Telefonkabinen

Warum es sich für die Publifone im Fricktal bald ausgeklingelt hat

Sie steht meist einsam und verlassen da: die Telefonkabine an der Hermann-Keller-Strasse in Rheinfelden.

Sie steht meist einsam und verlassen da: die Telefonkabine an der Hermann-Keller-Strasse in Rheinfelden.

In den letzten Wochen wurden zehn Publifone zurückgebaut und die letzten werden auch bald verschwinden. Warum es so schlecht um die Telefonkabinen steht und wer sie überhaupt noch benutzt.

Sie gehören zu einer aussterbenden Spezies: die Telefonkabinen. Aktuell begegnet man den silbernen Geräten mit ihren roten Hörern nur noch in 6 der 32 Fricktaler Gemeinden. Und in den nächsten Wochen und Monaten werden weitere verschwinden. Spurlos. Klingellos. Für immer. «Mittelfristig werden alle Publifone zurückgebaut, da sie kaum mehr benutzt werden», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher auf Anfrage.

Und das kann schnell gehen: Ende letzten Jahres waren im Fricktal noch 21 Publifone in 12 Gemeinden in Betrieb, zwei Jahre zuvor 31 in 19 Gemeinden. Heute sind es noch deren 1 Telefone in den 6 Gemeinden Kaiseraugst (2), Magden (1), Möhlin (1), Olsberg (1), Rheinfelden (5) und Mettauertal (1). Der schnelle Rückbau liegt auch daran, dass die Publifone seit diesem Jahr nicht mehr Teil der Grundversorgung sind, die Swisscom diesen Dienst also nicht mehr anbieten muss.

Wer es also noch einmal erleben will, dieses Telefonzellen-Feeling, das ganze Generationen begleitet hat, wer ihn noch einmal einatmen will, diesen speziellen Mief aus abgestandenem Rauch und x-welchen Parfümvariationen, wer noch einmal wie zu guten alten Zeiten telefonieren will, muss sich beeilen. Denn schon bald – wann genau, sagt die Swisscom nicht – sind auch die letzten elf Leitungen tot. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Damit man das «Ich ruf mal eben an»-Feeling in seiner ganzen Klingel-Dimension, in seiner ganzen Tiefe nochmals erleben kann, publiziert die AZ gleich auch die Nummern der letzten Publifone (siehe Tabelle). So kann man, ganz neckisch, in die Kabine stehen und sich selber vom Handy aufs Publifon anrufen. Oder so.

Infogram: Die letzten Publifone

Auch die Meistgenutzte ist weg

Kein Anschluss unter dieser Nummer. Gefallen ist allein in dieser Woche, genauer: am Montag eine weitere dieser Kulteinrichtungen, in denen man sich als Teenager gerne aufwärmte, Scherzanrufe tätigte – oder eine rauchte. Jene bei der Post in Frick. Aus, vorbei, weg – ausgeklingelt.

Das erstaunt auf das erste Klingelzeichen insofern, als die Swisscom die Fricker Telefonzelle für die AZ noch im November als «die meistgenutzte im oberen Fricktal» eruiert hatte (im unteren war es jene beim Bahnhof in Rheinfelden).

Nur eben: Als Meistgenutzte ist man schnell unter fast gar nicht mehr Genutzten. «Von 2004 bis 2016 ist die Anzahl Gespräche um 95 Prozent zurückgegangen», sagt Hubacher. Die meisten der schweizweit aktuell noch rund 3000 betriebenen Geräte arbeiten nicht kostendeckend.

«Es gibt mehr als 1000 Kabinen, die über Tage hinweg unbenutzt bleiben», so Hubacher. Dazu zählen auch jene in Obermumpf und Mettauertal: Sie sind laut Swisscom die am wenigsten genutzten im Fricktal. Oder besser: Sie waren es. Jene in Obermumpf ist bereits verschwunden, jene in Mettauertal wird «in Kürze» vom Netz genommen, wie Hubacher sagt.

Doch, ein dreifaches Klingel-Hurra!, jene in Mettauertal bleibt der Nachwelt als Zeitzeugin erhalten: Die Gemeinde will die Telefonkabine übernehmen, wie Gemeindeschreiber Florian Wunderlin gegenüber der AZ bestätigt. «Der genaue Verwendungszweck ist noch nicht bestimmt.» Der Gemeinderat habe einige Ideen gesammelt, sich aber noch nicht entschieden, so Wunderlin «Der Verwendungszweck wird wahrscheinlich mit unserem Standortmarketing zusammenhängen.»

Da klingelt nur noch eine Frage im Ohr: Wer, um Himmels willen, nutzt(e) in der heutigen «Ich kann meinen Blick nicht eine Sekunde vom Handy abwenden»-Zeit überhaupt noch die guten alten Publifone?

Es gebe hauptsächlich noch drei Kundengruppen, sagt Hubacher: «Preisbewusste Menschen, die ins Ausland telefonieren wollen, Touristen und sogenannte ‹Notfall›-Nutzer.» Sie nutzten die öffentlichen Sprechkabinen, wenn beim Handy der Akku leer oder – bei Prepaid – das Guthaben aufgebraucht ist. Für sie gilt bald doppelt: ausgeklingelt.

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