Packt Thomas Grunder dieser Tage sein Modellflugzeug zurück in den Kofferraum, weiss er nicht, ob er es jemals wieder auslädt, um damit zu fliegen. Der Präsident der Modellfluggruppe (MG) Fricktal schüttelt den Kopf, als er von der Ungewissheit erzählt, in der sein Verein lebt. Seit acht Jahren ist die MG Fricktal in einen Rechtsstreit verwickelt. Es geht um die Start- und Landepiste Grossgrüt auf einem Feld zwischen Rheinfelden und Möhlin.

Alles beginnt 2006 mit der Einführung des neuen Richtplans Landschaft und Erholung in Rheinfelden. Thomas Grunder behauptet: «Im Rahmen dessen wurde die Schliessung der Piste veranschlagt – ohne uns vorher zu informieren.»

Erst über den Landwirt, der ihnen das Land verpachtet und die Nachricht im amtlichen Publikationsblatt las, habe der Verein von der Änderung erfahren. Angeregt hatte die Schliessung der Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden.

Nachdem die Modellfluggruppe sich wehrt, verfügt der Stadtrat eine auf zwei Jahre befristete, kündbare Betriebsbewilligung mit jeweils stillschweigender Erneuerung. Das war 2008.

Also alles gut? Mitnichten. 2010 folgt das nächste Kapitel. Für eine Materialkiste neben dem Flugfeld verlangt der Stadtrat eine Baubewilligung. Gegen das Baugesuch gehen verschiedene Einsprachen ein, unter anderem von Vogelschützern und Jägern.

Das Baugesuch wird abgewiesen und im Zuge des Entscheids auch die Schliessung des Platzes bis Ende 2014 verordnet. Es folgen Verfahren beim Regierungsrat und vor dem Verwaltungsgericht. Und auch, als dieses zuungunsten der Modellfluggruppe entscheidet, gibt der Verein nicht auf.

«Die Argumente, die gegen uns ins Feld geführt werden, sind hanebüchen», sagt Thomas Grunder. Weder störe die Flugpiste den Wildtierkorridor, noch leide die Vogelpopulation darunter.

Grunder verweist auf die Kiesgrube ganz in der Nähe und die Hundeschule, die Grünabfall-Sammelstelle sowie die Rheinsaline: «Das alles stört die Tiere mindestens genauso, wie die Flugzeuge. Dass gegen uns vorgegangen wird, ist pure Willkür.»

Flugfeld nicht zonenkonform

Die Stadt Rheinfelden wehrt sich gegen die geäusserten Vorwürfe. «Es ist unbestritten, dass der Flugplatz bei seiner Inbetriebnahme keine Baubewilligung brauchte. Im Laufe der Jahre haben sich Flugplatz und Betrieb jedoch derart verändert, dass er nicht zonenkonform und damit nicht zulässig ist», sagt Stadtschreiber Roger Erdin.

Das hätten mittlerweile zwei Beschwerdeinstanzen festgestellt. «Die Stadt ist stets – auch im Beschwerdeverfahren – für eine Betriebsbewilligung im bisherigen Rahmen eingestanden», so Erdin weiter.

Und: Der Verein sei wiederholt gewarnt worden, den Flugplatz und den Betrieb – etwa durch die Materialkiste – auszuweiten, weil dadurch der Flugplatz insgesamt gefährdet werden könnte.

Letztlich habe der Verein aber auf dem Baubewilligungsverfahren bestanden – «gegen die ausdrückliche Empfehlung der Stadt», wie Erdin sagt. Aktuell liegt der Fall beim Bundesgericht.

Das Vereinsleben geht derweil weiter – in der Schwebe sozusagen. Denn: Das Verfahren beim Bundesgericht hat aufschiebende Wirkung. Die Mitglieder dürfen ihre Piste nutzen.

«Aber jeden Tag schaue ich mit einem mulmigen Gefühl in den Briefkasten und den Mail-Posteingang», sagt Thomas Grunder. Einerseits wünsche er sich Klarheit, wolle einen endgültigen Entscheid, andererseits fürchte er sich vor einem negativen Ausgang.

«Das geht langsam an die Substanz», so Grunder. Er weiss von Mitgliedern, die sich zweimal überlegen, ob sie ein neues Modellflugzeug bauen wollen – angesichts der ungewissen Zukunft. Ein Vereinsmitglied hat aufgrund dieser Situation sogar den Austritt erklärt und das Fliegen aufgegeben. «Alle anderen bleiben standhaft und hoffen auf einen positiven Entscheid», sagt Grunder.

Das Hobby nicht aufgeben

Unklar ist, wann der Entscheid gefällt wird. Das Bundesgericht wurde im Mai dieses Jahres eingeschaltet. In der Zwischenzeit versuchen die Mitglieder der Fluggruppe, ihr Hobby so gut es geht zu geniessen. «Wir lieben es, Zeit draussen in der Natur zu verbringen, den Alltag dabei zu vergessen und uns auf die Steuerung und das Flugzeug zu konzentrieren», sagt Grunder mit einem Lächeln.

Die Freude am Hobby weckt den Kampfgeist. «Egal, wie der Entscheid ausfällt. Wir werden unser Hobby nicht aufgeben und gegebenenfalls wild fliegen», so Grunder. Sein Flugzeug will er auch in Zukunft aus dem Kofferraum holen und in die Höhe steigen lassen.