Rheinfelden

Stadt erlässt Allmendgebühren – Ladenbesitzer Claudio Meier: «Ich bin um jeden Rappen froh»

«Bei Regen sind Gassen nach wie vor leer.» Claudio Meier, Inhaber Geschenkboutique

«Bei Regen sind Gassen nach wie vor leer.» Claudio Meier, Inhaber Geschenkboutique

Rheinfelden unterstützt Ladenbesitzer und Gastronomiebetriebe. Die GLP fordert eine weitere Stärkung des Gewerbes. Ladenbesitzer Claudio Meier begrüsst, dass die Allmendgebühren erlässen werden.

Man hört Claudio Meier die Erleichterung an. «Am Wochen­ende lief das Geschäft sehr gut», freut sich der Inhaber der Geschenkboutique Cameleon in Rheinfelden. Auch sonst ist er «recht zufrieden», wie das Geschäft nach der Coronazwangspause angelaufen ist – zumindest bei schönem Wetter. «Bei Regen sind die Altstadtgassen nach wie vor leer», sagt Meier. Die Leute erlebt Meier als zurückhaltender als vor der Krise. «Viele tragen auch Masken.»

Froh ist der Kleinunternehmer auch um die Unterstützung der Stadt. Diese verzichtet in 2020 aufgrund der Coronakrise auf die Allmendgebühren beim Detailhandel und der Gastronomie. «Eine Super-Sache», findet Meier. Angesichts eines Einkommenslochs von rund zwei Monaten «bin ich um jeden Rappen froh». So gehe es auch anderen in der Altstadt, weiss Meier aus Gesprächen. Er hofft zudem auf ein Umdenken bei der Bevölkerung. «Rheinfelder sah ich bisher leider nur selten in meinem Laden. Es ist für uns Ladenbetreiber aber wichtig, dass auch die Einheimischen und nicht nur Touristen vor Ort einkaufen.»

Die Stadt ist den Ladenbesitzern und vor allem den Gastronomiebetrieben aber auch entgegengekommen, in dem die Betriebe temporär und kostenlos mehr Allmendfläche nutzen können, um die Coronaschutzmassnahmen umsetzen zu können. Auch das komme gut an, sagt Meier und Stadtschreiber Roger Erdin weiss aus Rückmeldungen von Geschäftsinhabern, dass diese «sehr erfreut und dankbar über diese Erleichterungen sind».

55 Prozent wollen Unterstützung durch Stadt

Nicht wenige Betriebe hoffen, dass ein Teil der Erleichterungen auch nach der Coronazeit erhalten bleiben. Dies trifft sich mit dem Stimmungsbild, das eine aktuelle Umfrage der GLP zeigt. 55 Prozent der Befragten wollen die Altstadt stärken und sprechen sich für eine aktive Unterstützung von Läden und Gewerbe durch die Stadt aus. An der Umfrage haben 366 Personen teilgenommen, quer durch alle Parteien und zu 97 Prozent aus Rheinfelden.

Das veranlasst die Partei zur Forderung, dass das Allmend­reglement überprüft werden müsse, «um mehr Aktivitäten in der Innenstadt zu ermöglichen», wie die Partei schreibt. Erhöhte Frequenzen sollten nach Ansicht der GLP auch abends in der Altstadt ermöglicht werden, «damit sie lebt». Dies ist heute, auch angesichts hoher Leerstände, nur bedingt der Fall.

Die Stadt verschliesst sich dem nicht; sie weiss, wie wichtig eine lebendige Altstadt für Rheinfelden ist. Zur Frage der AZ, ob sich die Stadt auch nach der Coronakrise eine liberalere Praxis beim Reglement über die Nutzung des öffentlichen Grundes, wie die Allmendverordnung eigentlich heisst, vorstellen kann, sagt Erdin: «Ob einzelne Betriebe auch in Zukunft mehr Fläche nutzen können, ist im Einzelfall zu beurteilen.»

Der Stadtschreiber verweist zugleich darauf, dass die Allmendverordnung bereits 2015 vollständig überarbeitet wurde und dies Verbesserungen und ­Erleichterungen für den Detailhandel und die Gastronomie gebracht habe. «Unter anderem ist die Boulevardgastronomie, das heisst das Wirten auf öffentlichem Grund, seither ganzjährig und in den Sommermonaten in der Nacht verlängert erlaubt.» Er ist überzeugt: «Das Reglement hat sich grundsätzlich bewährt.»

Zudem engagiere sich die Stadt seit Jahren «sehr intensiv und mit erheblichen Mitteln für eine lebendige und attraktive Altstadt», so Erdin. Er verweist weiter auf den Citymanager, der seit anfang Jahr tätig ist und der «langfristig eine Belebung der Altstadt» bringen soll. In den letzten Monaten war er stark mit der Coronakrise beschäftigt. Für eine erste Bilanz seines Wirkens sei es daher noch zu früh, so ­Erdin.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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