Spieglein, Spieglein, ennet dem Berg: Wer bekommt die Schule?

Das Fricktal bekommt eine Kanti. Vier Gemeinden wollen sie. Denn sie ist nicht nur gut fürs Renommee, sondern auch fürs Portemonnaie.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen

Hurra, die Schule kommt. Nur: Wohin? Klar ist, dass der Kanton im Sommer 2028 im Fricktal eine Mittelschule eröffnen will. Das hat der Regierungsrat so vorgeschlagen, und dem hat der Grosse Rat im September 2019 im Grundsatz zugestimmt. Eine zweite zusätzliche Mittelschule wird im Raum Mittelland realisiert. Nötig werden die beiden neuen Schulen, da die Zahl der Kantischüler in den nächsten Jahren markant steigen wird.

Für die Mittelschule im Fricktal, die zwei Jahre vor jener im Mittelland in Betrieb gehen soll, laufen derzeit die Arbeiten zur Vorbereitung des Standortentscheids, wie Simone Strub, Pressesprecherin im Bildungsdepartement, auf Anfrage erklärt. Dazu gehören Machbarkeitsstudien, Kaufverhandlungen und Verhandlungen mit den Gemeinden. Die Arbeiten würden trotz Coronakrise weitergeführt, sagt Strub, «selbstverständlich unter Einhaltung der Massnahmen des Bundesrats zur Eindämmung der Verbreitung von COVID-19».

Bis im Sommer soll der Standortentscheid fallen. Vier Gemeinden mit insgesamt sechs Standorten sind noch im Rennen: Frick möchte die Mittelschule neben dem Oberstufenzentrum errichten, Möhlin und Rheinfelden zusammen beim Bahnhof Möhlin und Stein hat gleich vier Standorte ins Rennen geschickt.

Eine Mittelschule im Dorf ist gut fürs Portemonnaie

Für die Gemeinden geht es dabei um viel. Denn die Mittelschule im Dorf ist nicht nur gut fürs Renommee, sondern vor allem auch fürs Portemonnaie. Und dies gleich sechsfach: Erstens fallen beim Bau der Schule – es darf mit Baukosten von 60 bis 90 Millionen Franken gerechnet werden – Aufträge für das regionale Gewerbe ab. Zweitens kaufen die rund 800 Kantischüler und 100 Lehrkräfte beim lokalen Gewerbe ein. Dies bringt, drittens, den Betrieben höhere Umsätze und der Gemeinde zusätzliches Steuersubstrat. Viertens lockt eine Mittelschule im Dorf neue Einwohner an, denn das Schulangebot vor Ort ist ein zentrales Kriterium bei der Standortwahl. Damit steigt, fünftens, erneut das Steuersubstrat und mehr Einwohner wirken sich, sechstens, positiv auf das wirtschaftliche und kulturelle Angebot. Man kann auch sagen: Eine Mittelschule verleiht Wachstumsflügel.

Noch ist nichts entschieden. Die vier Gemeinden sind denn auch zuversichtlich, dass ihr Standort nach wie vor im Rennen ist – und er dieses Rennen gewinnen wird. Entsprechend legen sie sich für ihn ins Zeug. Frick etwa wirft in die Waagschale, dass der Standort unmittelbar beim Bahnhof liege, bereits einer Bauzone angehöre und schon erschlossen sei. «Die direkte Nachbarschaft zum bestehenden Schulareal ist ein grosser Vorteil mit immensem Synergiepotenzial und das Fricker Zentrum ist zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar», sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Rheinfelden und Möhlin sehen ebenfalls in der zentralen Lage unmittelbar beim Bahnhof Möhlin und der damit verbundenen guten Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr einen grossen Vorteil ihres Standortes. «Die unbebaute Fläche bietet zudem die Chance für eine massgeschneiderte Lösung», sagt der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin.

Vorentscheid im Sommer, Grossrat berät 2021

Stein schliesslich sieht seine Chance in der zentralen Lage im Fricktal und der «optimalen Anbindung an den öffentlichen Verkehr» sowie der vielfältigen Infrastruktur an Dienstleistungen – die günstigen Verpflegungsmöglichkeiten im deutschen Bad Säckingen inklusive.

Gemeindeschreiber Sascha Roth macht aber auch klar: «Wichtig ist, dass das Fricktal diesen Schulstandort erhält.»

Wer wirds? In rund drei Monaten wird man es wissen, dann fällt der Kanton den Vorentscheid, der dann 2021 durch den Grossen Rat bestätigt werden soll. Dann heisst es in einer – oder im Fall von Möhlin/Rheinfelden in zwei – Gemeinden: Hurra, die Schule kommt.