Die Baselbieter Regierung muss sparen und will, so sickerte letzten Freitag durch, dazu die Beiträge an die U-Abos des Tarifverbundes Nordwestschweiz (TNW) streichen. Sparpotenzial: 15 bis 25 Millionen Franken. Ob es so kommt, wird sich morgen Mittwoch weisen, wenn die Regierung ihre Sparvorschläge präsentiert.

Sparen beim U-Abo? War da nicht was? Richtig. Im letzten Herbst wartete die Aargauer Regierung mit dem gleichen Vorschlag auf – und löste im Fricktal, das an den TNW angeschlossen ist, einen Proteststurm sondergleichen aus. Herbert Lützelschwab sammelte innert weniger Wochen 6546 Unterschriften für die Beibehaltung des Kantonbeitrags von 900 000 Franken. Die 17 Fricktaler Grossräte lobbyierten in ihren Parteien für den «Sonderzug» – mit Erfolg: Im Grossen Rat fiel die Sparmassnahme mit 81 gegen 53 Stimmen durch.

Wenig Verständnis haben die Fricktaler denn auch dafür, dass sich die Diskussion nun im Baselbiet wiederholt, frei nach dem Film: «Und täglich grüsst der TNW-Fresser». Sein erster Gedanke sei gewesen: «Die spinnen», sagt SP-Grossrat Peter Koller frank und frei. Er könne nicht nachvollziehen, dass man das Erfolgsmodell TNW infrage stelle. Koller ist überzeugt: «Die Regierung erweist sich einen Bärendienst, wenn sie wirklich beim TNW sparen will.»

Für CVP-Grossrätin Regula Bachmann-Steiner ist klar: «Man würde am falschen Ort sparen. Denn die Beiträge wurden gerade dazu eingeführt, um die Pendler zum Umsteigen auf den öV zu bewegen.» SVP-Grossrat Daniel Vulliamy spricht von einem «völlig falschen Weg», denn der TNW sei «eine Erfolgsmaschine, die nicht mehr wegzudenken ist».

Gesucht: neuer Mister TNW-Petition

Und auch «Mister TNW-Petition», Herbert Lützelschwab, kann ob der Sparmeldung nur den Kopf schütteln. «Das wird enormen Widerstand geben», ist er überzeugt. Diesen brauche es auch, um die Regierung zur Vernunft zu bringen. «Politiker und Bevölkerung müssen auf die Barrikaden steigen», sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: «Vielleicht gibt es ja im Baselbiet auch einen Herbert Lützelschwab.» Koller rät den Baselbietern: «Unterschriften sammeln und so ein Zeichen setzen, dass man die Kürzung nicht goutiert». Dieses Signal aus der Bevölkerung muss für Grüne-Grossrat Andreas Fischer «umgehend kommen», falls sich die Sparmassnahme bewahrheitet.

Dass die Streichung der Subventionen im Baselbiet eine Chance hat, glauben die wenigsten. «Die Leute hängen sehr am U-Abo», sagt Fischer und auch Koller hat «nicht das Gefühl, dass das durchkommt». Nicht ganz so sicher ist sich Vulliamy. Im Fricktal und im Aargau verspürt er «mehr Pfupf», wenn es darum geht, sich für etwas zu wehren. GLP-Grossrat Roland Agustoni indes hofft, «dass die Baselbieter genau so weise sein werden, wie es der Aargauer Grosse Rat war.»

TNW gefährdet?

Sollte dem nicht so sein und das Baselbiet streicht die Subventionen, ist dies für Lützelschwab «ein absolut schlechtes Signal» an die anderen TNW-Kantone. Bei einem Ausstieg «müssen alle über die Bücher», glaubt auch Koller. Für Fischer stehen in diesem Fall mittel- bis langfristig Preiserhöhungen im Raum und Bachmann sieht im Worst Case gar den TNW gefährdet. Sie schüttelt den Kopf. «Es ist falsch und gefährlich, etwas, das so gut funktioniert infrage zu stellen.