Am ersten Adventswochenende 2018 präsentierte in Rheinfelden ein ökumenischer Chor Vivaldi-Werke. Im Rahmen eines Projektes sangen der Kirchenchor der römisch-katholischen Kirchgemeinde Rheinfelden-Magden-Olsberg und die Kantorei der reformierten Kirche Region Rheinfelden gemeinsam. Ein Erfolg sei es gewesen, sagt Hans-Peter Streibert, der seit vielen Jahren in beiden Chören aktiv ist.

Es dürfte nicht der letzte gemeinsame Auftritt der Chöre bleiben. Sie sind zwar weiterhin eigenständige Vereine, «doch seit Anfang Jahr proben wir gemeinsam», so Streibert. Seitens der Kantorei habe man sich zu diesem Schritt entschieden, da die Chorleiterin den Chor verliess und Mitglieder altershalber aufgehört haben oder zumindest ans Aufhören denken. «Bis jetzt funktioniert es bestens», so Streibert. Er geht deshalb davon aus, dass es dereinst zur Fusion der beiden Chöre kommt.

Kaum Zugänge, wenig Männer

Auch in Laufenburg zeichne sich wohl «früher oder später» eine Fusion ab, sagt Felix Klingele, Präsident des Laufenburger Kirchenchors. Schon seit einiger Zeit proben der Kirchenchor Laufenburg und der Kirchenchor Sulz gemeinsam und gestalten die Gottesdienste zusammen. Insgesamt kommen die beiden Chöre auf knapp 40 Mitglieder – Tendenz sinkend. «In Laufenburg haben letztes Jahr zwei Personen altershalber aufgehört, dazugekommen ist niemand», so Klingele.

In Frick ist die Mitgliederzahl ebenfalls rückläufig. 33 Sängerinnen und Sänger zählt der Kirchenchor aktuell. Auch hier kommt es altershalber zu Rücktritten «und Neumitglieder finden wir praktisch keine», sagt Präsident Paul Salzmann. Gleich klingt es bei Agnes Oeschger, Präsidentin des Kirchenchors Mettau. Besonders heben die Befragten den Männermangel hervor. «In einzelnen Registern ist es sehr knapp», sagt beispielsweise Paul Salzmann. Etwas gelindert werden kann die Problematik durch die Zusammenarbeit verschiedener Chöre. Letztes Jahr etwa gaben die Kirchenchöre Frick und Stein ein gemeinsames Konzert. Aktuell gibt es ein Projekt der Kirchenchöre Eiken und Stein mit der Chorgemeinschaft Laufenburg-Hochsal auf badischer Seite. «Das ist wohl die Zukunft der Kirchenchöre», so Salzmann.

Keine dauerhafte Verpflichtung

Eine Kombination von verschiedenen Gründen führe zu diesem Nachwuchsmangel, sind sich die Befragten einig. «Viele Leute wollen sich heutzutage nicht verpflichten», sagt etwa Agnes Oeschger. Deswegen sei es für Projektchöre einfacher, Sänger und Sängerinnen zu gewinnen, fügen Salzmann und Streibert an. Ein Mitmachen im Projektchor sei eine Verpflichtung für einen überschaubaren Zeitraum. Dagegen proben die Kirchenchöre wöchentlich ausser in den Schulferien – und absolvieren gut zehn Einsätze pro Jahr.

Zweitens führen die Befragten den kirchlichen Kontext an. Sie verweisen darauf, dass das Interesse an der Kirche in der Gesellschaft generell abnehme. «Ich bin zu wenig fromm», höre sie oft, wenn sie potenzielle Neumitglieder anfrage, sagt Agnes Oeschger. Man bemühe sich zwar, auch moderne Werke zu singen, sagt Klingele,«aber das Repertoire ist dennoch etwas eingeschränkt.» Streibert fügt hinzu: «Kirchliche Musik zieht anscheinend nicht unbedingt.»

Als dritter Grund wird das oft hohe Durchschnittsalter der Chöre angeführt. «Es bräuchte gleich mehrere jüngere Neumitglieder gleichzeitig», sagt Hans-Peter Streibert. Genau dies hat der Kirchenchor Wegenstetten-Hellikon geschafft. «Ich konnte im letzten Jahr gleich sieben neue Mitglieder begrüssen», freut sich Präsidentin Heidi Waldmeier. Ein Dirigentenwechsel hat hier für Abgänge, aber auch für neuen Schub gesorgt. Auch in Kaisten gab es jüngst drei Neumitglieder. «Für das Patrozinium im letzten Herbst lancierten wir ein Generationenprojekt», so Präsidentin Josy Müller. 40 externe Sängerinnen und Sänger haben bei der Latino-Messe mitgemacht. «Drei sind geblieben und dem Kirchenchor beigetreten», so Müller.