Zeiningen/Wallbach
Wo grünt es am Grünsten? Auf diesem Feld wird Recyclingdünger erforscht

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, Agroscope, führen auf einem Fricktaler Bauernhof einen Versuch mit Recyclingdünger durch. Jetzt wird dafür ein Mast gebaut.

Nadine Böni
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Die verschiedenen Versuchsbereiche sind farblich voneinander zu unterscheiden.

Die verschiedenen Versuchsbereiche sind farblich voneinander zu unterscheiden.

Maike Krauss, FiBL (April 2020)

Auf einem Feld nahe des Kiesholzhofs zwischen Zeiningen und Wallbach wird in den kommenden Tagen ein gut 20 Meter hoher Mast aufgestellt. An seiner Spitze ist eine spezielle Kamera montiert. Mast und Kamera gehören zu einem Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und des Kompetenzzentrums des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, Agroscope. Auf dem Feld wird die Wirkung verschiedener Recyclingdünger unter den Bedingungen des Biolandbaus untersucht.

«Ziel des Projekts ist es, die Wirkung verschiedener Recyclingdünger und von Pflanzenkohle auf Erträge, Bodenqualität, Nährstoffverluste und Emission klimarelevanter Gase zu untersuchen», sagt FiBL-Projektleiterin Else Bünemann-König. Dies unter Bedingungen des Biolandbaus.

FiBL und Agroscope kümmern sich dabei um die Düngung sowie Ertragserhebungen, Klimagasmessungen und Bodenprobenahmen. Landwirt Anton Obrist und sein Sohn Fabian übernehmen alle Pflegearbeiten wie Bodenbearbeitung, Unkrautbekämpfung und Abernten des Versuchs nach der Beprobung.

Kamera ermöglicht Monitoring der Nährstoffversorgung

Der Versuch unter dem Titel «Recycle4Bio» läuft seit 2018. Der Mast mit Kamera soll nun weitere Erkenntnisse bringen. Die installierte Kamera erlaubt das Monitoring spezifischer Farbspektren. Agroscope erforscht damit die Dynamik der Nährstoffversorgung und Ertragsentwicklung aus Recyclingdüngern. «In Zukunft lassen sich mit solchen Technologien die Nutzung der Nährstoffe und damit die Erträge nachhaltig erhöhen», sagt Jochen Mayer, Projektleiter von Agroscope.

Das Feld wurde in Teilflächen aufgeteilt, auf denen seit 2018 verschiedene Dünger ausgebracht werden. Die Grüntöne und ihre jeweilige Intensität können unter anderem Aufschluss darüber geben, wie hoch der Chlorophyllgehalt in den Blättern ist. Bünemann erklärt:

«Da das Chlorophyll die Energie für das Pflanzenwachstum bereitstellt, bedeuten dunkelgrünere Blätter meist auch mehr Ertrag.»

Bisher wurden unter anderem Versuche mit Weizen und Silomais durchgeführt. Dabei zeigte sich: Flüssige Recyclingdünger haben dieselbe Wirkung wie herkömmliche Rindergülle. Solide Aussagen seien aber erst aufgrund von mehrjährigen Ergebnissen möglich, sagt Bünemann. Der Mast mit Kamera steht nun maximal bis im November auf dem Feld zwischen Zeiningen und Wallbach und wird anschliessend wieder zurückgebaut.

Keinerlei Auswirkungen auf den Ort

Überhaupt: Vom Versuch auf dem Feld soll nach dessen Ende dereinst nichts mehr zu sehen sein. «Wir benötigten eine ausreichend grosse, möglichst ebene und einheitliche Fläche auf einem Biobetrieb, und die Bereitschaft des Betriebes, an dem Versuch mitzuwirken und die Fläche zur Verfügung zu stellen», sagt Bünemann. Daher habe man sich für die Örtlichkeit entschieden.

Der Versuch falle gerade Spaziergängern und Velofahrern sicher auf, da häufig Behälter für die verschiedenen Dünger auf dem Servicestreifen stehen oder viele Personen bei Probenahmen oder Düngerausbringung auf dem Feld tätig sind. «Im übrigen hat der Versuch keinerlei Auswirkungen vor Ort», so Bünemann.

Dünger aus Abfallprodukten

Sogenannte Recyclingdünger werden aus Abfallprodukten hergestellt und beispielsweise in Biogasanlagen mit landwirtschaftlicher Gülle vergoren. Aus organischen Abfällen aus Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie oder kommunaler Sammlung wird dort zunächst Energie gewonnen. Die Restprodukte können dann als Dünger eingesetzt werden. Je nach Anlagetyp werden sie als Biogasgülle oder als flüssiges und festes Gärgut bezeichnet. Diese Recyclingdünger sind noch relativ neu und ihre Wirkung wenig erforscht.