Mettauertal

Vom Handarbeiter zum Maschinisten – 40 Jahre Geschichten eines Försters

Förster André Schraner kennt die Mettauertaler Wälder wie kein Zweiter. Dennis Kalt

Förster André Schraner kennt die Mettauertaler Wälder wie kein Zweiter. Dennis Kalt

Nach 40 Jahren gibt Förster André Schraner sein Amt ab. Er erzählt, was sich seitdem verändert hat.

Er kennt den 650 Hektaren grossen Forst wie seine Westentasche: Seit vier Jahrzehnten ist André Schraner verantwortlich, die Wälder des Mettauertals zu bewirtschaften. Zum 1. Juli gibt der 62-jährige Förster sein Amt frei: «Ich will einem jungen Förster die Chance geben, mein Revier zu übernehmen», nennt Schraner als Grund. Die Motorsäge hängt er aber erst im Februar an den Nagel, denn: «Im August bekommen wir einen neuen Lehrling, für den ich mir mehr Zeit nehmen kann», sagt der erfahrene Förster, dem es ein Anliegen ist, dass junge Leute nachkommen und eine Chance erhalten.

Zu den Wurzeln zurück

Aufgewachsen ist Schraner in Wil als Sohn eines Landwirtes, der nebenbei die anliegenden Wälder kontrollierte und dem Förster als Stellvertreter unter die Arme griff: «Mein Vater wollte immer, dass ich auch Landwirt werde», sagt Schraner und erinnert sich daran, dass er sich das Dasein als Landwirt nach ersten Erfahrungen nie richtig vorstellen konnte. Der Zufall will es, dass in Laufenburg ein Forstlehrling gesucht wird. «Mein Vater, der das Amt des Bannwartes im Ort hatte, meinte gleich, ‹das wär doch was›», erinnert sich Schraner. Nach absolvierter Forstlehre und Försterschule wird in Wil 1976 die Stelle des Försters frei und Schraner kehrt zu den Wäldern zurück, die er schon auf Kindesbeinen durchstreifte.

«Als ich den Forst 1976 übernommen habe, gab es keine Arbeitsschutzvorschriften», erinnert sich Schraner, der mit einem Schmunzeln erzählt, dass man damals die Bäume mit einer Zipfelkappe auf dem Kopf gefällt habe. Doch nicht nur die Sicherheitsvorschriften haben sich stark verändert: «Der Forstwart hat sich innerhalb des letzten halben Jahrhunderts vom Handarbeiter zum Maschinisten entwickelt», hält Schraner fest. So musste vor 40 Jahren das Brennholz noch zum Wegrand getragen und das Rundholz mit einem Schäleisen entrindet werden. Mit dem Holzvollernter setzte eine enorme Rationalisierung ein: «Vor seiner Zeit hat eine Arbeitsgruppe von sechs bis zehn Mann rund 25 Kubikmeter Holz an einem Tag produziert. Heute schafft ein Mann rund 250 Kubikmeter mit dem Vollernter», vergleicht Schraner.

Längst habe die Globalisierung auch im Mettauertal Einzug gehalten: «Rundholz kommt billig auf den Markt, wird über die halbe Welt transportiert und drückt die Holzpreise nach unten», weiss der Förster. So habe man für einen Kubikmeter Fichte oder Tanne vor 40 Jahren noch zwischen 150 und 180 Franken erhalten. Heutzutage bekäme man nur noch die Hälfte. «Früher haben die Ortsbürgergemeinden durch die Rentabilität der Wälder einen hohen Gewinn erwirtschaftet. Heute sind die meisten Forstbetriebe defizitär», sagt Schraner und schiebt nach, dass besonders ältere Leute immer noch der Meinung sind, dass der Wald irgendwie rentieren müsse.

«Die Anforderung, den Forst wirtschaftlich zu führen, gepaart mit dem Anspruch für sein ökologisches Gleichgewicht zu sorgen, ist ein immenser Druck. Gerade mit den tonnenschweren Maschinen ist die Verantwortung des Försters gewachsen.» So gäbe es heutzutage mehr Leute, die ihm auf die Finger schauten, was mitunter nervig, aber auch notwendig sei: «Wenn wir bei der falschen Witterung mit schwerem Gerät in den Wald fahren, hinterlassen wir eine Sauerei auf der Strasse. Zudem müssen wir mit den Maschinen besonders vorsichtig sein, weil wir leicht das Wurzelwerk schädigen und wertvollen Bestand zerstören können.» Die gestiegene Verantwortung beschreibt Schraner plastisch: «Früher habe ich geackert, bis mir am Abend der Rücken wehtat. Heute ist es der Kopf, der mich am Abend hin und wieder plagt, wenn ich einen grossen Holzschlag organisieren muss.»

Schlaflose Nächte bei Stürmen

Psychisch hat der Wald dem Förster schon einiges abverlangt: «Gerade Stürme haben mir schon manchmal schlaflose Nächte bereitet. Da hat man dann manchmal schon Bilder im Kopf, wie das wertvolle Holz zertrümmert und zerstückelt am Boden liegt und zermartert sich den Kopf, wie es am nächsten Tag weitergeht.» Doch die positiven Seiten des Waldes überwiegen: «Wenn am Abend die Motoren abgestellt werden, dann nehme ich mir Zeit, die Tiere zu beobachten und die beruhigende und idyllische Atmosphäre in mich aufzusaugen. Ich spüre heute den Wald viel intensiver, wie zu der Zeit als junger Förster.» Auch nach seiner Pension wird es den Förster immer wieder in die heimischen Wälder ziehen: «Ich werde mich dann vermehrt der Jagd und dem Vogel- und Naturschutz widmen. Ausserdem werde ich mich dafür einsetzen, dass die Tradition der Holzköhlerei im Mettauertal weiter gepflegt wird», sagt Schraner.

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