Güterverkehr

Wegen Bözberg-Tunnel: Doppelt so viel Gefahrengut rollt durch den Aargau

Täglich rollen mehrere tausend Tonnen Gefahrengüter durch die Region – mit dem Ausbau der Bözberg-Linie dürfte diese Zahl noch einmal massiv steigen.

Täglich rollen mehrere tausend Tonnen Gefahrengüter durch die Region – mit dem Ausbau der Bözberg-Linie dürfte diese Zahl noch einmal massiv steigen.

Nach dem Ausbau des Bözberg-Tunnels wird auch der Güterverkehr mit Chemikalien zunehmen. In einer Interpellation forderten die Grossräte Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) und Martin Brügger (SP, Brugg) Antworten betreffend Sicherheit.

Der Bözberg ist derzeit eine Grossbaustelle. Mit schweren Maschinen wird am 2,7 Kilometer langen neuen Bahntunnel gearbeitet. Der neue Bözberg-Tunnel ist das grösste Einzelprojekt einer ganzen Reihe von Massnahmen, die für die Errichtung des 4-Meter-Korridors auf der Gotthard-Achse nötig sind. Das Ziel: Zusätzliche Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene verlagern.

Die Aargauer Regierung geht davon aus, dass sich der Güterverkehr auf der Bözberglinie nach dem Ausbau verdoppeln wird. Das weckt bei Politikern in der Region ungute Gefühle. In einer Interpellation forderten die Grossräte Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) und Martin Brügger (SP, Brugg) Antworten betreffend Sicherheit, denn: «Mit dieser Zunahme des Güterverkehrs wird sich auch der Transport von Gefahrengütern verdoppeln und mit ihm die möglichen Gefahren.»

Viele Informationen für interessierte Besucher am Tag der offenen Tür auf der Bözbergtunnel-Baustelle.

Viele Informationen für interessierte Besucher am Tag der offenen Tür auf der Bözbergtunnel-Baustelle.

Es bestehen Massnahmen

18 Fragen haben die beiden Grossräte an den Regierungsrat gestellt – zu Schutzmassnahmen auf der Strecke, Kontrollen an den Zügen und Notfall-Konzepten. Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Auch sie rechnet mit einer Zunahme der Gefahrenguttransporte.

Ein Sicherheitsproblem entstehe dadurch aber nicht. Auf der Strecke gäbe es «eine Vielzahl betrieblicher, organisatorischer, baulicher und technischer Sicherheitsmassnahmen», so der Regierungsrat. «Diese entsprechen den eisenbahnrechtlichen Vorschriften.» Auch die BlaulichtOrganisationen seien für einen Notfall entsprechend ausgerüstet und ausgebildet. Beim Neubau des Bözberg-Bahntunnels würden ausserdem zusammen mit den zuständigen Feuerwehren Einsatzkonzepte erstellt, heisst es in der Antwort.

Siedlungsdichte als Risiko

Eine Herausforderung sieht der Regierungsrat allerdings: «Mit der zunehmenden Siedlungsdichte nehmen die Risiken auch dann zu, wenn sich im Betrieb nichts ändert.» So sei das Risiko aufgrund der Siedlungsdichte und der Zahl an Passanten gerade bei Bahnhöfen höher. Die Regierung nennt Aarau und Baden als Gebiete mit dem grössten Risiko im Kanton. «Der technische Fortschritt der installierten Sicherheitseinrichtungen wirkt dieser Entwicklung entgegen, kann sie aber nicht vollständig kompensieren», so die Regierung weiter.

Ein wichtiger Punkt sei daher die Koordination der kantonalen Richt- und Nutzungsplanung mit der Störfallvorsorge. So werden Nutzungsplanänderungen und Baugesuche auch hinsichtlich der Störfallverordnung beurteilt. Gerade bei grösseren Überbauungen könnten die Risiken mit geringem Aufwand reduziert werden, etwa durch die Anordnung der Gebäude, schreibt die Regierung.

Der Regierungsrat will weitere Anstrengungen für die Sicherheit nicht ausschliessen. Ein Postulat mit ähnlicher Fragestellung liegt derzeit beim Bund. Eine Antwort ist demnächst zu erwarten. Die Aargauer Regierung werde diese abwarten und anschliessend prüfen, ob sie weiteren Handlungsbedarf sehe, heisst es.

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