Wahlen

Wer rechts steht und wer eher links: FDP Laufenburg unter der Lupe

Die FDP im Bezirk Laufenburg stellt derzeit einen Grossrat. Daran wird sich nach den Wahlen kaum etwas ändern.

Vor den Wahlen ist nach den Wahlen – zumindest für die FDP im Bezirk Laufenburg. Die Freisinnigen stellen derzeit einen Grossrat – und werden dies auch nach den Wahlen vom 18.Oktober tun. Denn eine Veränderung in beide Richtungen ist nicht wahrscheinlich.

Für eine Bewegung nach unten müsste die Partei massiv Stimmen verlieren; darauf deutet nichts hin. Die Partei holte bei den letzten Grossratswahlgängen stets um die elf Prozent. Ein ähnliches Ergebnis dürfte sie auch diesmal einfahren.

Seine Wiederwahl gilt als sicher

Nach oben, also in Richtung zwei Sitze, wird es nicht gehen, weil der Wähleranteil dafür schlicht zu klein ist. Zum Vergleich: Für ihren zweiten Sitz brauchte die SP vor vier Jahren knapp 19 Prozent der Stimmen – und erst noch erheblich Proporzglück.

War vor vier Jahren bei der FDP im Bezirk Laufenburg die grosse Frage, wer Politschwergewicht Adrian Ackermann beerben kann, Daniel Suter oder Peter Weber, ist die Ausgangslage diesmal klar. Nachdem Daniel Suter Ende 2019, nach nur drei Jahren im Amt, aufgrund der Mehrfachbelastung als Gemeindeammann von Frick und als Unternehmer, zurücktrat und Peter Weber, der 2016 als Zweiter ins Ziel einlief, aufs Nachrutschen verzichtete, sitzt Bruno Tüscher seit Anfang Jahr im Grossen Rat. Der Gemeindeammann von Münchwilen macht hier einen guten Job, seine Wiederwahl gilt als sicher.

Tüscher will keinen ­umfassenden Sozialstaat

Vergleicht man sein Spiderprofil mit jenen seiner Parteikollegen – für Patrick Bernhart, Raffaele Rubino und Rahel Wächter liegen auf vimentis.ch, der Wahlplattform, mit der die AZ zusammenarbeitet, keine Angaben vor –, so fällt auf, dass Tüscher am wenigsten von allen von einem umfassenden Sozialstaat hält. Dafür hat er bei der liberalen Gesellschaft den stärksten Peak, gefolgt von Eugen Voronkov, Alessandro Giglio und Raphael Lemblé.

Freier als die anderen möchte Tüscher auch die Wirtschaft gestalten, wobei Lemblé hier klar am zurückhaltendsten ist. Er votiert dafür stärker als die anderen drei für ein strenges Rechtssystem.

Generell fällt auf: Die Profile der vier Freisinnigen sind deutlich heterogener als beispielsweise jene der SP-Kandidaten, die sehr nahe beieinander liegen. Dies zeigt sich bei vielen der 44 Fragen, die teilweise konträr beantwortet werden. Zu einer Widerspruchslösung in der Organspende sagt Tüscher klar Nein, Giglio und Voronkov ebenso klar Ja. Lemblé hat hier einfach Plus angeklickt, was für «ich bin eher dafür» steht.

Stimmrecht für Ausländer ist umstritten

Unterschiedlich beurteilen die vier auch die Frage, ob Ausländern, die schon mehr als zehn Jahre in der Schweiz und davon mindestens fünf Jahre im Aargau leben, das Stimmrecht auf kantonaler Ebene gewährt werden soll. Voronkov und Tüscher sind klar dagegen, Giglio und Lemblé eher dafür.

Uneinig sind sich die Kandidaten auch darin, ob Parteien verpflichtet werden sollen, Spenden und Beiträge von über 10000 Franken offen zu legen. Tüscher und Voronkov können dieser Idee gar nichts abgewinnen, Lemblé sagt eher nein dazu und Giglio eher ja.

Bislang sind Amtsenthebungen von Regierungsräten oder anderen Behördenmitgliedern im Aargau nicht möglich. Das soll sich ändern, finden Giglio und Voronkov. Eher Nein sagt Lemblé und ein «neutral/ich weiss nicht» hat Tüscher bei dieser Frage angeklickt.

Heftig diskutiert wird derzeit, ob die 5G-Technologie gesundheitsschädigend ist. Kaum ein Baugesuch für eine 5G-fähige Antenne geht ohne Einsprachen durch, manche fordern sogar ein Moratorium. Von der Idee, 5G-Antennen zu verbieten, halten Tüscher und Giglio gar nichts, Lemblé und Voronkov sagen eher Nein.

Vergleicht man die Profile der vier FDP-Kandidaten auf dem Links-rechts-Schema, so steht Tüscher klar am weitesten auf der rechten Seite. Allerdings ist auch er noch im zweiten von vier Quadranten, also eher gemässigt. Näher bei der Mittelachse liegt Giglio, während Voronkov die Achse sogar schon schrammt. Lemblé seinerseits steht – zumindest basierend auf den 44 Fragen, die der Positionierung zu Grunde liegen – sogar links von der Achse.

Giglio auf liberaler, Lemblé auf der konservativen Achse

Nimmt man die zweite Achse, also jene, die anzeigt, ob ein Politiker im liberalen oder im konservativen Lager politisiert, so steht Giglio am weitesten auf der liberalen Seite. Wobei auch er noch im ersten der vier Quadranten angesiedelt ist. Etwas näher bei der Mittelachse liegt Tüscher, während Voronkov diese berührt. Dies tut auch Lemblé – allerdings von der anderen Seite her; der Spider positioniert ihn im gemässigt konservativen Lager.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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