Die Meldung im «Aargauer Tagblatt» vom 19. Februar 1979, dass die Oberhöfler ein Referendum abgelehnt haben, ist gleich dreifach bemerkenswert. Erstens ist nicht alltäglich, dass 1979 in Oberhof das Referendum ergriffen wurde. «Kaum einer erinnert sich in Oberhof, jemals eine Referendumsabstimmung erlebt zu haben», hält der Journalist im «Tagblatt» fest.

Zum Ergebnis – das Referendum wurde klar abgelehnt – schreibt der Journalist nüchtern: «Doch diese ‹Neuerung› konnte in der Gemeinde auf den ersten Anhieb noch nicht Fuss fassen; zumindest ein Achtungserfolg darf den Referendumsbefürwortern attestiert werden.»

Für den Gemeinderatsbeschluss, dass eine Abwassergebühr von 50 Rappen pro Kubikmeter eingeführt wird, stimmten 94 Oberhöfler, dagegen 51. «Interessant auch, dass das Referendum von 40 Bürgern unterschrieben worden war und jetzt, am Tag X, bloss 11 Stimmen mehr gewonnen werden konnten», staunt der Redaktor. 

Bei wenigen Referenden ist es in Oberhof seither geblieben. Gemeindeammann Roger Fricker erinnert sich an deren zwei: jenes zur Postautohaltestelle beim «Adler» und jenes zum Windpark Burg.

Die Causa, über die da an diesem kalten Februarsonntag – das Thermometer stieg kaum über 0 Grad, der Himmel war stark bewölkt – abgestimmt wurde, ist das zweite Bemerkenswerte: die Einführung einer Abwassergebühr. Was heute selbstverständlich ist, war damals neu – und für manche eine Ungeheuerlichkeit. Im Vorfeld der Abstimmung wurde dem Gemeinderat Willkür vorgeworfen, und das Referendumskomitee monierte, man wolle mit der Gebühr vor allem die Landwirte zur Kasse bitten. Der Gemeinderat widersprach und verwies darauf, dass für die Bauern eine Ausnahmeregelung gelte. Ein Landwirt erhalte zwei Wasseruhren – eine für den Landwirtschaftsbetrieb und eine für die Wohnung.

Die Sache mit dem Flugblatt

In Oberhof ging im Vorfeld der Abstimmung gehörig die Post ab – und dies auch im wörtlichen Sinn. Denn die «Wachsamen Stimmbürger der Gemeinde Oberhof», wie sich die Referendumsbefürworter nannten, wollten den Oberhöflern ihre Sicht der Dinge vermitteln – man kann auch sagen: Sie wollten sie, aus ihrer Sicht, wachrütteln. Dazu hängten sie zum einen im Dorfkonsum ein Plakat auf, das allerdings schon wenige Stunden später nicht mehr hing – trotz Bewilligung. Der Gemeindeammann sei halt Präsident der besagten Genossenschaft, beklagte sich Heiner Handschin, einer der wachsamen Bürger, im «Tagblatt».

Weiter «habe sich zu unguter Letzt der Gemeinderat und gleichzeitige Posthalter vorerst geweigert, die Wurfsendung der Referendumsbefürworter im Dorf zu verteilen», wird Handschin zitiert. «Erst auf Druck der Kreispostdirektion in Aarau sei diese Orientierung der Stimmbürgerschaft doch noch in die Briefkästen gesteckt worden.»

Dieser Vorwurf rief, und das ist das dritte Bemerkenswerte an der Abwasser-Causa, die besagte Kreispostdirektion auf den Plan. In einer Stellungnahme wehrt sie sich in der Donnerstagsausgabe gegen den Vorwurf, Druck gemacht zu haben. «Als vorgesetzte Stelle des Postbüros Oberhof sind wir verpflichtet, diese Ausführungen richtigzustellen», heisst es da. Die Streusendungen seien am Mittwoch, 14. Februar, vom Posthalter am Schalter entgegengenommen worden. Er habe dabei den Vorbehalt angebracht, dass er nicht sicher sei, ob er das anonyme Flugblatt – ohne Name des Verfassers oder des Druckers – auch wirklich zustellen dürfe. Am Donnerstagmorgen habe der Posthalter «seine Bedenken telefonisch bei der Kreispostdirektion Aarau vorgetragen und die klare Anweisung erhalten, die Sendungen seien in Ordnung und müssten zugestellt werden». Die Frau des Aufgebers sei am gleichen Morgen vom Posthalter über den Bescheid der Kreispostdirektion verständigt worden, das Flugblatt sei dann «innerhalb der vorgegebenen Frist» in alle Haushaltungen vertragen worden.

Abschliessend hält die Kreispostdirektion fest, dass es «auf keinen Fall als ‹Druck der Kreispostdirektion› ausgelegt werden dürfe», dass sich der Flugblatt-Aufgeber am Donnerstagmorgen noch persönlich bei der Kreispostdirektion über den Stand der Dinge erkundigt habe und daraufhin ein weiterer Telefonanruf beim Postbüro Oberhof erfolgt sei. Weshalb aber dann ein weiterer Anruf erfolgt ist – das Geheimnis der Kreispostdirektion bleibts.

Benkenlinie kommt

Ein anderes «Geheimnis» lüftete der Regierungsrat nur einen Tag später: Die Postautolinie über das Benkerjoch kommt. «Ein langersehnter Wunsch der Gemeinden des oberen Fricktals wird Wirklichkeit», hielt das «Tagblatt» dazu fest. Denn bislang verkehrten die Postautos nur zwischen Frick und Oberhof. Mit dem Fahrplanwechsel im Frühjahr 1979 wurden dann an Werktagen sechs Kurspaare von Oberhof über den Benken geführt, «wobei fünf Kurspaare bis Aarau fahren und nur einmal in Küttigen auf die Staffelegglinie umzusteigen ist». Am Samstag wurden vier, am Sonntag drei Kurspaare angeboten. Die Benkenlinie wurde versuchsweise für zwei Jahre eingeführt.

Aus dem Versuch ist längst ein Definitivum geworden – und statt sechs Kurspaaren pro Tag verkehren heute gut 20. Sie halten dabei seit den 1990er-Jahren an der «neuen» Haltestelle beim Restaurant Adler; denn auch dieses zweite Referendum gegen eine Verlegung der Haltestelle von der Post zum «Adler» ging in Oberhof bachab.