Küttigen

Grossgärtnerei Hauenstein will ganz an die Aare ziehen

Hauenstein-Areal im Gebiet Waagacher. Die Bauprofile betreffen provisorische, bereits bewilligte Bauten.

Hauenstein-Areal im Gebiet Waagacher. Die Bauprofile betreffen provisorische, bereits bewilligte Bauten.

Für den Umzug der Gärtnerei soll das 3,5 Hektaren grosse Areal Waagacher/Unterweg in eine Speziallandwirtschaftszone umgewandelt werden. Dagegen gibt es eine Einsprache.

Die Firma Hauenstein Baumschulen AG will innerhalb Küttigens umziehen, respektive ihre vier Betriebsstandorte auf zwei konzentrieren. Das wird das Gesicht des Ortsteils Rombach gleich in mehrfacher Hinsicht verändern.

Erstens gibt die Firma den Standort zwischen Alter Stockstrasse und Bibersteinerstrasse (Nr. 1 in der Grafik unten) auf. Dadurch wird mitten in Dorf Bauland frei. Auf dem Areal entstehen rund 170 Wohnungen. Der Gestaltungsplan samt Sondernutzungsvorschriften ist erst kürzlich rechtskräftig geworden.

An vier Standorten ist die Hauenstein Baumschulen AG heute tätig. 1 und 3 verschwinden, der Betrieb wird auf die Standorte Waagacher (3) und Unterweg (4) konzentriert.

An vier Standorten ist die Hauenstein Baumschulen AG heute tätig. 1 und 3 verschwinden, der Betrieb wird auf die Standorte Waagacher (3) und Unterweg (4) konzentriert.

Zweitens betreibt die Hauenstein AG einen kleineren Standort nördlich der Bibersteinerstrasse, unterhalb des Sportareals Ritzer (Nr. 2). Dieses Areal könnte künftig ebenfalls überbaut werden: Es liegt teils in der Wohnzohne «W2+», teils in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Laut Gemeindeschreiber Robert Rütimann wurde der Gemeinderat angefragt, ob er sich ein Gestaltungsplanverfahren auf den beiden Wohnparzellen vorstellen kann. Der Rat habe zugestimmt, Abklärungen dazu seien im Gang.

Drittens tut sich aktuell etwas in den beiden nebeneinanderliegenden Gebieten Waagacher (Nr. 3) und Unterweg (Nr. 4). Sie befinden sich Ausgangs Dorf in Richtung Biberstein, zwischen der Bibersteinerstrasse und dem Weg entlang des Aare-Unterwasserkanal (Aareuferweg). Auf diesen Gebieten, die heute schon von der Hauenstein Baumschulen AG genutzt werden, soll künftig der gesamte Betrieb konzentriert werden. Dazu braucht es eine Teilrevision der Nutzungsordnung Kulturland und eine Teiländerung Kulturlandplan. Die Unterlagen dazu lagen bis am Montag bei der Gemeinde auf.

Neue Speziallandwirtschaftszone

Konkret sollen beide Areale in eine rund 3,5 Hektaren grosse Speziallandwirtschaftszone umgewandelt werden. Die Parzellen im Waagacher (heute Baumschulzone) gehören der Hauenstein AG. Die Fläche wird seit Jahren für Container-Pflanzungen genutzt. Auch im Gebiet Unterweg (heute Landwirtschaftszone), das teils der Baumschule, teils dem Kanton gehört, ist die Hauenstein AG bereits jetzt tätig.

Die beiden Areale liegen zwar direkt nebeneinander, werden aber durch einen öffentlichen Fuss- und Veloweg sowie einen Streifen Wald und den Aabach getrennt. Man habe «intensiv geprüft», ob sich die Gebiete zusammenlegen liessen, heisst es im Bericht zur Nutzungsplanungsrevision. «Die Probleme mit dem Wald, dem Gewässer Aabach und der Interessen des Velos- und Fussverkehrs stehen dieser Idee entgegen.»

1500 Quadratmeter grosse Halle

Im Waagacher ist eine teilweise unterkellerte Halle mit rund 1500 Quadratmeter Fläche geplant. Sie beherbergt eine Werkstatt, das Lager, Büro- und Personalräume sowie eine Verkaufsfläche. Die Kundschaft der Hauenstein Baumschulen AG bestehen laut Begleitbericht zu 90 Prozent aus Gärtnereibetrieben, nur einer von zehn Kunden ist eine Privatperson. Entsprechend sind nur rund 225 Quadratmeter für Kunden frei zugängliche Verkaufsfläche vorgesehen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Ab einer Verkaufsfläche von 7500 Quadratmeter (0,75 Hektaren) wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Das neue Betriebsgebäude ist L-Förmig entlang der Bibersteinerstrasse angelegt. Geplant sind im Waagacher ausserdem drei bis vier Gewächshäuser mit je etwa 300 Quadratmeter Fläche sowie Parkplätze.

Das Areal Unterweg, das schon heute zur Produktion und Lagerung von Pflanzen verwendet wird, soll auch künftig ausschliesslich als Kulturfläche genutzt werden – konkret als Stellfläche für Containerpflanzen.

Kleiner Fruchtfolgeflächenverlust

Es geht nur wenig Fruchtfolgefläche verloren: «Das Areal Waagacher ist künstlich geschüttet, es handelt sich nicht um Fruchtfolgeflächen», heisst es im Planungsbericht. Das Gebiet Unterweg sei teilweise als bedingt geeignete Fruchtfolgefläche bezeichnet; im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens wird der Nachweis für die Rückführbarkeit in Fruchtfolgefläche verlangt.

Erschlossen wird das Areal via Bibersteinerstrasse. «Die verkehrstechnischen Untersuchungen zeigen, dass die beiden Areale sicher an die Kantonsstrasse angebunden werden können», heisst es im Planungsbericht. Dies führe zu keiner übermässigen Beeinträchtigung des Verkehrsflusses.

Es gibt eine Einsprache

Gegen die Teilrevision der Nutzungsplanung Kulturland ist fristgerecht eine Einsprache eingegangen. Gemeindeschreiber Robert Rütimann erklärt die angeführten Argumente: «Bei der Einsprache geht es um grundsätzliche Fragen der Raumplanung: Durch die geplante Umzonung würden weitere landwirtschaftliche Flächen verloren gehen und die Zersiedelung der Landschaft würde weiter voranschreiten.»

Geplant ist, die Teilrevision den Stimmbürgern an der Sommergmeind 2018 vorzulegen. Klar ist, dass der Gemeinderat ein «hohes öffentliches Interesse» an der Umsiedelung der Baumschule bekundet. Vor allem, weil so das alte Areal mitten im Dorf frei wird für eine Überbauung.

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