Er hat gut lachen: Ueli Urwyler von der IG Pro Steg. Letzte Woche hat der Gemeinderat in badisch Rheinfelden dem neuen Rheinsteg zwischen den beiden Schwesterstädten zugestimmt – und er tat dies mit 26:3 Stimmen «noch deutlicher, als ich es erwartet hatte». Damit liegt der Entscheid, ob der neue Steg gebaut wird, nun auf Schweizer Seite: Die Stimmberechtigten entscheiden an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 30. März über das 6,6 Millionen Franken teure Bauprojekt.

Urwyler ist optimistisch, dass auch hier eine Mehrheit für den neuen Steg stimmen wird. Mehr noch: Er rechnet mit einem deutlichen Ja, «das sagt mir mein Bauchgefühl». Das Gefühl in der Magengrube fühlt sich bei GLP-Grossrat Roland Agustoni nicht wesentlich anders an. Auch er rechnet damit, dass die Gemeindeversammlung dem Projekt zustimmen wird. Leider, aus seiner Sicht, denn Agustoni ist ein bekennender Gegner des Steges.

Ob das Ja auch Bestand hat, sollte das Referendum gegen den (noch zu fällenden) Gmeind-Entscheid ergriffen werden, ist für Agustoni indes «nicht so sicher». Die GLP, die sich einstimmig gegen den Rheinsteg ausgesprochen hat, werde das Referendum zwar nicht aktiv ergreifen, würde aber ein solches unterstützen, sagt Agustoni.

Auch in Deutschland hatte sich Ende Januar eine Mehrheit der Bürger gegen den Bau des neuen Rheinstegs ausgesprochen. Da die Gegner das notwendige Quorum von 20 Prozent jedoch nicht erreichten, kam der Bürgerentscheid nicht zustande. Die Abstimmung zählte nicht – und das Geschäft ging zurück an den Gemeinderat.

Einig sind sich Agustoni und Urwyler neben der Prognose, wie die Gemeindeversammlung entscheidet, noch in einem zweiten Punkt: Der neue Rheinsteg ist schön. «Architektonisch gefällt der Steg», sagt auch Agustoni. Nur: «Es braucht ihn nicht.» Die Kosten-Nutzen-Frage wird für ihn das «Pièce de résistance» im bevorstehenden Abstimmungskampf sein. Insbesondere in drei Punkten kommen Urwyler und Agustoni zu ganz anderen Schlüssen:

Die Kostenfrage: Agustoni findet den Steg mit 6,6 Millionen Franken «extrem teuer». Daran ändert für ihn auch nichts, dass die beiden Städte nur rund einen Viertel der Kosten selber tragen müssen. Der Rest wird über Förderprogramme und aus speziellen EU-, Landes-, Kantons- und Bundestöpfen finanziert. «Auch das ist unser Geld. Es kommt einfach aus anderen Portemonnaies.» Für Urwyler wären die beiden Rheinfelden schlecht beraten, die gesprochenen Gelder nicht zu nehmen. «Diese sind projektgebunden und fliessen sonst in eine andere Region.»

Die Pendlerfrage: An die 400 Deutsche, so schätzt die Stadt, arbeiten im Gesundheitszentrum, der Reha und im Sole uno. Urwyler ist überzeugt, dass viele von ihnen den neuen Steg, der in der Nähe der drei Betriebe landet, als Arbeitsweg nutzen werden. Agustoni sieht hingegen für Pendler «keinen Mehrnutzen. Sie werden nach wie vor über die alte Rheinbrücke kommen.»

Die alte neue AHV-Runde

Die Nutzenfrage: Der alte Rheinsteg, der 2011 nach 112 Jahren zusammen mit dem alten Kraftwerk abgerissen wurde, war bei Familien und Senioren äusserst beliebt, weil er eine kleine Spazierrunde – man sprach auch von der AHV-Runde – möglich machte. Der neue Steg stellt diese Verbindung für Urwyler wieder her, sei völkerverbindend und habe das Potenzial zum neuen Wahrzeichen. «Die internationale Bauausstellung Basel 2020 weist den Steg als Leuchtturm-Projekt aus.» Agustoni sieht den zusätzlichen Nutzen nicht, «es gibt genügend Übergänge». Handlungsbedarf sieht er dagegen beim Rheinuferweg zum neuen Kraftwerk: Dieser müsse ausgebaut und mit einem Belag versehen werden, der Wischmaschinen-tauglich ist.

Über sieben Brücken könnte man in Rheinfelden zwar auch mit dem neuen Rheinsteg nicht gehen – aber dann doch über fünf. Vorerst lautet in Rheinfelden jedoch die Frage: Wohin des Weges?