Pandemie
Weihnachtsgeschäft legt Frühstart hin: Die Angst vor einem Lockdown treibt die Fricktaler in die Läden

Weil sie 2020 weniger reisen konnten, sitzt das Portemonnaie bei den Fricktaler lockerer. Dadurch legt das Weihnachtsgeschäft trotz Corona einen soliden Frühstart hin.

Dennis Kalt
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Kann über das Weihnachtsgeschäft nicht klagen: Peter Frey, Inhaber des gleichnamigen Uhren-, Schmuck- und Optikergeschäfts in Frick.

Kann über das Weihnachtsgeschäft nicht klagen: Peter Frey, Inhaber des gleichnamigen Uhren-, Schmuck- und Optikergeschäfts in Frick.

Dennis Kalt

Wer bis jetzt keine Geschenke in der ­Tasche hat, muss sich sputen, um diese für seine Liebsten noch rechtzeitig unter den Tannenbaum zu legen. Genau sieben Tage ist es hin bis Heiligabend. Die Weihnachtszeit ist für viele Fachgeschäfte die wichtigste des Jahres – frei nach der Abwandlung des bekannten Weihnachtsliedes: Süsser die Kassen nie klingeln als zu der Weihnachtszeit. Doch gilt dies angesichts der Pandemie auch für das diesjährige Weihnachtsgeschäft?

«Ja», sagt Peter Frey, der an der Fricker Hauptstrasse ein gleichnamiges Uhren-, Schmuck- und Optikergeschäft führt. «Einige Kunden haben mir erzählt, dass sie wegen Corona nicht in die Ferien verreist sind und damit viel eingespart haben.» So seien diese denn auch eher bereit, für eine Uhr oder eine Kette etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Das Weihnachtsgeschäft hat bei Frey schon vor einigen Wochen langsam eingesetzt. So benötige die Anfertigung eines spezifischen Schmuckstücks ja auch immer eine gewisse Vorlaufzeit, bis dieses in seinem Geschäft eintreffe. Frey sagt, er habe einen umsatzstarken November erlebt «und auch das Weihnachtsgeschäft läuft leicht besser als im Vorjahr».

«Spielwaren sind relativ ­krisenresistent»

«Wir stellen fest, dass die Kunden mit dem Einkauf von Geschenken früher dran sind als gewöhnlich», sagt Marcel Amsler von der Amsler Spielwaren AG. Die Firma mit Sitz in Schupfart führt unter anderem Filialen in Eiken und Möhlin. Grund sei die Unsicherheit der Leute darüber, was angesichts der Pandemie passiert. «Für gewöhnlich sind die zwei, drei Tage vor Heiligabend die besten», sagt Amsler. «Gut möglich, dass sich dies nun verschiebt.» Jedenfalls sei man derzeit dem letztjährigen Weihnachtsgeschäft voraus. «Spielwaren sind relativ krisenresistent», sagt Amsler. So wollten denn Eltern gerade in diesen tristen Zeiten ihren Liebsten ihre Wünsche nicht abschlagen.

Gut in diesem Jahr laufen etwa Puzzles und Brettspiele wie etwa «Brändi Dog», das von einer Behindertenwerkstätte produziert wird. «Wir haben jetzt schon mehr verkauft als im letzten Jahr», sagt Amsler. Insgesamt, so denkt er, seien die Leute eher bereit, mehr Geld für ein Familienbrettspiel auszugeben, weil sie in der Pandemie auch mehr Zeit zu Hause verbringen.

Weil so mancher Spielwarenhändler das früh einsetzende Weihnachtsgeschäft antizipierte, sei die Warenbestellung «zu einem Pokerspiel» geworden, so Amsler, der etwa bei Lego schon Ende Oktober seine letzte Bestellung für das Weihnachtsgeschäft aufgeben musste. So hatte Amsler bei den Bestellungen die Herausforderung, die richtige Balance zu finden, zwischen dem Risiko, dass er nach Weihnachten auf derWare sitzenbeleibt, und jenem, dass ihm die Ware inmitten des Weihnachtsgeschäfts ausgeht. «Es sieht so aus, als hätten wir richtig gepokert», so Amsler.

Ein Lockdown wäre katastrophal

Auch Sybille Bachmann, Geschäftsführerin des Spielwaren- und Babyartikelgeschäfts Binkert in Frick, berichtet von einem früh einsetzenden Weihnachtsgeschäft wegen Lockdownängsten. «In den letzten Tagen vor Weihnachten wäre ein Lockdown katastrophal», sagt sie. Immerhin bestünde dann noch die Möglichkeit, den Kunden die Ware durch eine Öffnung einer Plexiglasscheibe zu reichen. «Der Nachteil ist, dass wir dann die Kunden am Telefon beraten müssten.»

Claudine Hirt, Geschäftsführerin vom Konzeptladen Trag-Werke in der Rheinfelder Marktgasse, sagt: «Die Leute kommen viel geballter, weil die Sonntagsverkäufe ausfallen.» Dies habe sie besonders letzten Samstag gemerkt.

Beim Fläschehals in Frick, der etwa Geschenkkörbe mit Weinen, Spirituosen und Delikatessen anbietet, merkt man nicht, dass das Weihnachtsgeschäft anders läuft als in den vergangenen Jahren. «Viele Leute kommen zu uns erst am 23. oder 24. – dann, wenn sie immer noch kein Geschenk haben», so Mitarbeiterin Ruth Hartmann.