Die Ausgangslage ist vielversprechend: Die Pharmaindustrie investiert fleissig ins Fricktal, die Baubranche ist gut ausgelastet, der Life-Science-Cluster fährt satte Gewinne ein und für das kommende Jahr prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel für den Fricktaler Wirtschaftshimmel ein Traum-Wetter. Das reale Bruttoinlandprodukt soll 2018 um fünf Prozent steigen – so viel, wie sonst nirgends in der Nordwestschweiz.

Alles himmelblau und stahlklar also? Nicht ganz. Denn bei allem Optimismus schwebt immer eine dunkle Restwolke am Wirtschaftshimmel mit: die Arbeitslosenzahlen. Seit Jahren liegt die Arbeitslosenquote im Aargau um die drei Prozent herum. Aktuell, also Ende Januar, lag sie bei 3,3 Prozent. Der Bezirk Laufenburg liegt dabei meist unter dem kantonalen Schnitt; derzeit weist das obere Fricktal eine Quote von 2,7 Prozent aus. Das ist nach Muri (2,5 Prozent) der zweittiefste Wert. Das untere Fricktal liegt bei 3,2 Prozent, also ebenfalls noch unter dem Kantonsmittel.

Das ist nicht allzu hoch, doch Michael Widmer, Gemeindeschreiber von Frick, hat sicher recht, wenn er sagt: «Hinter jeder arbeitslosen Person steht ein Einzelschicksal.» In Frick sind es aktuell 108 Einzelschicksale. Kumuliert sind im Bezirk Laufenburg derzeit 472 Personen als arbeitslos gemeldet, im Bezirk Rheinfelden 812 (siehe auch Tabelle oben). Nicht eingerechnet sind die Ausgesteuerten. Auf Stellensuche sind im oberen Fricktal 605 Personen, im unteren Fricktal 1061.

Die Zahlen sind recht konstant. In den letzten zehn Jahren schwankte die Zahl der Arbeitslosen im oberen Fricktal zwischen 276 im Juni 2008 und 507 im Januar 2017. Im unteren Fricktal war der tiefste Wert im Mai 2008 mit 498 Arbeitslosen erreicht, der höchste im Januar 2010 mit 842.

Rege Bautätigkeit hilft

Beide Bezirke zusammen liegen aktuell mit einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent klar unter dem kantonalen Schnitt. Woran liegt es? Primär an der Stärke der Pharmaindustrie. «Der Arbeitsmarkt im Bezirk Rheinfelden und im ganzen Fricktal ist geprägt von der Life-Science-Branche, die 45 Prozent des im Fricktal erwirtschafteten Bruttoinlandproduktes ausmacht», sagt Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden. Als einen zweiten Quotensenker sieht Widmer die starke Bautätigkeit in der Region, «was positiv für Gewerbe und Handwerksbetriebe ist».

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt verfolgen die Gemeinden genau. Denn die Zahl der Arbeitslosen wirkt sich doppelt auf die Kommunen aus. Zum einen sinken die Steuererträge, wenn viele Personen arbeitslos sind, denn ein Arbeitsloser bekommt von der Arbeitslosenversicherung nur 70 bis 80 Prozent seines letzten Verdienstes ausbezahlt.

Zum zweiten, und das ist für die Gemeindekassen fast bedrohlicher, birgt eine hohe Arbeitslosenquote stets das Risiko, dass Arbeitslose während des versicherten Zeitrahmens von zwei Jahren keine Stelle finden und ausgesteuert werden. Dann sind sie oft auf materielle Unterstützung der Gemeinde, also auf Sozialhilfe, angewiesen.

«Dauert eine Arbeitslosigkeit längere Zeit, steigt in der Regel auch das Risiko, später in die Sozialhilfeabhängigkeit zu rutschen», sagt Erdin. «Der Anstieg der Langzeitarbeitslosen führt deshalb in der Regel auch zu einem Anstieg der Sozialhilfequote.» 2016 – neuere Zahlen liegen nicht vor – lag die Sozialhilfequote im Bezirk Rheinfelden bei 2,3 Prozent, im Bezirk Laufenburg bei 1,8 Prozent. Im Kantonsschnitt lag sie bei 2,2 Prozent.

Über 50-Jährige haben es schwer

Die Arbeitslosigkeit ist dabei einer der gewichtigen Risikofaktoren. Besonders gefährdet sind dabei Personen über 50 Jahre. Wenn sie die Stelle verlieren, haben sie es doppelt schwer, einen neuen Job zu finden. Die Gefahr «lässt sich jedoch nicht präventiv beeinflussen», sagt Katharina Spreyermann, Leiterin der Sozialen Dienste in Möhlin. Rutscht jemand in die Sozialhilfe, «hat die Arbeitsintegration erste Priorität».

Allerdings, so schränkt sie ein, seien längst nicht alle Sozialhilfebeziehenden arbeitsfähig. «Verschärfungen in der Praxis der Invalidenversicherung haben auch zu einer höheren Sozialhilfequote geführt, genauso wie die Kürzung der Leistungsdauer in der Arbeitslosenversicherung», so Spreyermann.

Auch Widmer sieht das so. Als Gemeinde könne man höchstens indirekt auf die Arbeitslosenquote Einfluss nehmen. Und zwar, «indem man ein Umfeld schafft, das für Industrie und Gewerbe vorteilhaft ist». Dies gehe vom Baulandangebot über die Verkehrserschliessung bis hin «zu schlanken und raschen Bewilligungsverfahren».

Widmer ist sich aber auch bewusst: «Der Einfluss der einzelnen Gemeinde dürfte dabei eher gering sein.» Setzen sich jedoch alle Gemeinden einer Region dafür ein, «so hat dies sicher einen Effekt darauf, ob sich Unternehmen in einer Region ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen oder nicht».

Derzeit sind alle drei befragten Gemeinden zuversichtlich, dass sich die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten nicht akzentuieren wird. Zum einen «müsste die Quote saisonal bedingt eher wieder sinken», sagt Spreyermann. Zum andern sind die Wirtschaftsaussichten gut. «Vor diesem Hintergrund stehen die Entwicklungschancen auch für den Arbeitsmarkt gut, und es ist wohl nicht mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote zu rechnen», so Erdin. Der prognostizierte Wirtschaftsaufschwung dürfte im Gegenteil zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen.