Stein

Warum Novartis mit den Kündigungen zuwartet

Bislang wurden in Stein 132 Stellen abgebaut, 80 Mitarbeitende konnten intern wechseln.

Bislang wurden in Stein 132 Stellen abgebaut, 80 Mitarbeitende konnten intern wechseln.

Bis Ende April werden keine restrukturierungsbedingten Kündigungen ausgesprochen – 132 Stellen in Stein abgebaut.

Es war ein veritabler Schock für die Nordwestschweiz: Novartis kündigte im September 2018 an, schweizweit innert vier Jahren 2150 Stellen abzubauen. Allein 700 davon am Standort Stein.

Diese Hiobsbotschaft dämpfte auch merklich die Freude über die gute Nachricht für das Fricktal, die Novartis nur wenige Wochen zuvor bekannt gegeben hatte: Am Standort Stein will der Pharmariese in den nächsten Jahren 90 Millionen Franken in die boomende Zell- und Gentherapien (Cell & Gene) investieren; bis zu 450 neue Stellen werden so entstehen.

Die Milchbüchleinrechnung 700 – 450 = 250 abzubauende Stellen wäre zwar am sozialverträglichsten, dann aber doch zu kurz gegriffen, denn nicht alle Funktionen lassen sich in die neuen Bereiche transferieren respektive für diese umqualifizieren.

Bis heute wurden im Werk Stein im Rahmen der Restrukturierung 132 Stellen abgebaut. «Für rund die Hälfte dieser Positionen wurde eine Kündigung ausgesprochen», sagt Mediensprecher Daniel Zehnder auf Anfrage. Hinzu kommen Austritte und Frühpensionierungen. Aktuell läuft bei 42 Mitarbeitenden die Kündigungsfrist.

Rund 80 Mitarbeitende konn­ten zudem intern in die Einheiten Steriles oder Cell & Gene wechseln. Letztere zählt aktuell 240 Mitarbeitende; der Aufbau des neuen Bereichs laufe damit nach Plan, sagt Zehnder. «Durch fundierte Umschulungen konnten über 80 Prozent der Stellen mit Mitarbeitenden aus betroffenen Einheiten besetzt werden.» 193 Mitarbeitende, vor allem aus den Werken Stein und Schweizerhalle, konnten so weiterbeschäftigt werden.

Novartis kennt beim laufenden Restrukturierungsprozess ein zweistufiges Vorgehen. Betroffene Mitarbeitende erhalten vier Monate vor der Kündigung eine Ankündigung und werden nach der Kündigung für sechs Monate freigestellt.

91 Vorankündigungen bislang ausgesprochen

Seit dem Start des Restrukturierungsprogramms hat Novartis am Standort Stein 91 Vorankündigungen ausgesprochen. Bei 30 Mitarbeitenden läuft die Frist derzeit. Bei all jenen unter ihnen, bei denen die Frist im März oder April abläuft, wartet Novartis wegen der Coronakrise mit der Kündigung zu, wie CEO Vas Narasimhan in einem Interview in der «Sonntagszeitung» sagte.

Man habe sich aus verschiedenen Gründen für die Aussetzung von restrukturierungsbedingten Kündigungen entschieden, sagt Zehnder. «Der wichtigste ist, dass die Covid-19- Krise für unsere Mitarbeitenden sowohl privat als auch geschäftlich grosse Herausforderungen mit sich bringt.» Man wolle die Mitarbeitenden in dieser Situation möglichst unterstützen und nicht noch zusätzlich belasten.

Verzicht auf Kündigungen auch im Mai?

Ob es weitere Verlängerungen der Vorankündigungsfristen und allenfalls auch der laufenden Kündigungsfristen geben wird, sollte die Coronakrise länger anhalten, ist laut Zehnder noch nicht entschieden. «Wir werden die Situation weiter beobachten und zur gegebenen Zeit bestimmen, ob wir weiter auf restrukturierungsbedingte Kündigungen verzichten.» Im Werk Stein betrifft der Kündigungsaufschub aktuell drei Mitarbeitende.

Anders verfährt Novartis bei Vorankündigungen; sie können trotz Coronakrise weiterhin ausgesprochen werden. In Stein betrifft dies zwei Mitarbeitende. «Erst mit der Übergabe der Vorankündigung qualifizieren sich die von Restrukturierung betroffenen Mitarbeitenden für die Leistungen des Sozialplanes», erklärt Zehnder. Daher sei ein Aufschub der Vorankündigung nicht immer im Interesse der Mitarbeitenden. Man prüfe jedoch laufend, ob die Vorankündigungsfristen verlängert werden sollten.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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