Kritik übt die Arbeitsgruppe Burg aus Wölflinswil am geplanten Windpark auf der Burgflue in den Gemeinden Kienberg SO und Oberhof AG: «Entschieden wehren wir uns dagegen, dass unter dem Begriff ‹alternativ› Projekte möglich sein sollen, die jede Verhältnismässigkeit negieren und das hohe Gut Landschaft fahrlässig aufs Spiel setzen.» 3 bis 4 Windkraftanlagen, eine davon im Gemeindebann Oberhof, sollen gebaut werden.

Allerdings ist es noch lange nicht so weit: Umweltverträglichkeitsbericht und Windmessungen sowie Erhebungen über den Vogel- und den Fledermausflug fehlen noch. Damit die Öffentlichkeit über die Anreizstrategie für erneuerbare Energie auf dem Laufenden gehalten wird, sollen Informationsveranstaltungen durchgeführt werden.

Breit abgestützte Arbeitsgruppe

Ein Orientierungsanlass mit rund 190 Teilnehmern fand am 4.November in Wölflinswil statt. Die Arbeitsgruppe Burg informierte aus ihrer Sicht über die (negativen) Auswirkungen eines Windparks auf die Region. Der breit abgestützten Arbeitsgruppe gehören Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeindebehörden, Naturschutz, Gewerbe, Landwirtschaft, Wald und Jagd sowie weitere Interessierte und Engagierte aus den Gemeinden Wölflinswil, Oberhof und der Region an.

Nun hat die Gruppe, unter dem Präsidium von Förster Werner Habermacher aus Wölflinswil, im Rahmen der Vernehmlassung zum neuen Aargauer Richtplan zuhanden der Abteilung Raumentwicklung eine Eingabe verfasst. Darin wird erwähnt, die bis heute vorliegenden Projektstudien für den Standort Burg seien rudimentär. Die Grundlagen für die Standortwahl von Windparks mit dem Konzept Windenergie Schweiz vom August 2004 würden aufzeigen, dass von 110 Standorten deren 12 als prioritär festgelegt worden seien. Aargau, Solothurn und Baselland seien in diesem Konzept des Bundes nirgends erwähnt.

«Unsere Arbeitsgruppe ist für die Förderung von Alternativenergien. Wir sind aber überzeugt, dass die Nutzung der Windenergie mit Grossanlagen in der Schweiz – wenn überhaupt – nur an wenigen Standorten sinnvoll ist. Generelle Behauptungen, wie die Anlage Burg würde 4000 Haushaltungen mit Strom versorgen, sind irreführend und völlig unhaltbar. Eine solche Versorgung ist nur im Strommix denkbar. Windenergie ist nicht steuerbar, kann über längere Zeitabschnitte völlig ausfallen und führt bekanntermassen zu grossen temporären Belastungen in der Stromverteilung oder kann bei grossem Bedarf nur Bruchteile abdecken. In den Richtplanunterlagen ist von einer minimalen jährlichen Produktionszeit für Windparks von 1500 Stunden die Rede. Also an lediglich 2 von 10 Tagen würden die Räder im Schnitt eine messbare Produktion erbringen. Es muss auch hier um die Verhältnismässigkeit gehen.»

Warum lehnt die Arbeitsgruppe eine Windparkanlage im Gebiet Burg konsequent ab? Die Begründung liefert sie in ihrer Vernehmlassung: «Die erwähnte Region erreicht aufgrund bekannter Messdaten äusserst knapp den minimalen Richtwert. Für eine einigermassen vertretbare Nutzung bleibt dann offensichtlich nur der Weg über möglichst grosse Anlagen, um die höher führenden Windströme zu nutzen.

Gemäss den Vorprojektunterlagen muss auf Burg mit Windrädern von maximal 196 Meter Höhe gerechnet werden: Nabenhöhe 140 Meter und Rotor 112 beziehungsweise 56 Meter über der Nabe. Bevor andere konkrete Projektvorgaben vorliegen, müssen wir von dieser Maximalhöhe ausgehen. Vergleichbare Anlagen oder Projekte zeigen, dass tendenziell immer höher gebaut wird. Die Rotordurchmesser werden zunehmend grösser. Wo soll das bloss enden?»

Die Wölflinswiler Arbeitsgruppe Burg lehnt den Planungsgrundsatz in der Richtplanvorlage Aargau entschieden ab, wonach Grosswindanlagen den Vorrang haben sollen, damit ein hoher Energieertrag erzielt werden kann: «Im Falle der Burgflue handelt es sich um eine grosstechnische Monsteranlage, deren Errichtung in dieser feingliedrigen Juralandschaft einem krassen Bruch mit der Bewahrung einer intakten Naturlandschaft gleichkommt.

Die Dimension des ganzen Vorhabens steht jeder Verhältnismässigkeit diametral gegenüber. Wer den Jura kennt, weiss, dass zu Beginn der grosse Jurabogen im Aargau sehr fein ziseliert ist. Er wird von Landschaftskennern und Geografen als lieblich und zierlich bezeichnet gegenüber dem Westen, wo das Mittelgebirge immer grösser und mächtiger wird (Weissenstein, Hohe Winde, Chasseral). In diese Aargauer Landschaft gehören keine solchen Anlagen, die jede vernünftige Massstäblichkeit sprengen.»

Direkt bis an die Burgflue breitet sich das Quellschutzgebiet von Wölflinswil und Oberhof aus. Die ganze Nordostseite des Berges ist Waldgebiet und geschützte Zone. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe ist nicht auszudenken, was die Zufahrtserschliessungen ab Salhöhe, der Bauplatz und die gesamte Fundation für Auswirkungen auf Boden und Wasser haben können. Offen sei auch der ausreichende Schutz der im Nahbereich betroffenen Einwohner bezüglich Lärm. Aber auch für Fussgänger bilde der Eiswurf von Windkraftanlagen ein bekanntes Sicherheitsrisiko. «Müssen wir uns dann in der bis anhin freien Natur noch mit Sicherheitszonen herumschlagen?», fragt die Arbeitsgruppe.

«Entwertung von Liegenschaften»

«Die Verschandelung einer einzigartigen Landschaft ist nicht zu rechtfertigen. Zudem kann die Ansiedlung guter Steuerzahler erschwert werden und es muss die Entwertung bestehender Liegenschaften in Betracht gezogen werden», heisst es weiter in der Vernehmlassung der Arbeitsgruppe, die sich bei solchen Anlagen gegen ein Planungsverfahren wehrt, «welches auf eine örtlich begrenzte Nutzungsplanung abstellt.» Es könne nicht sein, dass ein einzelner Kanton oder sogar eine einzelne Gemeinde darüber entscheidet, ob eine solche Grossanlage errichtet werden könne oder nicht.

«Wir sind für Alternativenergien. Wölflinswil hat seit Jahren das Energiestadt-Label. Solarenergie und Holz sollen mehr genutzt werden. Gute Beispiele haben wir bei uns im Dorf. Wir stellen uns aber entschieden gegen die geplante Windpark-Grossanlage auf Burg und betrachten diese als einen unverantwortbaren Eingriff in eine intakte, feingliedrige Juralandschaft. Wir erwarten im Jurapark Aargau den Ausschluss solcher Grossanlagen und entsprechende Entscheide auf Kantons- und Bundesebene. Die Schönheit und die Eigenart der Landschaft gilt es zu bewahren.»