf über den Rand ihrer Horste streckten.

Sie könnten für einen starken Jahrgang sorgen. Denn so viele Horste wie dieses Jahr gab es noch nie. In Möhlin sind es 30; 14 in der Storchenstation, 16 in der Umgebung und im Dorf. Zum Vergleich: 2015 gab es in Möhlin erst insgesamt 21 Horste, 25 waren es 2016. Auch in Kaiseraugst ist die Zahl gestiegen, auf dieses Jahr acht Horste.

Ein Storchenpaar brütet zwischen drei und vier Eiern aus. So könnten in diesem Frühling in der Region über 60 Storchenküken schlüpfen. Das wäre gegenüber 2016 ein deutlicher Anstieg. Damals wurden in Kaiseraugst und Möhlin knapp 40 Jungvögel registriert.

Wie viele es dieses Jahr tatsächlich sind, wird sich in einigen Wochen zeigen, wenn der Nachwuchs beringt wird. Die Tendenz aber ist klar: Die Storchenpopulation in der Region steigt. «Das könnte in den nächsten Jahren dazu führen, dass die Störche sich weiter ausbreiten», sagt Urs Wullschleger, Storchenvater von Kaiseraugst. Einerseits, weil das Nahrungsangebot für die vielen Störche knapp werden könnte. Andererseits auch aus Mangel an geeigneten Nistplätzen.

Magden und Mumpf warten

Die Jungvögel ziehen im Spätsommer wie ihre Eltern in den Süden. Von dort kehren sie erst nach zwei oder drei Jahren zurück, wenn sie geschlechtsreif sind. Schon jetzt fänden nicht alle Störche in Kaiseraugst einen Horst, sagt Wullschleger. Das könne sich noch verschärfen, wenn die immer stärkeren Jahrgänge in einigen Jahren zurückkehren. «Die Störche werden bald gezwungen sein, sich neue Standorte zu suchen – auch in anderen Gemeinden.»

Freuen würde man sich darüber sicherlich in Magden und Mumpf. Dort sind bereits künstliche Horste errichtet und warten auf Bewohner. Dass die Störche solche Nester annehmen, hat sich in Kaiseraugst gezeigt. Dort stürzte einst im Winter ein Baum samt Nest in den Rhein. Als Ersatz baute der Natur- und Vogelschutz auf einem benachbarten Baum einen Horst, der im Frühling prompt bezogen wurde.